Sehr zufriedene Aussteller

Erneut erwies sich die Usetec als Anziehungspunkt für Einkäufer aus aller Welt. 5713 Fachbesucher aus 102 Ländern kamen zur 2014er-Auflage nach Köln. Damit war die Weltmesse für Gebraucht-Technologie wieder der internationale Treffpunkt für Second Hand. Die überwiegende Mehrzahl der 323 ausstellenden Unternehmen zeigte sich sehr zufrieden.

19. Juni 2014
Bild 1: Sehr zufriedene Aussteller
Bild 1: Sehr zufriedene Aussteller

„Viele Unternehmen haben bereits auf der Messe diverse Geschäfte mit in- und ausländischen Einkäufern getätigt“, bilanziert Veranstalter Florian Hess. „Darüber hinaus lassen die zahlreichen geknüpften Kontakte wieder ein starkes Nachmessegeschäft erwarten.“ Die Besuchernachfrage korrespondierte mit dem Angebot der Usetec, das alle industriellen Branchen abdeckte.

Usetec-Partner ziehen positive Bilanz

Auch die Partner der Usetec ziehen insgesamt eine positive Bilanz. „Zwar war der Umfang der Messe geringer als in den Rekordjahren“, vergleicht Kurt Radermacher. „Dennoch wurden unter dem Strich viele Maschinen vom Stand weg verkauft und Geschäfte angeschoben“, resümiert der Geschäftsführer des Fachverbands des Maschinen- und Werkzeuggroßhandels (FDM), Bonn. „Es haben sich qualitativ hochwertige Kunden an den Ständen eingefunden.“

Radermacher betont, dass die Marke Usetec längst für die ganze Welt der Gebraucht-Technik steht. „Das gesamte Jahr auf den Kombi-Webseiten Usetec.com + MachineStock.com und einmal im Jahr real zum Anfassen auf der gerade abgeschlossenen Messe.“ Diese miteinander verzahnten Plattformen sorgen für große Transparenz

Hier sieht sich der FDM als Partner und Berater seiner Mitglieder in der Fachgruppe Gebrauchtmaschinen, die weltweit agieren. „Auf der Usetec gab ein Zollrechtsexperte umfassende Auskünfte zu Zollrechtsfragen“, sagt Kurt Radermacher. „Dieses Angebot an unserem Stand wurde intensiv in Anspruch genommen – Networking wird im FDM groß geschrieben.“

Auch für die European Association of Machine Tool Merchants (EAMTM), Brüssel, hat sich die Usetec-Beteiligung gelohnt. „Von uns haben 35 Mitgliedsunternehmen ausgestellt“, hebt André Skenazi hervor. Der EAMTM-Generalsekretär hat von diversen Abschlüssen erfahren. Und ein Mitgliedsunternehmen, France Machines Outils, schickte gleich mehrfach Messebesucher vom Stand direkt zu seinen Lagerhäusern.

Selbst hat der EAMTM im Rahmen der Usetec neue Mitglieder gewonnen oder ganz konkrete Mitgliedsanfragen erhalten. Ein wichtiges Anliegen war es für den europäischen Händlerverband, seine neue Online-Datenbank machinedeal.com vorzustellen, die großen Anklang fand. „Wir sind der Überzeugung, dass die USETEC als internationaler Gebrauchtmaschinenmarkt gerade im Internetzeitalter bedeutsam ist“, formuliert André Skenazi. „Wer sich hier trifft, knüpft immer gute Kontakte.“

Türkei stärkstes Besucherland

Der Bundesverband des Deutschen Exporthandels (BDEx), Berlin, hat zuletzt großes Interesse an Gebrauchttechnologie in Zentralasien festgestellt. „Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan“, zählt Jens Nagel auf.

Nach wie vor befindet sich die Türkei im Aufschwung und hat noch Nachholbedarf: „In einigen Gebieten Anatoliens hat der Industrialisierungsprozess gerade erst begonnen“, weiß Jens Nagel. Die Zahlen der Usetec 2014 bestätigen seine Analyse. Hinter Gastgeber Deutschland (29 Prozent der Besucher) war die Türkei stärkste Besuchernation der Messe. Das schlug sich bei den Verkäufen nieder.

Der Aussteller Eble Werkzeugmaschinen aus dem schwäbischen Möglingen hatte nach der Messe nicht nur einen dicken Ordner mit vielen Gesprächsbögen, sondern zudem eine Trumpf-Blechbearbeitungsmaschine in die Türkei verkauft – für einen Betrag „im guten sechsstelligen Bereich“, wie die Eble-Verantwortlichen aus dem schwäbischen Möglingen hervorheben. Damit ist das Land zwischen Europa und Asien einerseits ein immer wichtigerer Absatzmarkt. Gleichzeitig wird die Türkei als Produktionsstandort hochwertiger Technologie zunehmend bedeutsamer, wie das Beispiel des Usetec-Ausstellers IRM Anlagenbau aus Hamburg zeigt.

„Wir haben junge Gebrauchte und neue türkische Maschinen im Angebot“, erklärt Dennis Häfker, der für das Gebrauchtmaschinengeschäft zuständig ist. „Die Maschinen aus der Türkei sind technisch absolut ausgereift, aber preislich spürbar günstiger als etwa deutsche Maschinen.“ Auf der Usetec hat er eine Werkstattpresse und eine NC-Abkantpresse aus türkischer Produktion verkauft – die erste nach Belgien und die andere nach Indien. Auf den indischen Subkontinent ging auch eine gebrauchte CNC-Stanzmaschine der Marke LVD. „Das sind sichere Abschlüsse, weil ich die Käufer schon seit Jahren kenne“, betont Häfker. Am letzten Messetag hat IRM noch eine CNC zyklengesteuerte Drehbank an einen großen deutschen Konzern „so gut wie“ verkauft.

