Schlingen Sie nicht!

Karriere

»Warum rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmacket?«

12. Oktober 2010

Dass das Befolgen dieses Ausspruches, der Martin Luther zugeschrieben wird, heutzutage eine im wahrsten und im übertragenen Sinne anrüchige Geschichte ist, dürfte auch dem Unbedarftesten klar sein. Schließlich geht es im 21. Jahrhundert bei Tische doch etwas weniger rustikal zu als ehedem. Klar auch, dass man heute weder abgenagte Knochen hinter sich wirft noch mit dem Messer die Essensreste aus den Zähnen pult.

Nicht fuchteln, Liebling!

Weniger bekannt sein dürfte aber, dass man nicht in sich hineinstopfen darf, sondern nach jedem Häppchen das Besteck ablegen sollte (und zwar in den Teller auf ›20 vor 4‹, das Messer mit der Schneide nach innen und die Gabel mit dem Rücken nach oben) – und liegen lassen, so lange man kaut.

Nachschub gibts erst, wenn der Mund leer ist. Und ebenfalls erst dann darf getrunken werden – nachdem man die Lippen abgetupft hat – mit der Serviette! Niemals das Essen hinunterschwemmen!

Erst recht lässt man das Besteck auf dem Teller, während man spricht. Dies missfällt zwar dem Gastroenterlogen, weil ihm langsames Essen und gründliches Kauen das Geschäft verhageln, hat aber seinen Sinn, denn es schützt vor unliebsamen Pannen: Vor allem in der Nähe lebhafter Gemüter mit Hang zum Gestikulieren kann das Fuchteln mit Messer und Gabel im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge gehen.

Doch selbst wenn dies nicht passiert: Auf Messers Schneide steht möglicherweise die Einstellung in den neuen Job – zumindest, wenn der potenzielle Chef die Salonfähigkeit überprüft und für wichtig hält.

Einen Nachteil hat jene zivilisierte Nahrungsaufnahme jedoch auch: Das Essen wird kalt, Sie sind immer der Letzte und werden daher nie satt (auch wenn Sie sich zunächst so fühlen). Das aber wiederum verhindert (oder mindert) Fettleibigkeit.www.bbr.de

Erschienen in Ausgabe: 05/2010