Schön und gut

Wire/Edelstahl

Wenn höchste Anforderungen an Langlebigkeit, Robustheit und Tragfähigkeit im Zusammenspiel mit geringem Eigengewicht, hoher Transparenz und Sicherheit gestellt werden, kommt Draht aus Edelstahl Rostfrei mit Qualitätssiegel ins Spiel.

29. August 2017
Zur Herstellung von Drahtseilen werden Drähte zu Litzen und diese zu Seilen verdrillt. Bildquelle: WZV / Brugg Lifting Walter A. Schaefer
Bild 1: Schön und gut (Zur Herstellung von Drahtseilen werden Drähte zu Litzen und diese zu Seilen verdrillt. Bildquelle: WZV / Brugg Lifting Walter A. Schaefer)

Von der Rohstahlproduktion über Walzen und Wärmebehandlung bis zum Drahtziehen erfordert die Herstellung von Blankdraht aus Edelstahl Rostfrei viele exakt aufeinander abzustimmende Prozessschritte. Durch Walzen entsteht Grobdraht, der durch eine sich verjüngende Öffnung eines Zieheisens, Ziehsteins oder Walzgerüstes gezogen wird. Diese Öffnung ist in mehreren aufeinander folgenden Produktionsschritten immer kleiner, so dass der Draht ohne Materialverlust immer länger und dünner wird. Neben runden Edelstahldrähten gibt es auch Produkte mit quadratischen oder rechteckigen Querschnitten. Zur Herstellung von Edelstahlseilen wird in aller Regel jedoch Runddraht verwendet.

Werkstoffeigenschaften und Fertigungsverfahren haben nicht nur auf die anwendungsbezogene Eignung maßgeblichen Einfluss, sondern auch auf die Optik der aus den Drähten hergestellten Produkte. Da sich die Ziehsteine im Prozess abnutzen, weist die Drahtoberfläche sukzessive eine leichte Streifigkeit auf. Um diese über die Drahtlänge auf ein Minimum zu beschränken, müssen die Ziehsteine im µm-Bereich poliert und gezielt eingesetzt werden.

Durch abschließendes Glühen erhält der Edelstahldraht die für den jeweiligen Einsatzbereich benötigte Dehnung und Zugfestigkeit. Neben einer großen Auswahl an austenitischen und ferritischen Edelstahllegierungen zählt auch Duplexstahl zum Werkstoffspektrum, aus dem hochwertige Edelstahldrähte für die unterschiedlichen Einsatzgebiete gefertigt werden.

Der richtige Dreh

Zur Herstellung von Drahtseilen – nicht nur aus Edelstahl – werden Drähte in entsprechender Dicke zu Litzen oder Kardeelen und diese wiederum zum Seil verdrillt. Dieses Verdrillen wird auch Schlagen und die so hergestellten Produkte werden deshalb geschlagene Seile genannt. Von der Wahl der Verseilungsart der Litzen – standardmäßige Drahtüberkreuzung oder parallele Verseilung – hängt die Biegeleistung und Lebensdauer der Seile ab. Auch die unterschiedlichen Möglichkeiten der Schlagarten eines Seils – Kreuz- oder Gleichschlag – beeinflussen die Seileigenschaften und damit seine Eignung für verschiedene Einsatzbereiche.

Ob Hub-, Abspann-, Verstell-, Schließ- oder Windenseil: Eine anwendungsspezifische Auswahl gewährleistet neben zuverlässiger Funktion auch eine lange Lebensdauer. In vielen dieser Anwendungen reicht ein Stahlseil. Bei korrosiven Umgebungsbedingungen und hohen Anforderungen an Ästhetik, Belastbarkeit und Haltbarkeit sind jedoch Drahtseile aus Edelstahl Rostfrei mit Qualitätssiegel unverzichtbar, wenn es darum geht, hohe Kräfte aufzunehmen und sicheren Halt zu geben.

Perfekte Hülle

Im Bauwesen überzeugt zu Seilen verarbeiteter Edelstahldraht als vielseitiges Gestaltungselement ebenso wie als funktionale Sicherung. Als Geländerfüllung – quer, hoch oder schräg gespannt – beweisen Edelstahlseile ihre filigrane Ästhetik und robuste Leistungsfähigkeit in Treppenhäusern, auf Balkonen oder auch als Brüstungen an Brücken.

Zu Gewebebahnen oder -paneelen verwoben, werden Edelstahlseile und -draht zur textilen Gebäudehülle, die sogar extremen Windlasten standhält und widrigen Witterungsbedingungen dauerhaft trotzt. Deshalb werden Edelstahlgewebe nicht nur aus dekorativen Gründen als Fassadenbekleidung eingesetzt, sondern auch als leistungsfähige Absturzsicherung im Stadion- oder Parkhausbau.

Unter normalen atmosphärischen Bedingungen eignen sich die Werkstoffgüten 1.4401 und 1.4571. In Meeresnähe und Industrieregionen mit stark salz- oder schwefeldioxidhaltiger Luft werden dafür bevorzugt höher legierte nichtrostende Stähle eingesetzt.

Häufig bringen im Einzelfall – wie beim Grand Théâtre des Cordeliers im französischen Albi – auch ausgeklügelte Abspannkonstruktionen aus Edelstahlseilen dreidimensional geformte Gewebeelemente in Form.

