Sicher abkanten

Innovativer Fingerschutz für Gesenkbiegpressen

Gesenkbiegepressen gehören zu einer der letzten Rubriken besonders gefährlicher Maschinen. Aufgrund der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten ist der Maschinenbediener oftmals gezwungen, sich direkt am Gefahrenbereich mit den Händen und Fingern aufzuhalten. Doch ein elektronischer Fingerschutz bewahrt den Anwender vor Verletzungen.

05. Juli 2002

Für die Entwicklung und Vermarktung eines innovativen Fingerschutzes für Gesenkbiegpressen erhielt die Fiessler Elektronik OHG aus Esslingen im Rahmen des Innovationspreises 2000 des Landes Baden Württemberg, den Dr.-Rudolf-Eberle-Preis. Der frei zugängliche Biegebereich einer Gesenkbiegpresse bedeutet für den oder die Maschinenbediener ein hohes Unfall- und Verletzungsrisiko. Irreversible Verletzungen, wie etwa der Verlust von Finger oder Hand, sind häufig Folgen von Unfällen an Abkantpressen. Deshalb schreiben die einschlägigen Normen und Unfallverhütungsvorschriften Sicherheitsmaßnahmen beziehungsweise -einrichtungen für Abkantpressen vor.

Nachgerüstete Sicherheit

Das Unternehmen Rittal Schaltschrankbau, Herborn, hat sich zur Absicherung von drei Gesenkbiegepressen für das System „Akas“ von Fiessler Elektronik entschieden. Der Umbau zweier gebrauchter Maschinen, von Amada und Weinbrenner, wurde von der Hartmann Maschinenbau aus Wilnsdorf durchgeführt, die ebenfalls eine neue Sonder-Gesenkbiegepresse mit dem Abkantpressen-Absicherungssystem Akas an Rittal geliefert hat. Anders als mit den gängigen Sicherheitseinrichtungen für Abkantpressen, wie Zweihand-Sicherheits-Schaltern oder Sicherheits-Lichtvorhängen, hat der Maschinenbediener bei der Absicherung mit dem System Akas beide Hände auch während der schnellen Schließgeschwindigkeit frei für die Handhabung des zu biegenden Blechteiles. Der Biegevorgang kann ohne Zwischenstop komplett mit dem Fußpedal eingeleitet und durchgeführt werden. Es ergibt sich daraus eine Reduzierung der Zykluszeit des Abkantvorganges. Die Bedienerfreundlichkeit ist trotz dieser Sicherheitseinrichtung gewährleistet. Sinn und Zweck dieses Fingerschutzes für Gesenkbiegepressen ist es, das Quetschen eines Körperteils zwischen dem Biegestempel und dem eingelegten Material beziehungsweise der Matrize zu verhindern. Dies wird dadurch erreicht, daß das mitlaufende Sicherheits-Lichtgitter den Bereich unterhalb beziehungsweise vor dem Biegestempel absichert und bei Eingreifen in das Sicherheits-Lichtgitter die gefahrbringende Bewegung sofort gestoppt wird.

Funktionsprinzip Unfallschutzvorhänge

Das System Akas besteht aus Sender, Empfänger und „LSUW N1 MUTING K“-Schaltgerät und beruht auf dem langjährig bewährten Funktionsprinzip der Fiessler-Unfallschutzvorhänge „LSUW“. Sender und Empfänger sind fest mit der Oberwange der Maschine verbunden und bilden eine dem Oberwerkzeug vorlaufende laser-optische-Sicherheitsleiste. Der Akas-Empfänger besteht aus vier Empfangselementen (E1...E4) und einer Auswerteelektronik. Der Akas-Sender erzeugt drei sichtbare Rotlichtlaserstrahlen. Zwei dieser Strahlen (E1, E2) sind waagrecht in einer Linie angebracht und bilden ein waagrechtes Lichtgitter, das dem Bediener zugewandt ist. Der Strahl (E4) befindet sich über dem Strahl (E2) und dient zur Höhenpositionierung des Akas. Der Strahl E3 befindet sich zwischen E2 und E4 und dient als zusätzlicher Schutz während der Schließbewegung im Schleichgang. Befindet sich der Biegestempel etwa 23 mm über dem Rohling, gibt die Maschinensteuerung einen Muting-Befehl an das Schaltgerät und dieses überbrückt die Empfängerelemente E1 und E2. Die Schließgeschwindigkeit ist in diesem Punkt auf V=10 mm/s heruntergefahren. Der Biegevorgang wird fortgesetzt, obwohl die Lichtstrahlen E1 und E2 unterbrochen sind. E3 und E4 sind immer noch aktiv und bilden einen effektiven Schutz für die Finger des Bedienpersonals. Nach weiteren 1,4 Sekunden werden auch diese Strahlen überbrückt. Ein Eingreifen zwischen Biegestempel und Material ist jetzt nicht mehr möglich und somit der Schutz durch das System Akas auch nicht mehr notwendig. Der Biegevorgang wird nun beendet obwohl alle Strahlen unterbrochen sind. Somit bleiben durch die vorlaufende laser-optische-Sicherheitleiste die Hände frei für die Handhabung des Rohlings bei gleichzeitigem Schutz der Gliedmaßen während des gesamten Biegevorganges. Ein Fingerschutz bei Betrieb mit Fußtaster während des gesamten Biegevorganges ist selbst bei schnellem Eingreifen in den Gefahrenbereich gegeben. Durch eine spezielle Kastenbiegefunktion können mit dem System problemlos kastenförmige Produkte abgekantet werden, und dies bei bestehendem Schutz für Finger oder Hand. Für Rittal ist dies ein wichtiges Argument für den produktiven Einsatz eines Sicherheitssystems für Gesenkbiegepressen. Als einer der Marktführer von Schaltschranksystemen werden in der Fertigung dieser Produkte vor allem kastenförmige Teile abgekantet. Rittal bestätigt: „Mit dem System Akas ist es möglich die Biegeteile ohne Behinderung im Fußbetrieb zu fertigen. Dabei ist der Schutz des Bedieners während des gesamten Biegezyklus gewährleistet.“

Leicht verstellbar Damit Akas auch für die unterschiedlichsten Biegewerkzeuge schnell und einfach eingestellt werden kann, sind der Sender und der Empfänger auf elektromotorische verstellbare Supports montiert. Das Laser-Lichtgitter kann dadurch parallel zur Werkzeugbiegekante verfahren werden. Die Synchronisation beider Komponenten erfolgt über eine zum Patent angemeldete Steuerung über das Laser-Licht. Mit dieser schnellen und einfachen Umstellung auf andere Werkzeuggrößen ist das Abkantpressenabsicherungssystem, die erste EG-Baumusterbescheinigte, TÜV-geprüfte Abkantpressenabsicherung der Sicherheitskategorie 4, mit der ohne Behinderung an einer Abkantpresse gearbeitet werden kann.

Erschienen in Ausgabe: 03/2002