Sparen durch Simulation?

Sascha Fischer, Siemens A& , „Simulationstools reduzieren Entwicklungszeiten“ und Claus Kühnl, Phoenix Contact, „konsequente Umsetzung mechatronischer Konzepte führt zu größeren Einsparungen“, in bbr.

09. Juni 2006

(Pro)( Simulationstools reduzieren Entwicklungszeiten bei der Neukonstruktion einer Maschine durch interdisziplinäre mechatronische Entwürfe. Schon früh fließt das Wissen der mechanischen und elektrischen Entwicklung sowie der Informatik in Maschinen- und An­lagenmodelle ein. Simulation führt zu einem Sicherheitsgewinn bei der Entwicklung von Maschinen und Anlagen. Noch bevor die erste re­ale Maschine gebaut wird, sind Leistungsdaten abgesichert und bekannt. Finanzierungskosten für Prototypen oder teure Tests reduzieren sich auf ein Minimum. Simulation ist nicht auf die Konstruktion beschränkt, auch bei Inbetriebnahme und Einfahren von Maschinen und Anlagen unterstützt sie. Alle diese Schritte führen zu Kostenreduktion durch Zeit- und Materialersparnis. Die Time-to-Market von der Idee bis zur Serienfertigung einer Maschine wird wesentlich verkürzt. Auch bei der Anpassung an spezifische Anforderungen einer Applikation unterstützen Simulationstools. Produktionsteil, Maschine und die gesamte Fertigungsanlage können noch vor dem Einsatz von Res­sourcen zusammen mit dem Kunden an die speziellen Anforderungen angepasst oder Konzepte verbessert werden. Die Simulation bietet auch dem Anwender erhebliche Vorteile. Bei Fertigungsprozessen und dem Einfahren neuer Werkstücke können Material und Fertigungsressourcen eingespart sowie Maschinenlaufzeiten optimiert werden.

Sascha Fischer, Manager Account Direktvertrieb & Dienst­leistungen, Siemens A&

( (Contra)( Durch den Einsatz von Simulationen sollen Zeit und Geld gespart sowie Risiken minimiert werden. In einigen Bereichen ist dies auch durchaus sinnvoll - zum Beispiel bei der Simulation von Gebäuden oder bei Crash-Tests. Für den Maschinenbau gilt dies aber nur bedingt, denn die konsequente Umsetzung mechatronischer Konzepte führt zu größeren Einsparungen von Zeit und Kosten. Die Simulation von Maschinen im deutschen Maschinenbau wird in den nächsten drei bis fünf Jahren eine Nischenanwendung bleiben. Mein Hauptkritikpunkt an der Simulation ist die Praxistauglichkeit. Die Qualität der Daten, die Genauigkeit des Simulationsmodells sowie der zusätzliche Aufwand zur Datenerstellung und -pflege stellen viele Unternehmen vor große Probleme. Denn die Simulation im Maschinenbau erfordert immer einen zusätzlichen Aufwand. Der Nutzen einer Simulation hängt dabei hauptsächlich von den richtigen Annahmen im Simu­lationsmodell sowie der Genauigkeit und Richtigkeit der Daten ab. Diesen Umstand haben auch die Befürworter und Vertreiber von Simulationswerkzeugen erkannt. Außerdem funktioniert Simulation meist nur, wenn sie vollständig durch einen Dienstleister bereitgestellt wird. Dagegen führen Investitionen in einen konsequent mechatronischen Ansatz gerade bei kleinen und mittelständischen Maschinenbauern zu höherem Nutzen.

Claus Kühnl,

Mitarbeiter der Business Unit Automatisierung, Phoenix Contact

Erschienen in Ausgabe: 06/2006