Sicheres Netz

Ein breites Einsatzspektrum bieten zu Netzen verarbeitete Edelstahlseile. Im Gebirge bilden sie für Wanderer eine nahezu unsichtbare, aber höchst effektive Barriere, um einen Absturz in die Tiefe zu verhindern. An Brücken haben sich optisch unterordnende Auffangnetze aus Edelstahlseilen der Werkstoffklasse 1.4404 für die Suizidprävention bewährt.

Den Pariser Eiffelturm sichert ein Edelstahlnetz vor unbefugtem Beklettern. Aus optischen Gründen wurde es – ebenso wie die Edelstahlseile, die es mit dem Eisenfachwerk des Turms verspannen – durch einen Anstrich in der Farbigkeit dem berühmten Bauwerk angepasst.

Als gestalterische und funktionale Alternative zu massiven Gittereinzäunungen setzt man vorgespannte Netzkonstruktionen aus Edelstahlseilen immer häufiger auch in Tiergärten. Hier verbinden dreidimensional geformte Tiergehege hohe Transparenz mit sicherer räumlicher Trennung und erschließen so vielfältige Varianten zur zeitgemäßen Zoogestaltung.

Grüner Draht

In der Fassadenbegrünung treten an die individuelle Architektur angepasste Befestigungssysteme aus Edelstahldraht optisch dezent zurück und überlassen als jahrzehntelang haltbare Rankhilfe den unterschiedlichen Kletterpflanzen die Bühne. Die Drahtdicke richtet sich immer nach der Art der Pflanzen. So genügen dünne Edelstahlseile oder -drähte mit einem Durchmesser von zwei Millimetern für schwachwüchsige Sorten wie Waldrebe (Clematis), während vier oder mehr Millimeter dicke Rankhilfen sogar den beachtlichen Lasten von Blauregen (Wisteria) gewachsen sind. Der robuste Werkstoff überzeugt hier nicht nur durch seine dauerhafte Korrosionsbeständigkeit, sondern bietet auch Algen- und Moosbildung keine Angriffsfläche.

Stilvolles Abhängen

In der Interiorgestaltung finden Edelstahlseile der Werkstoffklasse 1.4401 vielfältigen Einsatz als Abhängesysteme. Ob zur hochwertigen Produktpräsentation oder als filigrane Aufhängung von Regalsystemen im Ladenbau, für extravagante Möbelkreationen, als Vorhangseil in der Inneneinrichtung oder zur Befestigung von Deckenelementen: Mit einem Durchmesser zwischen einem und drei Millimetern sorgen Edelstahlseile in der Inneneinrichtung für die richtige Spannung der Inszenierung und zuverlässigen Halt.

Stabiler Halt

Eine Schlüsselrolle nimmt Edelstahldraht im Segelsport ein. Hier werden 1x19-Seile aus 19 Litzen als sehr zugfeste Variante für stehendes Gut verwendet. Diese auch Stage genannten Absteifungen dienen zur Stützung der Masten in Längsrichtung sowie zur Befestigung – dem sogenannten Trimm – der Segel. In Querrichtung verspannen Wanten genannte Edelstahlseile die Masten. Früher dienten Wanten aus Naturfasern auch zum Aufentern (Hochklettern), um die Segel einzuholen oder zu lösen.

Heute fangen Edelstahlseile mit möglichst wenig Gewicht die auftretenden enormen Windlasten ab, um den Mast in Position zu halten. Die dafür erforderliche Auslegung des Edelstahlseils richtet sich nach Masthöhe, Segelfläche und Art der Anbringung. Üblicherweise verwendet man hierfür ebenfalls 1x19-Seile. Nur Regattasegler setzen auf dünne Spezialdrähte in 7x7-Seilen. Mit sieben Litzen aus ebenso vielen Drähten sind diese wesentlich leichter – allerdings bei einer rund 30 Prozent geringeren Zugfestigkeit als bei 1x19-Seilen. Durch ihre deutlich kleineren Biegeradien bieten sie im Regattasport jedoch mehr Einsatzmöglichkeiten. Unverzichtbar sind Edelstahldrähte im Segelsport zudem für Seerelings, die nach den einschlägigen Sicherheitsvorschriften aus 60 Zentimeter hohen Stützen und zwei Drahtdurchzügen bestehen müssen.

So verschieden die Einsatzbereiche für Edelstahldraht auch sind: Wo immer es auf Beständigkeit gegen Rost, Säure oder extreme Temperaturen ankommt, erfüllt er durch maßgeschneiderte Auslegung der Legierungsbestandteile höchste Qualitätsstandards. Seile, die das Warenzeichen Edelstahl Rostfrei tragen, geben die Gewähr einer sachgerechten Materialauswahl und fachgerechten Verarbeitung.

Zahlen & Fakten

Das international geschützte Markenzeichen Edelstahl Rostfrei wird seit 1958 durch den Warenzeichenverband Edelstahl Rostfrei e. V., Düsseldorf, an qualifizierte Verarbeiter und Fachbetriebe vergeben.

Die derzeit über 1.000 Mitgliedsunternehmen verpflichten sich zum produkt- und anwendungsspezifisch korrekten Werkstoffeinsatz und zur fachgerechten Verarbeitung.

Erschienen in Ausgabe: 05/2017