Spaltbänder aus hochfestem Aluminium

Die Anforderungen an Bandanlagen werden kontinuierlich höher, da immer festere Werkstoffe verwendet werden. So bietet hochfestes Aluminium, beispielsweise in der Automobil- oder Luftfahrtbranche, ganz neue Möglichkeiten, ist aber in der Verarbeitung überaus anspruchsvoll.

16. Februar 2019
Spaltbänder aus hochfestem Aluminium
Seit Herbst 2018 werden bei Niemet besonders breite Aluminiumbänder gespaltet. (Bild: Burghardt + Schmidt)

Auch im Bereich der Blechkonfektionierung und -bearbeitung muss auf die Genauigkeit und Schnittqualität geachtet werden, um Ausfallchargen zu vermeiden. Viele in die Jahre gekommene Anlagen können jedoch die modernen Werkstoffe nicht präzise genug schneiden, da spezielle Dicken sowie Breiten in der Geometrie von Spaltbändern benötigt werden. Deshalb rüstete die Manfred J.C. Niemann Zentrale KG (Niemet) Ende 2018 ihren Maschinenpark mit einer neuen Breitband-Längsteilanlage der Burghardt + Schmidt GmbH auf. Die neue Anlage ist für eine Bearbeitung besonders breiter Aluminiumbänder von 800 bis 2.100 Millimeter ausgelegt. Dank der überaus exakten Schere und einer Umreifungsvorrichtung am Aushaspel kann ein Außendurchmesser von 1.850 Millimetern effizient und präzise abgebunden werden.

Seit Herbst 2018 läuft die Produktion von Aluminiumbändern in der neuen Fertigungshalle auf dem Gelände der Manfred J.C. Niemann Zentrale KG in Bremen. »Unsere Spaltbänder aus Aluminium weisen eine Dicke von 0,5 bis 4,0 Millimeter auf, besitzen eine minimale Streifenbreite von 80 Millimetern und eignen sich dadurch für eine breite Palette verschiedenster Anwendungen«, berichtet Jörn Niemann, Geschäftsführer der Manfred J.C. Niemann Zentrale KG (Niemet). »Da allerdings die Streckgrenze des Werkstoffs je nach Dicke bei 20 bis 580 N/mm² und die Zugfestigkeit bei 65 bis 600 N/mm² liegt, ist das Zuschneiden dieser Aluminiumbänder besonders anspruchsvoll.« Deswegen suchte das Unternehmen nach einer Anlage, die für breite Bänder geeignet ist. Aufgrund jahrzehntelanger guter Erfahrungen entschied sich Niemet für eine Breitband-Längsteilanlage aus dem Hause Burghardt + Schmidt.

Zeitnahe Inbetriebnahme durch effiziente Planung und Produktion

Im Anschluss an die Beauftragung besichtigte das Team von Burghardt + Schmidt das Gelände, um die Breitband-Längsteilanlage optimal in der neuen Fertigungshalle zu platzieren. Durch die langjährigen Geschäftsbeziehungen waren die Gegebenheiten vor Ort den Fachleuten von Burghardt + Schmidt bereits durch vorangegangene Projekte vertraut. »Durch die Nähe zur Weser musste darauf geachtet werden, dass das Fundament nicht zu tief gesetzt wird, um das Eindringen von Grundwasser zu vermeiden«, erklärt Burghardt+Schmidt-Geschäftsführer Thomas Baral.

Auch das vom Auftraggeber geforderte Bearbeitungsspektrum der neuen Präzisionslängsteilanlage mit Bandbreiten von 800 bis 2.100 Millimeter konnten die Experten für Metallschneid- und Richtanlagen gemäß den Vorgaben von Niemet erfüllen.

Dank der effizienten Planung im Vorfeld und der umfangreichen Vorkenntnisse seitens B+S waren eine zeitnahe Produktion der Anlage sowie die schlüsselfertige Lieferung gegen Mitte 2018 möglich.

Herzstück der neuen Anlage ist die Twin-CNC-Längsteilschere, die sich dank einer überaus exakten und vorgespannten Wälzlagerung sowie einer spielfreien Linearführung genau und vor allem stabil positionieren lässt.

