Stanznieten, das Fügeverfahren für Automobilbauer?

Dipl.-Ing. Hubert Jütte, Projektmanager Mechanische Fügetechnik der Böllhoff Systemtechnik: „Stanznieten ist für viele Fügeanwendungen das zielführende Verfahren“ und Ing. Mag. Heinz Hackl, Leitung Forschung & Entwicklung, Fronius International: „Deltaspot ist ‚die’ Weiterentwicklung des Widerstands-Punktschweißens“.

24. August 2006

PRO: In der Automobilindustrie, und in vielen anderen Industriezweigen werden zukunftsweisende Produkte nur durch den Einsatz von innovativen Werkstoffen realisiert. Innovative Werkstoffe verlangen nach innovativen Verbindungstechniken.

Das Fügeverfahren Stanznieten bietet hier nicht nur eine Alternative zu den traditionellen Fügeverfahren wie dem Punktschweißen, sondern ist für viele Fügeanwendungen das zielführende Verfahren. Hierbei durchstanzt ein Halbhohlniet die oberen Materiallagen der zu verbindenden Bleche und spreizt sich in der untersten Lage auf. Das Ergebnis ist eine form- und kraftschlüssige Verbindung. Besondere Vorteile: Das Stanznieten lässt einen variablen Materialmix mit unterschiedlichen Materialdicken und Festigkeiten zu. Zudem können auch bereits beschichtete und vorlackierte Bauteile verbunden werden. Und selbst Zwischenlagen aus Kunststoff oder Klebstoff sind problemlos zu verarbeiten, weil die Fügestelle nicht thermisch belastet wird. Das Spektrum der Stanznietwerkzeuge reicht vom einfachen Handgerät bis zu automatisierten Systemen mit kurzen Taktzeiten. Hier sorgt eine Kraft-Weg-Kontrolle der Prozessüberwachung für eine maximale Prozesssicherheit und Reproduzierbarkeit der Verbindungen.

Hubert Jütte

CONTRA: Das Widerstands-Punktschweißen ist für die Automobilindustrie, ihre Zulieferer und Dünnblech verarbeitende Produktionsbetriebe ein wesentliches Fügeverfahren. Mit „Deltaspot“ wurde dieses nun weiterentwickelt. Um die Elektroden laufende Prozessbänder sorgen für hundertprozentig reproduzierbare Schweißpunkte, hohe Verfügbarkeit, Prozesssicherheit und Spritzerfreiheit.

Stahl und Aluminium, beschichtete Bleche sowie Mischverbindungen aus beschichteten Stahlblechen und Aluminium können, ohne Ablagerung der Beschichtung, gepunktet werden. Höchstfeste Materialien, wie zum Beispiel Bohrstähle, aber auch unterschiedliche Materialstärken oder Mehrblechverbindungen lassen sich prozesssicher miteinander verbinden. Die Oberflächenstruktur bleibt glatt und unverändert.

Ein weiterer Vorteil des Widerstands-Punktschweißverfahrens Deltaspot ist die automatisierte, zerstörungsfreie Prüfung jedes Schweißpunktes.

Dies entspricht dem Bedarf der Anwender nach hundertprozentiger Überwachung aller anfallenden Verbindungen.

Heinz Hackl

Erschienen in Ausgabe: 08/2006