Spanische Meister

Technik/Bandanlagen

Der spanische Stahl-Service-Center-Konzern und Automobilzulieferer Gonvarri hat sich zum Bau seiner neuen Anlage im thüringischen Ichtershausen auf bewährte Partner aus seinem Heimatland gestützt.

10. Februar 2014

Der Metallverarbeiter Gonvauto Thüringen hat ein spanisches Konsortium, bestehend aus Salico Hispania, Arisa und Biele, mit Lieferung, Montage und Inbetriebnahme einer neuen Schneidelinie mit Stanzpresse beauftragt. Die Linie dient dem Schneiden von Platinen für die Automobilindustrie, auch für sichtbare, 3 mm dicke Außenteile mit maximal 4500 mm x 2500 mm.

Die von Salico gelieferte Bandzuführanlage kann Coils von 30 Tonnen und einem maximalen Durchmesser von 2000 mm sowie Innendurchmessern von 508 mm oder 610 mm aufzunehmen.

Sobald sich diese Coils auf den Lagerstationen befinden, verläuft das Laden auf die Abwickelhaspel völlig automatisch. Die Dornkonstruktion ermöglicht die kontinuierliche Anpassung an die Abmessungen des Innendurchmessers, so dass auch an den letzten Materialwindungen keine Markierungen oder Verformungen verursacht werden.

Am Eingang der Schneidelinie ermöglicht eine Zurichtmaschine mit hydraulischer Schopfschere sowohl das Anpassen der Bandanfänge und Bandenden als auch die Produktion und Entnahme von Musterteilen für das Labor. Die Zurichtmaschine kann während des Normalbetriebs der Linie eingeschaltet bleiben, so dass sie das Band schon vorrichtet, was der Präzisionsrichtmaschine, insbesondere bei den härteren Stählen mit einer Streckgrenze bis 650 MPa, von großer Hilfe ist. Die Präzisionsrichtmaschine mit Kassettensystem ist für das Erreichen der Bandebenheit zuständig. Um das gesamte Spektrum an Dicken (0,5 bis 3 mm) und Härten (bis 650 MPa Streckgrenze) abzudecken, kann sie mit zwei Rollenkassetten verschiedenen Durchmessers betrieben werden.

Der Kassettenwechsel verläuft vollautomatisch und dauert etwa zehn Minuten. Am Maschineneingang wird der Graben kontinuierlich mit Material gefüllt, wodurch seitens der Vorschubwalzen stets eine für die Schneidzyklen der Presse ausreichende Materialmenge zugeführt wird. Diese Walzen sind in der Höhe verstellbar und können so den verschiedenen Werkzeugen angepasst werden. Mit Hilfe eines Systems zur sofortigen Öffnung während des Schneidens sind sie auch für die Arbeit mit Folgewerkzeugen geeignet.

Die Einführung des Bandanfangs zwischen Maschinen, die Erstausrichtung der Präzisionsrichtmaschine sowie die Abführung des Bandendes sind hoch automatisiert, was die Eingriffe des Maschinenbedieners auf ein Minimum reduziert.

Die gesamte Linie wird von einem Sicherheitszaun geschützt, der nicht nur den Zugang des Maschinenbedieners in die Gefahrenbereiche verhindert, sondern auch die Entnahme von Ausschuss- und Musterteilen ermöglicht, ohne die Anlage anhalten zu müssen. Zudem können auf diese Weise auch die Wartungsarbeiten unter garantierten Sicherheitsbedingungen ausgeführt werden.

Arisa ist für die Herstellung der Stanzpresse verantwortlich. Dieser Maschinenbauer aus der nordspanischen Region La Rioja widmet sich seit 1940 der Herstellung von Pressen und beliefert führende Unternehmen auf der ganzen Welt mit Kaltverformungsmaschinen in Form mechanischer Pressen und Servopressen im Hochleistungsbereich. Die ersten Lieferungen an die Gonvarri-Gruppe gehen bis in die 90er-Jahre zurück. Seither sind immer wieder gemeinsame Projekte durchgeführt worden, und stets mit sehr zufriedenstellenden Ergebnissen.

Im vorliegenden Fall handelt es sich um eine Presse mit 8000 KN Presskraft sowie mit Tisch- und Stößelabmessungen von 4500 mm x 2500 mm. Der ›Link Drive‹ genannte Antriebsmechanismus läuft über Schwenkhebel und ermöglicht dadurch einen sanfteren Kontakt zwischen der oberen und unteren Werkzeughälfte, was sich unter anderem in einer höheren Teilequalität, geringerem Werkzeugverschleiß, geringerer Pressenvibration widerspiegelt.

