„…schnelle Reaktionen“

Die Stahlindustrie boomt: Vor allem Chinas wachsender Stahlbedarf heizt den Markt an. Hersteller, Händler und Logistiker stehen immer häufiger vor ganz neuen Herausforderungen.

06. Juli 2005
Mit den Stahlwerken Bremen hat Rhenus das Joint-venture Weserport gegründet und die Hafenanlagen des Herstellers übernommen.
Bild 1: „…schnelle Reaktionen“ (Mit den Stahlwerken Bremen hat Rhenus das Joint-venture Weserport gegründet und die Hafenanlagen des Herstellers übernommen. )

„Durch die hohe Nachfrage kommt es weltweit zu Versorgungsengpässen bei den Rohstoffen und beim Schiffsraum“, erklärt Dr. Andreas Schmidt, Geschäftsführer bei Rhenus Midgard und Rhenus Port Logistics. „Für uns als Logistikdienstleister bedeutet das, daß bewährte Transportkanäle plötzlich ausfallen können und wir dann sehr schnell Alternativen finden müssen.

Wandel als Dauerzustand

Die Stahlindustrie erwarte heute, daß ein Logistikdienstleister flexibel auf Mengenänderungen reagieren könnee, erklärt Dr. Antoine Van Schooten, Generalbevollmächtigter bei den Stahlwerken Bremen. Denn der Wandel ist zum Dauerzustand geworden: „2002 brachen die Lieferungen in die USA ein, weil dort Strafzölle verhängt wurden. 2003 ergaben sich Exportchancen Richtung China, 2004 verschieben sich die Rohstoffströme bei Erz und Koks aufgrund der weltweiten Knappheit“, so van Schooten. Bei Rhenus Alpina in Antwerpen schlägt sich die Marktentwicklung direkt in der Tonnage nieder. Eine Million Tonnen Coils, Träger, Brammen und Bleche bewegt die Niederlassung jährlich im Im- und Export Tendenz steigend. „Die Marktentwicklung lässt sich aber derzeit kaum vorhersehen“, betont Theo Huybrecht, Direktor in Antwerpen. Rhenus Alpina bietet den Kunden eine Komplettbetreuung an: „Wir organisieren die Verschiffung, empfangen Seeschiffe, steuern das Löschen der Ladung und sorgen anschließend für Lagerung und Distribution“, erklärt Huybrecht. Auch die Fiskalvertretung und die Qualitätskontrolle übernimmt Rhenus Alpina.

Logistik ist Vertrauenssache

Heute vertrauen zahlreiche namhafte Stahlunternehmen auf die Logistikdienste von Rhenus. Beispielsweise nutzt Voestalpine die Standorte Duisburg und Rotterdam für Transporte nach Großbritannien und Skandinavien; in Bremerhaven läßt das Unternehmen bei Rhenus Container mit Stahlprodukten beladen. Arcelor bringt Produkte aus Gent und Bremen über den Rhenus-Standort Basel in die Schweiz und nach Italien. Das Stahlgeschäft erfordert derzeit von allen Beteiligten schnelle Reaktionen. Da hilft es, wenn in einer jahrelangen Zusammenarbeit Vertrauen und Verständnis gewachsen sind. Eine bewährte Kooperation kann sogar in Gemeinschaftsunternehmen münden: Mit den Stahlwerken Bremen hat Rhenus das Joint-venture Weserport gegründet und die Hafenanlagen des Herstellers übernommen. Gemeinsam sucht man nun permanent nach Verbes- serungsmöglichkeiten. Beispiel Stahl-Coils: „Wir konnten den Anteil des Direktumschlags erheblich steigern“, berichtet Antoine van Schooten. Das spart Zwischenlagerungen, die die Qualität beeinträchtigen können und Kosten verursachen ? ein doppelter Vorteil.

Weserport, eine Erfolgsstory

Inzwischen besteht das im April 1995 gegründete Jointventure von Rhenus AG und Stahlwerke Bremen »Weserport « seit zehn Jahren, in denen rund 13.000 See- und Binnenschiffe abgefertigt und etwa 75 Mio. Tonnen Seegüter aller Art geladen und gelöscht wurden. Primäre Aufgabe war es, über den früheren Werkshafen die wasserseitige Ver- und Entsorgung der Stahlwerke Bremen zu optimieren und die Bestandsgeschäfte auszubauen. Vom Outsourcing der Hafenaktivitäten versprachen sich die Stahlwerke Bremen Synergieeffekte, die sich bereits wenige Wochen nach der Betriebsübernahme bemerkbar machten. In den folgenden Jahren entwickelten sich die Geschäfte im Hüttenhafen sehr positiv: Die Geschäftsführung setzte auf einen kontinuierlichen Ausbau der Dienstleistungstiefe, die schnell Früchte trug. Neugestaltete Verträge zwischen Weserport und den Stahlwerken Bremen führten vor rund zwei Jahren dazu, daß das »Weserport-Schiff« noch mehr Fahrt aufnehmen konnte. Während die Kapazitäten am Terminal 1 bisher fast ausschließlich den Stahlwerken Bremen zur Verfügung standen, konnten die dortigen Liegeplätze und Krankapazitäten nun intensiver vermarktet werden. Der Terminal entwickelt sich in der Folge bis heute zügig zu einem echten Multi-Purpose-Terminal. Großzügig angelegte Flächenbefestigungen verbesserten die Bedingungen für die Lagerung von Projektladung und Stückgütern deutlich. Die Investitionen zeigen ihre Wirkung: Erstmalig rufen Linienreeder ihre Ladung zu Weserport ab und bieten regelmäßige konventionelle Abfahrten an.

Weiter ausbaufähig

Pünktlich zum zehnjährigen Weserport-Jubiläum beginnen nun im Hüttenhafen die Bau arbeiten für die größte Investition in der Unternehmensgeschichte: Die Verlängerung der Kais, die Befestigung großer Verkehrsflächen und ein neuer Kran bilden die bedeutenden Baumaßnahmen für den neuen Containerterminal. Für rund 12 Mio. Euro entsteht bis Mitte 2006 eine für die Abfertigung von Feederschiffen optimierte Umschlagsanlage, mit der Weserport seine bestehenden Aktivitäten im Containerumschlag ausbauen wird. Die weitere Entwicklung des Unternehmens sieht Michael Appelhans, Geschäftsführer bei Weserport, äußerst positiv: „Der Industriehafen befindet sich im Umbruch und weckt zunehmend das Interesse bei Politik und Wirtschaft.“ Und damit wächst auch der Bekanntheitsgrad des Erfolgreichen Hafens.

Dr. Andreas Schmidt

Erschienen in Ausgabe: 05/2005