Spezielles Schneid- und Wickelsystem für Coildurchmesser bis 1.850 Millimeter

»Damit die Schere den hohen Ansprüchen bei der Verarbeitung gerecht wird und die Streifen gratarm in der gewünschten Breite trennen kann, muss jederzeit ein zugarmes Schneiden garantiert sein«, so Baral. »Ebenso achteten wir bei der Herstellung der Anlage besonders auf die präzise Fertigung und Justierung der Messerwelle. Die verbauten Messer weisen 400 Millimeter Durchmesser auf und lassen sich mit gummierten Auswerferringen kombinieren. Damit können in einem Durchlauf bei einer Arbeitsgeschwindigkeit von 200 Metern/Minute je nach Materialfestigkeit und -dicke 22 Schnitte für 21 Nutzen gesetzt werden.«

Die Längsteilschere verfügt über ein Abschiebeschild, um einen schnellen Werkzeugwechsel mit dem Werkzeugwechselkreuz außerhalb der Anlage zu gewährleisten. »Durch das Werkzeugwechselkreuz der Burghardt + Schmidt GmbH wird der oft umständliche Werkzeugwechsel vereinfacht und beschleunigt«, führt Niemann aus. »Dank dieser Vorrichtung in unserer neuen Anlage ist es möglich, die Werkzeuge halb automatisiert und somit in kürzerer Zeit auszutauschen als bisher.« So wird die Anlagenverfügbarkeit durch schnellere Arbeitsabläufe deutlich erhöht bei gleichzeitiger Steigerung der Arbeitssicherheit, da die Werker die Werkzeuge nicht mehr manuell an der Anlage platzieren müssen.

Benutzerfreundliche Bedienung für hohe Produktivität und Qualität

Um ein perfektes Schnittbild zu erzielen, werden parallele Messerwellen benötigt. Dies wird durch die aktive Nachpositionierung während des Schneidprozesses ermöglicht. Für das Überführen der geschnittenen Streifen wurde ein spezieller Überführtisch entwickelt. Die Trennung der Streifen erfolgt kontrolliert über eine wälzgelagerte Umlenksepariervorrichtung. Die Aufwickelhaspel wurde mit einem Schnellwechselverschluss ausgestattet, sodass unterschiedliche Haspelköpfe ganz einfach ausgetauscht werden können. Darüber hinaus wurde eine Umreifungsvorrichtung am Aufwickelhaspel montiert, um die Effizienz der Anlage sowie die Ergonomie für die Bediener zu steigern. »Unsere Mitarbeiter schätzen daran besonders die Erhöhung der Arbeitssicherheit beim Handling«, ergänzt Niemann.

Infobox

Zahlen & Fakten

Die Burghardt + Schmidt GmbH wurde 1945 gegründet und stellt Maschinen und Anlagen zum Schneiden und Richten von Metallbändern her. Die Produkte werden speziell auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten. Das Unternehmen profitiert von seiner langjährigen Erfahrung im Dünnbandsektor und hat sich vor allem auf Längsteilanlagen, Streck-Biege-Richtanlagen, Verpackungslinien, Verlegespuler, Richtmaschinen, Querteilanlagen und Besäumanlagen spezialisiert. Am deutschen Standort in Remchingen werden die Anlagen mit dem Qualitätsmerkmal ›Made in Germany‹ entwickelt und gefertigt. Die Burghardt + Schmidt GmbH hat durch die Übernahme traditionsreicher, namhafter und auf dem Weltmarkt fest etablierter Unternehmen die b+s group im Jahre 2014 gegründet. Durch die Kompetenzen der Tochtergesellschaften Schnutz GmbH und Delta Technik GmbH konnte das bisherige Produktangebot von Burghardt + Schmidt im Bereich Richtmaschinen, Bandzuführanlagen und Automatisierungstechnik ausgebaut werden.

Das zentrale Hauptsteuerpult sowie neueste Software, die auf die Kundenanforderungen angepasst wurde, garantiert eine intuitive Bedienung und ermöglicht eine unkomplizierte Dateneingabe, aber auch die übersichtliche Darstellung von Störmeldungen, Anlagengeschwindigkeit und ähnlichen Informationen. Weitere Hilfssteuerpulte finden sich am Ab- und am Aufhaspel der Anlage, sodass ein freier Blick auf die Gesamtanlage gewährleistet bleibt. Auf diese Weise lassen sich alle wichtigen Werte für die Qualität und Betriebssicherheit an verschiedenen Orten anpassen und überwachen, um trotz des anspruchsvollen Werkstoffs eine reibungslose Fertigung sicherzustellen. Um die Qualität der Bänder bei laufendem Betrieb überwachen zu können, wird die Oberfläche durch Kameras an der Ober- und Unterseite permanent kontrolliert. Dadurch können eventuelle Fehler besser erkannt werden, ohne die Anlage für Begutachtungsstichproben anhalten zu müssen. So garantieren die Experten für NE-Metalle einen schnellen und störungsfreien Durchlauf der Coils durch exakt gefertigte Bänder. »Wir freuen uns, dass wir einen langjährigen Geschäftspartner beim Erreichen seiner hohen qualitativen Anforderungen unterstützen durften«, resümiert Baral. »Das Vertrauen in unsere Anlagen wissen wir zu schätzen und freuen uns auch in Zukunft auf weitere gemeinsame Projekte mit Niemet.«

Erschienen in Ausgabe: 01/2019
Seite: 4 bis 15