So geht Produktion in den USA

Daimler, Siemens, Schaeffler und Festo sind schon da. Aber auch immer mehr hochspezialisierte Mittelständler wie die Maschinenbauer Groninger oder Weima nutzen die Chance. Gut 300 Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum haben in und um die Metropole Charlotte in den vergangenen Jahren Produktionsbetriebe und Niederlassungen aufgebaut. Die Region im US-Bundesstaat North-Carolina wirbt aktiv um deutsche Betriebe. Mit Erfolg: Charlotte hat sich zum Magneten des Mittelstands entwickelt.

30. November 2015

Das Deutsch-Amerikanische Mittelstandsforum am 8. Dezember in Stuttgart zeigt, was diese Region und andere Standorte in den USA so attraktiv macht. Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz lädt dazu interessierte Unternehmer in die Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart. Bis zum 4. Dezember ist eine Anmeldung möglich.

„Für viele Mittelständler ist der Schritt in die USA eine Notwendigkeit“, sagt Henning-Günther Wind, Partner von Ebner Stolz in Stuttgart: „Sie müssen ihren Kunden in die USA folgen oder haben die Chance, neue Märkte in Nordamerika zu erschließen. Wenn es dazu wie in Charlotte noch umfangreiche Förderprogramme gibt und nach deutschen Standards ausgebildete Arbeitnehmer, dann sollten Unternehmer hierüber Bescheid wissen.“

Das Mittelstandsforum am 8. Dezember liefert praktische Tipps und Erfahrungen aus erster Hand. Vier mittelständische Unternehmer berichten, wie sie den Sprung über den Atlantik gemeistert haben, was sie in den USA erwartete und wie sie vor Ort Fuß fassen konnten. Eine Delegation aus North Carolina zeigt auf, wie Unternehmen Fördermöglichkeiten nutzen, Personal finden sowie Rechts- und Steuerfragen regeln können.

Deutsche Kontakt in Charlotte

Charlotte bietet dem Mittelstand eine aktive deutsche Gemeinde, viele Geschäftskontakte zu spezialisierten Rechts-, Finanzierungs- und Managementberatern und ein gutes Investitionsklima. “Die Entscheidung, nach Charlotte zu gehen, macht aus vielen Gründen Sinn. Doch die Unternehmen bleiben, weil auch die Familien sich wohlfühlen. Die Entsendung und die Unternehmensansiedlung wird im Board Room beschlossen, aber im häuslichen Wohnzimmmer umgesetzt", so Reinhard von Hennigs, Managing Partner bei Bridgehouselaw, einer Anwaltskanzlei mit Standort in Charlotte. „Die Amerikaner sind an deutschen Betrieben, deutschem Know-how und nicht zuletzt auch an der Berufsausbildung nach deutschen Standards sehr interessiert“, betont Henning-Günther Wind.

Eine solche Ausbildung mit neuester Technik bietet zum Beispiel Groninger. Das Unternehmen aus Crailsheim entwickelt und fertigt Sondermaschinen für die pharmazeutische und kosmetische Industrie. Vor drei Jahren baute Groninger in Charlotte einen eigenen Standort auf. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen in Deutschland und in den USA mehr als 1000 Mitarbeiter – und die ersten Azubis, die im neuen Betrieb in Charlotte ihre Ausbildung zum Mechatroniker bestanden haben.

Ausbildung nach deutschem Vorbild

Festo aus Esslingen hat in Charlotte ein Learning Center of Excellence für die Berufsausbildung aufgebaut. Dieses gilt als Vorbild für zukünftige Ausbildungszentren in ganz Nordamerika, betont Elfi Klumpp, die bei Festo Didactic den Bereich Business Development Educational Services für Amerika und Asien leitet. In den USA ist die sogenannte „Apprenticeship“, also eine vom Betrieb finanzierte und organisierte Lehrzeit im dualen System nach deutschem Vorbild, nicht üblich. Stattdessen wird oftmals nur ein „Training on the Job“ angeboten. Daher engagiert sich zum Beispiel auch die IHK Karlsruhe in einer Ausbildungskooperation mit dem College in Charlotte.

Beim Aufbau eines Standorts in den USA ist auch ein erfahrenes Management erforderlich, weiß Jens Christophers. Der Gründer und Vorstandsvorsitzende bei Taskforce Management hat selbst in Charlotte gelebt. Er unterstützt den Mittelstand mit Kontakten zu Managern vor Ort und macht so für viele deutsche Unternehmen eine Expansion in die USA erst möglich.

Gelebte Beispiele

In unmittelbarer Nachbarschaft zu Charlotte hat sich Coroplast aus Wuppertal angesiedelt. Von dort aus beliefert das Unternehmen die Automobilindustrie mit Klebebändern. Geschäftsführer Marcus Söhngen hat den Aufbau des ersten US-Produktionsbetriebs von Coroplast maßgeblich begleitet. Bei der Standortwahl waren für ihn das Geschäftsumfeld und die qualifizierten Arbeitskräfte vor Ort wichtig.

Wem, nach allen wertvollen Hinweisen und Tipps aus erster Hand, noch die Motivation zum Schritt in die USA fehlt, kann sich zum Abschluss der Veranstaltung von Hans-Jürgen Sundermann inspirieren lassen. Wundermann Sundermann hat als Trainer mit dem VfB Stuttgart Geschichte geschrieben und ist vielen Bundesligafans, die in der Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart mitfiebern, heute noch präsent.