Gebrauchttechnik in Schwellenländern gefragt

Hinter der Türkei belegt der Iran den zweiten Platz in der Statistik der Usetec-Auslandsbesucher, gefolgt von Ägypten, Russland und Nigeria. Trotz der politischen Situation waren auch wieder viele Einkäufer aus der Ukraine auf der Messe vertreten (Platz sechs). Indien, Moldawien, Belarus und Litauen belegten die Plätze sieben bis zehn.

Afrikaner kaufen auf der Messe ein

Viele Aussteller waren bereits während der Usetec erfolgreich und konnten Abschlüsse vermelden. „Gleich am ersten Tag haben wir vier Maschinen für 30.000 Euro nach Südtirol verkauft“, freut sich Marcus Kaninski. „Da ist unser Konzept, viele Exponate zu zeigen, voll aufgegangen“, betont der Geschäftsführer vom Lenzing Staplerhaus aus Dinslaken, einem Unternehmen, das neue und gebrauchte Produkte anbietet.

Auch eine ägyptische Delegation hat sich auf der Messe die Stapler angeschaut und eine Anfrage über 20 Maschinen gestartet. Andere Ägypter kauften bei Lenzing und außerdem gab es Abschlüsse mit Iran. Marcus Kaninski empfindet es jedes Mal als tolles Gefühl, wenn er das Schild umdrehen kann und „sold“ darauf steht. Darüber hinaus hebt er den Austausch zwischen den Ausstellern untereinander hervor. Um die anfragenden Ägypter auch professionell logistisch bedienen zu können, hatte er gleich bei einem anderen Usetec-Aussteller ein Angebot eingeholt: „Wir haben bei Cargo Link Transport und Logistik die Preise angefragt.“

Auch der Usetec-Aussteller WST Stein aus St. Ingbert hält es für unverzichtbar, auf der Messe mit einer Auswahl an Exponaten vertreten zu sein. „Wir haben zwei Dialysegeräte verkauft“, sagt Geschäftsführer Manfred Stein. „Das war nur möglich, weil wir diese Geräte im Einsatz demonstrieren konnten.“ An den ersten beiden Tagen hat WST Stein „fünf bis sechs Positionen“ mit einem Gesamtvolumen von 50.000 Euro abgesetzt – unter anderem einen Hallenkran.

Die Käufer stammten wie die Mehrzahl der Standbesucher überwiegend aus Osteuropa und weiter östlich: „Russland, Ukraine, Usbekistan“, fallen Manfred Stein spontan die Länder ein, die ihn am stärksten frequentiert haben. Jetzt hofft er auf das Nachmessegeschäft, das meist noch deutlich mehr Umsatz bringt als die Abschlüsse auf der Messe selbst: „Allerdings lassen sich Anfragen nach längeren Zeiträumen wie einem halben Jahr oft nur noch schwer zuordnen.“

Jedes Mal etwas auf der Messe verkauft

Von zahlreichen afrikanischen Besuchern spricht Putzmeister. Das Unternehmen zeigte im Freigelände eine weithin sichtbare Betonpumpe. „Wir haben sehr viele Kontakte zu Kunden aus Ländern geknüpft, an die wir sonst nicht so ohne weiteres rankommen können“, formuliert Mijo Marcec. „Das sind die aufstrebenden Regionen, die für uns wichtig sind“, so der Regional Sales Manager für das Gebrauchtmaschinengeschäft bei Putzmeister in Aichtal. „Gerade in aufstrebenden Märkten werden unsere Betonpumpen in allen Varianten benötigt“, spricht er von einem klassischen Produkt für Länder im Aufbau. Marcec hebt hervor, dass Putzmeister bislang auf jeder Usetec etwas verkauft hat.

Hersteller nutzen Messe zur Vermarktung

Erstmals beteiligte sich Carl Zeiss Microscopy an der Usetec – auf dem gleichen Stand wie der langjährige Aussteller Carl Zeiss Industrielle Messtechnik aus der gemeinsamen Zeiss-Unternehmensgruppe. „Wir haben uns letztes Jahr die Messe und den Auftritt unserer Kollegen aus dem Messtechnik-Bereich angeschaut“, berichtet Ulrich Kohl-Roscher. „Seinerzeit wollten wir feststellen, ob das Publikum für uns geeignet ist“, sagt der Produktmanager von Carl Zeiss Microscopy.

Zu den in Köln vertretenen Herstellern, die Maschinen aus zweiter Hand verkaufen, gehört ebenso der Landtechnologieanbieter Claas. Das über 100 Jahre alte Unternehmen zeigte zwei Traktoren. Beide wurden auf der Messe für insgesamt rund 185.000 Euro an zwei moldawische Abnehmer verkauft – Moldawien ist ein Agrarland. Mit Gebrauchtmaschinenzentren werden die Handelspartner entlastet, sofern sie die Maschinen nicht selbst verkaufen möchten: „Dadurch haben Händler den Kopf frei für das Neumaschinengeschäft“, argumentiert Marcus Thiel. „Außerdem können wir die Gebrauchttechnologie mit unseren internationalen Kontakten leichter ins Ausland vermarkten.“

Auch im kommenden Jahr trifft sich wieder die Welt der Gebraucht-Technologie: Die nächste USETEC findet im April 2015 statt.