Schnell mit dem lichten Draht

Logistik

Wer über hundert Jahre lang Glühlampen herstellte, versteht etwas von dünnen Drähten, auch wenn sie nicht glühen müssen, weil sie einem ganz anderen Zweck dienen. Dass Osram auch Erodierdrähte herstellt, wissen nur wenige. Lissmac schon, denn Lissmac kümmert sich um die Handhabung der Drahtspulen.

30. Mai 2017
Die versandfertigen Spulen vor dem Verpacken – der Posimat von Lissmac ist bereit. Bildquelle: Springfeld
Bild 1: Schnell mit dem lichten Draht (Die versandfertigen Spulen vor dem Verpacken – der Posimat von Lissmac ist bereit. Bildquelle: Springfeld)

Osram verbindet man sofort mit Licht. Als 1906 das Warenzeichen – eine Wortschöpfung aus den damals verwendeten Glühwendelmaterialien Osmium und Wolfram – kreiert wurde, konnte noch niemand wissen, welche Bedeutung elektrisches Licht im Laufe der Zeit zugewinnen würde.

Im Osram-Werk in Schwabmünchen hat sich das Know-how in der Herstellung von unterschiedlichsten Produkten aus Wolfram und Molybdän und deren Bearbeitung zu Halbzeugen für die gesamte Osram-Gruppe konzentriert. Aus Wolfram- und Molybdän-Rohmaterial produziert Osram Schwabmünchen in vielen wertschöpfenden Prozessstufen Glühdrähte, Stromleitungen, Elektroden für Lampen und viele andere Produkte, beispielsweise Erodierelektroden aus Wolfram. Dank eines einzigartigen Know-hows für Ziehprozesse, das in einer unvergleichlichen Präzision und Drahtqualität deutlich wird, sind die Wolfram- und Molybdän-Drähte, die ab 40 µm gefertigt werden, in aller Welt gefragt.

Die dickeren Drähte werden auf bis 30 kg schwere Spulen gewickelt und in dieser Form versandt. Dieses Gewicht war Grund genug, den Umschlag im Versandbereich zu erleichtern und nach passender Handhabungstechnik zu suchen. Von einem Handhabungsgerät des Bad Wurzacher Unternehmens Lissmac Maschinenbau war man besonders angetan. »So bin ich«, bekennt Simon Schwarzfischer, Bereich Metall-Produktion, »meinem Vorgänger dankbar, das installierte Handhabungsgerät gekauft zu haben. Die Akzeptanz und die gute Nutzung des Geräts zeigen, dass die Mitarbeiter tatsächlich entlastet werden.«

Aufgaben im Verpackungsbereich

Vom Produktionsbereich gelangen die Drahtspulen auf einem Spezialwagen zum Versand. Dort werden sie mit Hilfe des Lissmac-Handhabungsgeräts Posimat PB 80 entladen und einer Kontrollwaage übergeben. Unter Abzug des Gewichts der Leerspule wird dort das Drahtgewicht ermittelt. Gleichzeitig wird ein Etikett mit den notwendigen Versandangaben generiert, das die Mitarbeiter auf die Drahtspule kleben. Damit sind die Drahtspulen versandfertig und werden in Kisten oder in fassartigen Trommeln abgelegt.

Manuell geführt, pneumatisch unterstützt

Für die Aufnahme der unterschiedlich großen und damit auch unterschiedlich schweren Drahtspulen haben die Lissmac-Spezialisten den Posimat PB 80 mit einer pneumatisch arbeitenden Dreibacken-Innengreifeinheit ausgerüstet. Die Spannbacken sind konstruktiv an die Teilekontur angepasst. Zur Reibwerterhöhung sind die Außenflächen gummiert. »Die Dreibacken-Greifeinheit«, erläutert Simon Schwarzfischer, »nimmt die Spulen von innen auf, sodass die Außenlagen der Drähte nicht beschädigt werden. Insofern entlastet das Handhabungsgerät die Mitarbeiter nicht nur von einer körperlich schweren Arbeit, es trägt ebenso zur Sicherung der Qualität bei.«

