Schuler legt operativ weiter zu

Der Pressenhersteller Schuler hat den Umsatz und das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis 2015 weiter verbessert. Der Umsatz erreichte mit 1,20 (Vorjahr 1,18) Milliarden Euro den zweithöchsten Stand der 176-jährigen Unternehmensgeschichte. Der Betriebsgewinn (EBITDA), ohne die Einmal-Belastungen des neuen Produktionskonzepts gerechnet, lag mit 138,8 Millionen Euro auf Rekordniveau. Schuler erreichte damit eine Marge von 11,6 (9,4) Prozent.

11. April 2016

„Zugelegt haben wir 2015 vor allem beim Umsatz in Asien und Nordamerika“, so Vorstandsvorsitzender Stefan Klebert bei der Bilanzvorlage in Göppingen. „Beim Auftragseingang konnten wir den  konjunkturellen Rückgang bei den Großanlagen für den Automotive-Sektor durch das Wachstum in anderen Divisionen teilweise ausgleichen.“

Yadon-Vollzug noch im Frühjahr geplant

Besonderes Augenmerk legt Schuler auf neue Wachstumsmärkte in China und anderen Entwicklungsländern. Noch in diesem Frühjahr wird die mehrheitliche Übernahme des chinesischen Pressenherstellers Yadon endgültig vollzogen. Die Genehmigung der chinesischen Aufsichtsbehörden liegt inzwischen vor. Yadon, in der ostchinesischen Provinz Jiangsu ansässig, setzt mit 1.000 Mitarbeitern rund 110 Millionen Euro um.

„Unsere Mehrheitsbeteiligung ist der strategische Schlüssel, der uns die Tür in das stark wachsende mittlere Preis-Leistungs-Segment im Pressenbau öffnet“, erklärte Schuler-CEO Klebert. „Allein mit dem Export deutscher hochpreisiger Spitzentechnik lässt sich dieses Segment nicht erobern, weder in China noch in den USA oder in Schwellenländern.“

Deutschland bleibt für Schuler der zentrale Entwicklungs- und Produktionsstandort für die Premiumtechnologie, wie sie im automobilen Leichtbau, bei Großrohren oder Bahnausrüstungen eingesetzt wird. Zur Verbesserung der Kostenstrukturen und der Fertigungsflexibilität wird Schuler bis Ende 2017 die Produktion in Deutschland auf vier von bisher sieben Standorten konzentrieren. Davon betroffen sind rund 450 der 5.176 Mitarbeiter, für die jetzt in Verhandlungen ein Interessenausgleich gesucht wird.

Im Zusammenhang mit dem neuen Produktionskonzept und begleitenden Effizienzmaßnahmen hat Schuler 2015 als Sondereffekt Aufwendungen in Höhe von 73 Millionen Euro verbucht. Diese eingerechnet, betrug das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisierung (EBITDA) immer noch 70,9 (Vorjahr 120,9) Millionen Euro. Die Marge lag bei 5,9 (10,3) Prozent. Das Konzernergebnis erreichte 39,3 (66,9) Millionen Euro.

Zuwachs in China und Nordamerika

Am Umsatz von insgesamt 1,20 Milliarden Euro hatte Europa 2015 mit 605 Millionen Euro immer noch den größten Anteil. China legte auf 299 (Vorjahr 272) Millionen Euro zu, die Region Nordamerika auf 190 (Vorjahr 133) Millionen Euro. In den USA konnte Schuler erstmals seit mehreren Jahren wieder einen großen amerikanischen Automobilhersteller als Kunden für seine Pressenlinien gewinnen.

Konzernweit gesunken sind 2015 der Auftragseingang auf 1,02 (Vorjahr 1,19) Milliarden Euro und der Auftragsbestand per Jahresende auf 0,89 (Vorjahr 1,06) Milliarden Euro. „Wir können uns der konjunkturellen Abschwächung in wichtigen Bereichen der Weltwirtschaft und den Auswirkungen geopolitischer Konflikte auf das Investitionsklima nicht entziehen“, so Finanzvorstand Norbert Broger. „Deshalb prognostizieren wir auch für 2016 eine Umsatz- und Ergebnisentwicklung unter Vorjahr.“

Höheres Eigenkapital

Wegen der positiven Ertragsentwicklung und der moderaten Ausschüttungspolitik der vergangenen Jahre hat Schuler, zu mehr als 90 Prozent im Eigentum der österreichischen Andritz-Gruppe, seine Kapitalausstattung weiter verbessern können. Die Eigenkapitalquote legte 2015 auf 34,3 (Vorjahr 28,7) Prozent zu, der höchste Stand seit dem Börsengang 1999.

Zudem nutzte Schuler die derzeit guten Marktkonditionen, um mit seinen Banken und Kreditversicherungen einen neuen Konsortialkreditvertrag mit fünfjähriger Laufzeit in Höhe von 350 Millionen Euro abzuschließen. Der Vertrag kann zweimal um jeweils ein Jahr verlängert, der Betrag um weitere 150 Millionen Euro erhöht werden.

„Wir verfügen sowohl auf der Eigen- wie auf der Fremdkapitalseite über eine sehr solide finanzielle Grundlage, auch um strategische Möglichkeiten wie die Übernahme von Yadon wahrnehmen zu können“, sagte Vorstandschef Klebert.  Der Nettofinanzstatus (liquide Mittel abzüglich Finanzschulden) lag 2015 mit 281 Millionen Euro weiter über dem langjährigen Mittelwert. Schuler steigerte die Investitionen 2015 um über 40 Prozent auf 38,2 Millionen Euro.