Stanz- und Umformmechaniker – ein neuer Beruf

Standpunkt/Peter Gladisch

Peter Gladisch setzt große Hoffnungen in den neuen Ausbildungsberuf in der Blechbearbeitung.

04. Juni 2013

Mit dem 1. August 2013 beginnt eine neue Ära in den Fertigungsbereichen der Stanz- und Umformunternehmen. Auf jahrelanges Drängen der Betriebe steht erstmalig bundesweit ein eigenständiger dreijähriger Ausbildungsberuf ›Stanz- und Umformmechaniker/-in‹ zur Verfügung, der quasi auf Augenhöhe mit dem Werkzeugmechaniker den gesamten Produktionsprozess fachlich begleitet und steuert.

Das Aufgabenspektrum von Stanz- und Umformmechanikern umfasst die Einrichtung und Inbetriebnahme verketteter Produktionsanlagen in der Stanz- und Umformtechnik, die vollständige und selbsttätige Überwachung sämtlicher Produktionsabläufe, einschließlich prozessbegleiten der Prüfungen, die Ermittlung und Dokumentation von Störungen bis hin zur Qualitätssicherung mittels entsprechender branchenüblicher Software und Messeinrichtungen.

Darüber hinaus fertigen und montieren Stanz- und Umformmechaniker im Rahmen der Hybridtechnik hochwertige Verbundteile aus Metall und Kunststoff mit weitreichender Funktionsintegration in hoher Präzision.

Die Branchenunternehmen der Blechumformung sind zu einem großen Teil als Zulieferer für die Automobilwirtschaft, die Konsumgüter- und Investitionsgüterindustrie, im Maschinen- und Anlagenbau oder in Bereichen der erneuerbaren Energien tätig und bewegen sich in einem globalen dynamischen Markt.

Große Losmengen mit einer schlanken Teilestruktur gehören immer mehr der Vergangenheit an; zunehmend werden kleinere Losgrößen mit einer sich ständig erweiternden Teile- und Variantenvielfalt in immer kürzeren Zyklen abgerufen. Dadurch nehmen Rüstvorgänge drastisch zu. Die Fertigungsprozesse insgesamt werden komplexer und entwickeln sich zunehmend in Richtung Baugruppen- und Komponentenfertigung. Die Ausbildung ›Stanz- und Umformmechaniker/-in‹ trägt also dem steigenden Qualifikationsbedarf Rechnung.

Seine Einführung ist außerdem ein wichtiger Schritt zur dringend notwendigen Fachkräftesicherung und Nachwuchsgewinnung – insbesondere unter dem Aspekt des viel zitierten ›demographischen Faktors‹ und im Hinblick auf die Alterstruktur in den überwiegend mittelständischen Betrieben mit einer alternden Belegschaft.

Das KIST Kompetenz- und Innovationszentrum für die Stanztechnologie Dortmund e.V. hat seit 2008 maßgeblich im Verfahren zur Einführung des neuen Berufes mit Sachverständigen im Verbund mit den Sozialpartnern, den Fachministerien des Bundes sowie Vertretern der Kultusministerien der Länder an der Verordnung mitgewirkt.

Nun bleibt zu wünschen, dass der neue Beruf eine große Resonanz in den Unternehmen der Branche erfährt und die an ihn gerichteten Hoffnungen in vollem Maße erfüllt.

Informationen zum neuen Ausbildungsberuf, etwa zum Ausbildungsrahmenplan sowie zur Prüfungsordnung, halten die örtlichen Industrie- und Handelskammern in den jeweiligen Fachabteilungen für das Ausbildungswesen bereit. In Kammerbezirken mit einer hohen Dichte an Umformunternehmen finden derzeit bundesweit regionale Informationsveranstaltungen für ausbildungsinteressierte Unternehmen statt.

Zur Person

Peter Gladisch ist Geschäftsführer der GSU-Schulungsgesellschaft für Stanz- und Umformtechnik mbH und des KIST Kompetenz- und Innovationszentrums für die Stanztechnologie Dortmund e.V.

Erschienen in Ausgabe: 04/2013