Beim Posimat PB 80 handelt es sich um ein pneumatisch arbeitendes und manuell geführtes Handhabungsgerät, das auf einer auskragenden Standsäule montiert ist. Der PB 80 bietet frei aufgestellt einen Arbeitsbereich mit 5.400 mm Durchmesser, bei Wandmontage mit 2.300 mm Radius. Mit dem gewünschten und realisierten Hub von 1.600 mm lassen sich sämtliche Umschlagsprozesse sicher und bequem erledigen.

Das Handhabungsgerät kann feinfühlig über den umlaufenden Bedienbügel manuell geführt werden. Über die Tasten des mittig angeordneten Bedientableaus können sämtliche Funktionen betätigt werden. Wenn die Dreibacken-Greifeinheit vollständig in die Drahtspule eingeschoben ist, wird sie gespannt. Das heißt, die Greiferbacken drücken an die Innenwand der Spule und halten sie zuverlässig fest. Jetzt entriegelt man die Bremsen an den Achsen des Handhabungsgeräts und nimmt die etwa um 10° angekippten Spulen vom Transportgestell. In diesem Moment ermittelt die pneumatische Waage das Gewicht der Spule. Die Steuerung öffnet ein Ventil, bis sich im Pneumatikzylinder der entsprechende Gegendruck aufgebaut hat. Auf diese Weise befindet sich die aufgenommene Last in einem schwebeartigen Zustand. Die Last lässt sich jetzt federleicht durch den Raum bewegen. Einzig die geringen Trägheitsmomente für die horizontalen Bewegungen müssen manuell überwunden werden.

Feinfühliges Beladen

Zum komfortablen Bedienen ist der Posimat PB 80 mit einer Hebe- und Senkfunktion ausgerüstet. Sie bietet bei Inanspruchnahme einen Unterstützungsdruck, der beim Heben oder beim Senken zusätzlich gegen die Trägheitsmomente wirkt. Das bietet gerade beim Bestücken der Transportkisten oder feinfühligen Beladen der Versandtonnen zusätzliche Entlastung.

Die Spulen werden fast senkrecht, im Winkel von 80°, zum Versand geliefert, müssen aber waagerecht auf die Waage gelegt werden. Deshalb besitzt der Posimat PB 80 eine pneumatisch arbeitende Schwenkeinrichtung. Per Knopfdruck schwenkt sie die Spule nach unten. Ist die Spule auf der Waage abgelegt, detektiert die pneumatische Waage des Handhabungsgeräts den beendeten Lastzustand und erlaubt das Lösen der Last. Entsprechend der vorgeschriebenen und realisierten Sicherheitsschaltung lassen sich jetzt die Greiferbacken der Dreibacken-Innengreifeinheit per Knopfdruck in Zweihandbedienung zurückholen.

Sicherer Handlings-Prozess

Die Sicherheitsschaltung verhindert zuverlässig das Lösen der Last im Schwebezustand. Selbst bei Ausfall der Druckluft oder bei einem anderen Problem schließt das eingebaute Rückschlagventil bei einem Druck unter 5,4 bar. Dann befindet sich im Sicherheitsspeicher noch so viel Druckluft, dass die Greiferbacken gegen die Innenseiten der Spulen gedrückt bleiben, bis die Spule sicher abgelegt ist.

Zum sicheren Handhabungsprozess gehört aber auch das bequeme und qualitätstreue Bestücken der Versandtonnen. Per Handhabungsgerät werden die Spulen passgenau, gefühlvoll und sicher eingelegt. Das schließt gleichzeitig auch jegliche Gefahrenmomente für den Mitarbeiter aus. Und das ist schließlich das Wichtigste.

Peter Springfeld

Fachjournalist aus Berlin

Erschienen in Ausgabe: 04/2017