Schnell und dennoch schonend

Technik/Schwenkbiegen

Immer noch wird Schwenkbiegen vielfach als Dünnblechtechnik wahrgenommen, eher im Handwerk zu Hause als in der Industrie. Die Schwenkbiegemaschinen der Evolution-Baureihe von Schröder räumen mit diesem Vorurteil auf.

19. März 2013

Die Hans Schröder Maschinenbau GmbH aus Wessobrunn perfektioniert das Schwenkbiegen seit Jahrzehnten und exportiert industrielle Blechbearbeitungsmaschinen in alle Welt. Die MAK 4 Evolution und die SPB Evolution sind die jüngsten Beispiele für CNC-Biegemaschinen zur maßgenauen Bearbeitung von Blechen bis 4 m Breite und 6 mm Stärke. Diese Maschinen zeigen, warum die Schwenkbiegetechnik gerade für den industriellen Einsatz hervorragend geeignet ist.

Ohne Abdrücke

Gegenüber dem Gesenkbiegen hat das Schwenkbiegen den großen Vorteil, keine Abdrücke zurückzulassen. Das Blech wird zwischen Ober- und Unterwange fixiert und die Biegewange bewegt sich um ihren Drehpunkt. Dabei rollt sich das Blech gewissermaßen an ihr ab, praktisch ohne Relativbewegung zwischen Werkzeug und Oberfläche. So verkratzt nichts, und auf Kantfolien wie beim Gesenkbiegen kann verzichtet werden. Dass die Oberfläche der Werkstücke beim Biegen unbeschädigt bleibt, ist gerade für die Bearbeitung von Edelstahl wichtig, da ja die Edelstahloberfläche oft auch die Oberfläche des fertigen Produkts ist.

Auswahl einer Schwenkbiegemaschine

Bei der Auswahl von Maschinen für die Edelstahlbearbeitung ist zu beachten, dass die entsprechenden Angaben meist für 400 N/mm² Zugfestigkeit gelten. Von den Angaben für die Maximalstärke ist für Edelstahl etwa ein Drittel abzuziehen.

Basis aller Schröder-Maschinen ist eine robuste, verwindungsarme Konstruktion. Spielfreie Planetengetriebe zur Kraftübertragung und innen liegende Antriebsspindeln sorgen bei den Maschinen der Evolution-Serie für minimalen Verschleiß und Wartungsaufwand. Die SPB Evolution und die MAK 4 Evolution erreichen eine Positioniergenauigkeit über alle Achsen von 0,01 mm und 0,01°.

Die Stärke der zu bearbeitenden Bleche ist der eine Aspekt bei der Auswahl, die Größe der andere. Für die Bearbeitung schmaler Bleche haben sich beispielsweise programmgesteuerte pneumatisch absenkbare Winkelanschläge bewährt.

Erleichterte Handhabung

Auch die Option einer Vorderanschlagsfunktion der Biegewange mit den ausfahrbaren Biegeschienen-Fingersegmenten ist ein Beispiel für die Lösung kundenspezifischer Biegeanforderungen. Für besonders große Bleche hat sich die Option ›Up and down‹ der Schröder-Evolution-Reihe bewährt. Sie erleichtert die Handhabung der Bleche dadurch, dass die Biegewange sowohl von unten als von oben auf das Werkstück treffen kann, um es zu biegen. Das Blech muss auch bei Abfolgen von Kantungen und Gegenkantungen nicht umgedreht und neu angelegt werden – was bei großen Blechen unter Umständen gar nicht vom Maschinenführer allein bewerkstelligt werden könnte.

Rüstzeitenminimierung

Kleine Losgrößen und Einzelstücke erfordern ein häufiges Umrüsten der Werkzeuge. Die damit verbundenen Stillstandszeiten drücken die Produktivität. Deshalb bietet die SPB Evolution eine ebenso einfache und elegante Lösung an: Eine drehbare Oberwange ermöglicht es, in kurzer Zeit zwischen zwei Werkzeugstationen zu wechseln. Noch größere Flexibilität und Geschwindigkeit bietet der automatische Werkzeugwechsler für die Evolution-Baureihe. Zwei asynchron verfahrbare vollautomatische Werkzeugwechsler mit Linearantrieben rüsten in Sekundenschnelle die Werkzeugstationen der Oberwange. Eine weitere Option ist der automatische Werkzeugwechsel für Biegewangenwerkzeuge mit einer hydraulischen Werkzeugklemmung. Mit diesen Mitteln der Rüstzeitminimierung kann die Produktivität der Schwenkbiegemaschinen weiter erhöht werden.

Steuerung mit Materialkenntnis

Erst mit einer leistungsfähigen Steuerungssoftware lässt sich die mechanische Präzision der industriellen Schwenkbiegemaschinen im Fertigungsprozess effizient nutzen. Schröder Maschinenbau misst dieser Tatsache große Bedeutung zu und unterhält daher eine eigene Softwareentwicklung. Für die Hochleistungsmaschinen der Evolution-Serie wurde eigens die 3-D-Steuerungssoftware POS 3000 entwickelt. Bei der Steuerung geht es nicht nur um die eigentlichen Biegeprogramme, sondern auch um Feinheiten wie eine automatische Bombierung der Biegewange und einen für die Edelstahlbearbeitung besonders wichtigen Aspekt: eine riesige Materialdatenbank mit Informationen zum Biegeverhalten. Damit ist das jeweilige Rückfederungsverhalten berücksichtigt, und das Biegeprogramm nimmt auf dieser Grundlage automatisch Biegewinkelanpassungen vor. Auf diese Weise bekommt man vom ersten Blech an genau die Winkel, die das Werkstück haben soll.

Ohne Nachbearbeitung

Wer Edelstahlbleche verarbeitet, hat es mit einem vergleichsweise teuren Werkstoff zu tun und muss besonders darauf achten, Ausschuss zu vermeiden. Die Schröder-Schwenkbiegemaschinen ermöglichen eine First-Time-Quality, die mit anderen Maschinen kaum zu erreichen ist, schon gar nicht mit dem Gesenkbiegen. Einen auf einer MAK 4 Evolution oder SPB Evolution gekanteten Edelstahlbehälter kann man so, wie er aus der Maschine kommt, ohne Nachbearbeitung laserschweißen.

Erschienen in Ausgabe: 02/2013