Die Maschinensicherheit wird über-Sicherheits-SPS Siemens CPU-315-F 2DP erreicht, die laut Hersteller jederzeit einen sicheren Pressenbetrieb garantiert. Beim Visualisierungsbildschirm handelt es sich um einen Touchscreen Siemens MP377, wodurch eine bequeme und angenehme Bedienung der Presse und ihrer Kontrollsysteme gewährleistet ist.

Die Presse ist mit einem automatischen Werkzeugwechselsystem über T-verfahrbare Tische ausgerüstet. Dies begünstigt eine Produktivitätssteigerung der Linie, da die Umrüstungszeit für ein neues Teileprogramm wesentlich verringert wird.

Das gesamte System wird über Scanner abgesichert, der den Werkzeugwechselbereich begrenzen und den Vorgang absolut sicher gestalten. Zudem kann beim Werkzeugwechsel dank dieses Systems auch Personal eingespart werden, was wiederum die Produktivität der Anlage erhöht.

Wegen der hohen Lautstärke des Platinenschnitts verfügt die Presse über ein Schallschutzsystem, das die Lärmbelastung erheblich reduziert und gleichzeitig dem Arbeitsbereich mehr Sicherheit verleiht.

Es kann also erwartet werden, dass die von Gonvauto Thüringen erworbene Presse alle Bedingungen einer Hochleistungs-Stanzpressenanlage erfüllt. Und das aus guten Gründen: Seit mehreren Jahrzehnten beliefert die Biele S.A. die Gonvarri S.A., zu der Gonvauto gehört, mit Geräten, und ihre mehr als 150 Anlagen sind über die ganze Welt verteilt. Da sich die Gonvarri-Gruppe in einem ständigen Entwicklungsprozess befindet, nicht nur hinsichtlich des Konstruktion neuer Produkte, sondern auch der Entwicklung neuer Formen von Prozessoptimierung, ist der Wunsch nach ständiger Verbesserung ein wesentliches Merkmal dieser Gruppe.

Innerhalb des aktuellen Projekts hat Biele S.A. die Stapelanlage entwickelt, die die aus der Presse kommenden Teile auf spezifische Paletten stapelt. Was diese neue Anlage besonders auszeichnet, ist ihre enorme Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an ganz unterschiedliche Stapelformen von Teilen. Die Kombinierung von Robotertechnologie mit magnetisch gesteuerten Transportvorrichtungen, Kippladesystemen, Sammeltischen sowie einer komplexen Programmierung ermöglicht die Stapelung der Teile direkt auf Paletten. Dabei kann sich die Stapelanlage nicht nur dem nachfolgenden Fertigungsprozess der enorm unterschiedlichen Innenteile der Automobilkarosserie anpassen, sondern auch die von der Pressenlinie bestimmte Fertigungsgeschwindigkeit jederzeit übernehmen.

Das Projekt machte häufige Sitzungen und Gespräche für den Informationsaustausch zwischen den beteiligten technischen Abteilungen der Lieferanten und den Technikern der Gonvarri-Gruppe nötig, sowohl in Spanien als auch in Deutschland. Ziel dieser Treffen war es, eine möglichst sichere und komfortable Anlage mit optimaler Produktivität zu erhalten. Heute steht die Fertigungseinrichtung in Deutschland, und die damit gefertigten und bearbeiteten Teile werden künftig an die Automobilindustrie geliefert. Momentan befindet sich die Linie in einer Prüfungsphase, die bereits sehr weit fortgeschritten ist und auf die Prozessoptimierung für die verschiedenen herzustellenden Teile abzielt.

Zahlen & Fakten

Arisa s.a., 1940 gegründet, stellt seit 1947 im nordspanischen Logroño am Oberlauf des Ebro mechanische und Servo-Pressen von 1600 KN bis 16000 KN Schließkraft her. Biele S.A., zwischen Bilbao und San Sebastian angesiedelt, beschäftigt sich seit 1973 mit der Prozessautomatisierung für die Verarbeitung und Handhabung von Blechen, sowohl aus kalt und heiß gewalztem Stahl als auch aus Edelstahl, Aluminium und anderen Metallen. Salico hispania S.A. ist eine Ingenieursgesellschaft aus der Region Madrid, die sich seit 1978 intensiv mit der Kostruktion von Band- und Bandreinigungsanlagen beschäftigt.

Erschienen in Ausgabe: 01/2014