Schutz für Schiffe

Technik

Bearbeitungsgeschwindigkeit bis 6 m/min, Strahlergebnis SA 3 und 15 µm Farbauftrag bei ±3 µm Toleranz – Eckdaten einer Konservierungslinie für Bleche und Profile im Schiffsbau.

04. Oktober 2011

Einer der führenden Hersteller von Kreuzfahrtschiffen und Offshore-Anlagen investierte für die Vorbehandlung von Blechen und Profilen in die neue kundenspezifische Konservierungslinie RRB 42/6 von Rösler. Ausschlaggebend war, dass Rösler die hohen Anforderungen des Schiffsbauers erfüllen konnte und die große Erfahrung in diesem Sektor aufgrund der rund 25 in den letzten drei Jahren verkauften Konservierungslinien.

Ausgelegt wurde die Anlage als vollautomatisierte Linie, die von einem rund 300 m entfernten Büro aus gesteuert wird. Hier gibt ein Mitarbeiter vor, welche Teile wann bearbeitet werden sollen. Basierend auf diesen Informationen beschickt ein vollautomatischer Kran die Anlage, die dann das teilespezifische Programm startet. Das umfasst neben der Regelung der Bearbeitungsgeschwindigkeit zwischen 1,5 und 6 m/min die Breiten- und Höhenanpassung sowie die Steuerung der Turbinen. Die Einhaltung der Prozessparameter wie Geschwindigkeit, Temperatur und Feuchtigkeit wird durch Lichtschranken, Sensoren und Kameras überwacht. Darüber hinaus ermöglicht das System eine komplette Prozessvisualisierung.

Gelagert werden die Bleche mit Abmessungen von maximal 20000 x 3500 x 50 mm und die bis 600 mm hohen Profile links und rechts neben der Halle. Dies erforderte zwei mit Hubtischen (lift & go) ausgestattete Transportsysteme im Außenbereich, die durch eine vierfache Speziallackierung vor den Angriffen der aggressiven Seeluft geschützt sind. Der Transport der Profile und Bleche erfolgt mit 20 m/min zur Anlage. Das Teil durchläuft mit einer spezifisch festgelegten Geschwindigkeit eine Bürst-Abblas-Station, um Blätter und Schmutz zu entfernen, bevor das Werkstück im Vorwärmer auf 40 °C (±5 °C) angewärmt wird.

Unabhängig davon, ob die Bleche und Profile im Ausgangszustand den Rostgrad A, B, C oder D nach DIN ISO 8501-1:2007 aufweisen, muss ein definiertes Strahlergebnis von SA 2, SA 2,5 oder SA 3 erzielt werden. Dafür strahlen acht Turbinen EVO 38 mit je 37 kW und einem Strahlmitteldurchsatz bis je 500 kg/min von oben und unten auf die Teile. Eine zweite Bürst-Abblas-Station entfernt Strahlmittelrückstände und Staub vor der eigentlichen Konservierung von den Teilen.

Die am Boden der Strahlanlage platzierten Turbinen lassen sich durch eine patentierte Auszugvorrichtung zur Seite herausziehen. Diese Lösung bietet zwei Vorteile: Einerseits erleichtert sie die Wartung der Turbinen, andererseits reduziert sie die erforderliche Fundamenttiefe signifikant. Letzteres vereinfacht insbesondere bei einem hohen Grundwasserspiegel die Integration der Anlage und reduziert die Baukosten.

Abgestimmt auf die Anforderungen verfügt die Lackieranlage über zwei Lackierkreise mit jeweils acht Spritzdüsen (je vier zur Lackapplikation von Ober- und Unterseite). Dies ermöglicht, dass auf die Bleche und Profile entsprechend ihrem späteren Einsatz gleichzeitig roter und grauer Schweiß-Primer, beispielsweise rot/rot oder rot/grau, appliziert wird. Gleichzeitig mussten die Konstrukteure von Rösler sicherstellen, dass die aufgebrachte Primerschicht bei einer Dicke von 15 µm Abweichungen von maximal ±3 µm aufweist. Die enge Toleranz trägt zu einem deutlich reduzierten Verbrauch des lösemittelhaltigen Primers und damit zur nachhaltigen Senkung der Betriebskosten bei.

Einen wichtigen Beitrag dazu leistet auch der Einsatz der Abwärme des Vorwärmers für die Lacktrocknung. Dadurch wurde es möglich, die Leistung des Trockners auf 9 kW statt der sonst üblichen 100 kW zu reduzieren.

Da sowohl im Schiffsbau als auch im Offshore-Bereich bisher nicht auf lösemittelhaltige Lacke verzichtet werden kann, ist eine effiziente Aufbereitung erforderlich, um die Vorgaben der VOC-Richtlinie einzuhalten. Rösler hat dafür eine patentierte, selbstreinigende Bürstenvorabscheidung entwickelt, die den überwiegenden Teil der lösemittelhaltigen Lackpartikel bereits in der Lackierkabine abscheidet. Zur Abscheidung der verbliebenen Lackpartikel wird die Luft durch ein Filtersystem geleitet und anschließend das Lösemittel durch eine thermische Nachverbrennung geführt.

Hintergrund

Rösler Oberflächentechnik GmbH ist als Komplettanbieter internationaler Marktführer bei der Herstellung von Gleitschliff- und Strahlanlagen, Lackier- und Konservierungssystemen sowie Verfahrensmitteln und Technologie für die rationelle Oberflächenbearbeitung (Entgraten, Entzundern, Entsanden, Polieren, Schleifen ...) von Metallen und anderen Werkstoffen. Zur Rösler–Gruppe gehören neben den deutschen Werken in Untermerzbach/Memmelsdorf und Bad Staffelstein/Hausen Niederlassungen in Großbritannien, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Belgien, Österreich, der Schweiz, Spanien, Rumänien, Russland, Brasilien, Südafrika, Indien, China und den USA.

Erschienen in Ausgabe: 05/2011