Spezialisten für Integration

Am 7.10.2005 lud Salvagnini nach Sarego, Italien, zur Hausmesse. Und in Sachen Flexible Fertigungszentren zeigten die Italiener jede Menge HighTech und interessante Kundenlösungen.

23. November 2005

„Erstmals waren wir in diesem Jahr nicht Aussteller auf der EMO“, so Stefano Casella, Mitarbeiter des ‚Exhibitions Departements’ bei Salvagnini und ergänzt: „Wir gehen gezielt zu Spezialmessen, weltweit, und setzen vermehrt auf unsere erfolgreichen Hausmessen.“

Im Vorführzentrum von Salvagnini im italienischen Sarego standen nicht Einzelmaschinen, sondern Fertigungszellen und eine komplette flexible Fertigungslinie für die Herstellung von Blechpanelen im Zentrum des Interesses der zahlreichen Besucher. S4 + P4 lautet eine Salvagnini-Formel für den Erfolg.

Die Fertigungslinie besteht aus dem vollautomatischen Regallagerturm MD, der die Bleche dem angeschlossenen S4- Stanz- und Schersystem zuführt. Hier erfolgen dann die Stanzungen, Prägungen und Lochungen des Bleches.

Eine Spezialität des S4 ist der Salvagnin-Mehrfachpressen-Stanzkopf, der mit bis zu 96 Einzelwerkzeugen bestückt werden kann. Vorteil des einzigartigen Werkzeugsystems: Ein Werkzeugwechsel muss erst bei kompletter Umstellung des Produktspektrums erfolgen. Zudem können mit der integrierten Winkelschere in der S4 Bleche an vier Seiten beschnitten werden, oder Tafeln in Einzelbleche zerteilt werden.

Der richtige Stapel

Auf die S4 folgte dann eine Stapeleinheit zum Stapeln der Blechplatinen auf Paletten, um sie aus dem System auszuschleusen oder die Blechteile an die nachfolgende Zuführeinheit weiterzuleiten. Hier werden die gestanzten und geschnittenen Blechplatinen für die Bearbeitung in das P4 2525 abt, ein automatisches Biegezentrum, übernommen. Das Blech wird hier auf dem Arbeitstisch mittels eines Manipulators bewegt. Der segmentierte Niederhalter kann sich vollautomatisch in 5-mm-Schrit­ten der jeweiligen zu bearbeitenden Blechgröße anpassen, um ein sicheres Niederhalten für die Biegeoperationen zu garantieren.

Das abt-System sorgt für die automatische Kompensation der Wärmeausdehnung in der Maschine, um über die gesamte Einsatzzeit für immer präzise und reproduzierbare Biegeergebnisse zu sorgen.

„Das ist eine wichtige Sache, denn wir wollen mit unseren Fertigungslinien eine hohe Verfügbarkeit garantieren. Dazu ist es wichtig, dass alle Komponenten sicher und präzise zusammenarbeiten“, erläutert der ‚Branch Manager’ Andrè Huber, der auch für den deutschen und österreichischen Markt verantwortlich zeichnet.

Natürlich stellte Salvagnini auch seine automatische Abkantzelle Roboformer G2 im Betrieb vor. Ob das kleine, leichte Edelstahlblech - ein Stifthalter für den Schreibtisch - oder ein 40 kg schweres 5-mm-Stahlblech einer Abdeckung zu Biegen ist, beides erledigt das System zuverlässig und sicher.

Roboterunterstützt

Die Kombination aus einer LVD-Abkantpresse, einem Kuka-Roboter - Salvagnini setzt übrigens bei all seinen Systemen auf die Roboter aus Augsburg -, einer Zentrierstation, von der der Roboter die Bleche exakt übernehmen kann, einer Umgreifstation - die das Blech so lange hält, bis die Roboterhand sich in die richtige Position bewegt hat - und lediglich eine Steuerung für Abkantpresse und Roboter erlaubt die sehr schnelle Umstellung auf einen neuen Biegeauftrag.

Im vorliegenden Fall bedurfte es nur eine kurzen Eingabe in das Salvagnini-Programm, und schon bog der Roboformer anstatt des kleinen Edelstahlstifthalters ein großes, dickes und schweres Stahlblech. „Der Vorteil eines solchen Systems ist, dass nur eine Steuerung und nur eine Software für Roboter und Abkantpresse zuständig sind. Das minimiert den Programmieraufwand und verhindert Schnittstellenprobleme“, so Stefano Casella. Übrigens, für exakte Biegewinkel ist das Laser-Kontrollsystem „Easyform“ zuständig.

Und noch eine zweite Robo­terunterstützte Fertigungszelle arbeitete in Sarego gleich nebenan: Ein automatisches Biegezentrum P4 2516 abt mit einem Kuka-Roboter, der für das Be- und Entladen zustän­dig ist. Dieses Biegezentrum beherrscht neben dem Biegen von Paneelen mittels der Option »Cut« auch die Herstellung von mehreren Profilen aus einer Blechplatine, indem nach jeder Kantsequenz Schnitte ausgeführt werden.

Lasern und mehr

In einer der Fertigungshallen in Sarego werden auch die L2-Flachbettlasermaschinen montiert und erprobt. Hinter der Ausstellungsmaschine, die mit einem 3-kW-Rofin-CO2-Slab-Laser ausgestattet war, bauten die Mitarbeiter gerade eine Fertigungseinheit für eine Kundenabnahme auf. Hier haben die Automatisierungsspezialisten aus Sarego eine L2 mit integrierter, kompakter Be- und Entladestation aufgebaut. „Wichtig ist, dass der Kunde in seiner Produktion keine Nebenzeiten hat. Daher kommt dem Be- und Entladen eine wichtige Funktion zu“, erklärt Stefano Casella.

In Sarego arbeiten etwa 530 Mitarbeiter (weltweit etwa 1.000 Mitarbeiter), die sich um den Maschinenbau, die Elektrik, den Service und die Software kümmern. Der eigenen Software kommt bei Salvagnini eine Schlüssefunktion zu, denn sie macht das Unter­nehmen unabhängig von den Steuerungsherstellern und garantiert einen absolut reibungslosen Ablauf aller Fertigungschritte der Salvagnini-Komponenten. Und sollte es dann doch einmal irgendwo haken, sorgt „EasyData“ von Salvagnini für die schnelle Fehlererkennung. Auf dem Bildschirm erscheint das Bild der Gesamtanlage mit der Kennzeichnung der Störstelle, auf die Schritt für Schritt gezoomt wird, bis das Störbauteil exakt erkennbar ist. Der Bediener erhält die Bauteilnummer und kann diese direkt via E-Mail an den Salvagnini-Service weiterleiten, oder das Störbauteil selbst auswechseln.

Erik Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 11/2005