Sicher alles sauber

Oberflächen und Kanten

Da in industriellen Reinigungsanlagen oft Medien eingesetzt werden, die Mensch und Umwelt belasten und gefährden können, ist die Sicherheit besonders wichtig.

17. September 2018
© EVT
Bild 1: Sicher alles sauber (© EVT)

Flexibel gebaut nach Maß und Notwendigkeit – die Realisierung kundenindividueller Reinigungslösungen ist purer, flexibler Sondermaschinenbau. Es gibt in diesem Bereich nicht die Anlage von der Stange«, so Michel Lubinsky, Vertriebsleiter der EVT Eiberger Verfahrenstechnik GmbH. So passen die Reinigungsspezialisten ihre Maschinenkonzeptionen haargenau an die Erfordernisse der industriellen Anwender an: hinsichtlich Größe und Gewicht der Teile, der erforderlichen Prozesse, wie auch bezüglich der Besonderheiten in der Behandlung oder Bewegung des Reinigungsgutes.

Darüber hinaus werden die baulichen Gegebenheiten der Produktionsstätte berücksichtigt. Michel Lubinsky: »Während des gesamten Entwicklungs- und Konstruktionsprozesses steht für uns über allem die Sicherheit. Das heißt, je nach Reinigungsmedium und -prozess statten wir die Anlage mit dem entsprechenden EVT-Sicherheitspaket aus. Dadurch halten wir nicht nur gesetzliche Sicherheitsstandards ein, sondern übertreffen diese.« 

Ein Beispiel dafür ist die Beschickungstechnologie der Anlage: Es gibt sogenannte Toplader, die von oben beladen, sowie Front-Lader, die von vorne beschickt werden. Michel Lubinsky: »Typische Frontlader bergen das latente Risiko, dass Lösemittel in flüssiger Form oder als Dampf im Falle einer unbeabsichtigten Öffnung der Kammertür austreten kann. Aufgrund der starken Nachfrage aus der Industrie haben wir uns dieser Thematik angenommen und für Anlagen, bei denen die frontale Beschickung aus Produktionsabläufen heraus notwendig ist, unsere auslaufsicheren Front-Top-Lader entwickelt.«

Ideale Verknüpfung

EVT-Front-Top-Lader verbinden die frontale Beschickung der Anlage mit der Sicherheit einer von oben beladenen Arbeitskammer, deren maximales Lösemittelniveau unterhalb der Ladetür liegt. Auf diese Weise werden Lösemittelunfälle laut EVT beispielsweise durch ein versehentliches oder fehlerhaftes Öffnen der Tür aufgrund eines technischen Defekts oder wegen eines Bedienungsfehlers ausgeschlossen.

Und das funktioniert so: EVT-Front-Top-Lader werden zwar von vorne beschickt, indem der Korb mit dem Reinigungsgut von vorne manuell oder automatisch in die Anlage eingeschoben und dort in der Korb-Aufnahmevorrichtung platziert wird. Diese senkt im Anschluss den Korb aber von oben in die Arbeitskammer ab, so dass sich das Lösemittelniveau niemals im Öffnungsbereich der Tür befinden kann. Über der Korbaufnahme befindet sich der Hubdeckel der Arbeitskammer, der diese hermetisch dicht vor dem Start des Programms verschließt.

Michel Lubinsky: »Alle Reinigungs- und Entfettungsanlagen von EVT sind Toplader oder Front-Top-Lader. Damit ist der Industriekunde immer auf der sicheren Seite, wie etwa bei Anlagen, die mit gesundheits- und umweltschädlichen Stoffen, wie Kohlenwasserstoffen, modifizierten Alkoholen oder chlorierten Lösemitteln, betrieben werden.«

Auf das Reinigungsmedium abgestimmt

Reinigungsautomaten, die mit chlorierten Lösemitteln arbeiten, sind mit einem genau abgestimmten Sicherheitspaket ausgestattet. Neben der Top-Lader-Technologie besitzen PER-Anlagen ein Luftreinigungssystem. Laut gesetzlicher Vorgaben darf daher im Anschluss an den Reinigungsprozess beim Öffnen der Arbeitskammer die Lösemittelkonzentration in der Kammer von 1 g/m? Kammervolumen nicht überschritten werden.

Um diesen Grenzwert zu erreichen, wird für die Trocknung neben Umluft- oder Vakuumtrocknung zusätzlich die Wärme der gereinigten Werkstücke genutzt. Die Lösemittelkonzentration wird über einen Grenzwertgeber ermittelt und über das Bedienpanel angezeigt.

Beim Entfetten mit brennbaren, modifizierten Alkoholen oder Kohlenwasserstoffen liefert EVT Eiberger die vakuumbetriebenen Anlagen immer mit einem umfassenden Explosionsschutzpaket, inklusive explosionsgeschützter Komponenten wie Vakuumpumpe und Sensoren aus.

Explosionsschutzpaket

Die Reinigungsanlage bei 100 mbar zu betreiben, ist nicht ausreichend. So werden beim Belüften der Arbeitskammer und beim Öffnen des Kammerdeckels eine obere und untere Explosionsgrenze durchfahren. Die harmonisierte Norm ISO EN12921-3 für industrielle Reinigungsanlagen beschreibt unter Punkt 4 die Gefährdung durch Brände und Explosionen.

Um diese zu bewerten, muss die Anlage in unterschiedliche Gefahrenzonen unterteilt werden, um entsprechende Lösungen zu definieren. Inhalt des Explosionsschutzpaketes sind die Installation von jeweils zwei Drucksensoren, die sich redundant gegenseitig überwachen, und eine fehlersichere Steuerungseinheit. Zusätzlich funktioniert eine Deflagrationssperre im Abluftbereich sowie ein Rückschlagventil etwa gegen Funken oder andere Brandquellen von außen.

Michel Lubinsky: »Die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit unserer Maschinen ist in der Industrie traditionell bekannt und unbestritten. Aber ohne unsere auslaufsichere Beschickungstechnologie sowie die prozessfokussierten Sicherheitspakete, die über Siemens-Technologie kontrolliert und gesteuert werden, verkaufen wir keine EVT-Reinigungsanlage. Denn letztendlich sind auch die Betreiber einer solchen Anlage dafür verantwortlich, dass diese den gesetzlichen Anforderungen entsprechen.«

Zahlen & Fakten

1994 wurde die EVT Eiberger Verfahrenstechnik von Harald Eiberger zunächst als Einzelunternehmen in Maulbronn gegründet und ein Jahr später in eine GmbH überführt.

Von Anbeginn an lag der Schwerpunkt auf dem Bau individueller und sicherer Dampfentfettungsanlagen, die auch den zu erwartenden, härteren Umweltvorschriften entsprechen würden.

2002 errichtete Eiberger auch in allen führenden europäischen Industrieländern eigene Repräsentanzen mit entsprechendem Service. Zum Jahreswechsel 2006/2007 wurde die Zentrale nach Sternenfels verlegt,

Erschienen in Ausgabe: 05/2018