Schallschutz = Gehörschutz

Ergonomie

Lärm ist Körperverletzung – was noch vor wenigen Jahren als Spinnerei unrettbarer Hysteriker abgetan wurde, ist heute anerkannte medizinische Erkenntnis. Und Lärm bekämpft man möglichst an der Quelle.

16. April 2012

Dass innerbetrieblicher Lärm zu nachhaltigen Hörschäden führen kann, und dass die daraus resultierende Schädigung des Gehörs eine der häufigsten Berufskrankheiten ist, ist hinlänglich bekannt. Gehörschutz darf daher keine Rettung in letzter Minute, sondern muss Prävention von Anfang an sein. Und zu dieser Prävention gehören auch solche Schallschutzkabinen, die um Anlagen und Maschinen im Betrieb installiert werden. Der im Oberbergischen Marienheide ansässige Schutzsystem-Lieferant Rothstein setzt auf individuell angepasste Systemlösungen.

So auch im jüngsten Projekt für die Schweizer Hatebur Umformmaschinen AG aus Reinach, Kanton Basel-Landschaft. Zwei Schallschutzkabinen in Sonderausführung wurden zum Ende des vergangenen Jahres für den Maschinenbauer zur weiteren Lieferung nach Asien gefertigt. Die Ausführung der Kabinen erfolgte als selbsttragendes Stahlrohr-Rahmengerüst des Rothstein-Systems RRA, jedoch angepasst an die individuellen Design-Vorgaben des Auftraggebers. Die erste Kabine wurde mit 6280 mm Breite, 4630 mm Tiefe und 2450 mm Höhe für eine Warmumformmaschine Hotmatic HM35 gefertigt.

Die Lärmemissionen der Maschine werden durch die Schallschutzkabine auf 80 dB(A) reduziert. Der Hersteller Rothstein erfüllt darüber hinaus die allseits geforderten Kriterien der Maschinenrichtlinie sowie der Richtlinien für Maschinensicherheit und Schutzeinrichtungen. Die zweite Einheit wurde unter Berücksichtigung gleicher Kriterien für eine Warmumformmaschine Hotmatic AMP50 hergestellt. Mit 8450 mm Breite, 5700 mm Tiefe und 2750 mm Höhe ist dieses Schutzsystem noch größer. Die Schalldruckpegel-Reduktion beträgt hier 28 dB(A) bei 125 bis 8000 Hz. Die Türeingänge beider Systeme sind mit entsprechenden Sicherheitskomponenten ausgestattet. Die größere Anlage hat einen zusätzlichen Torantrieb. Integrierte Fenster bestehen aus einem Sicherheitsglas-Polykarbonat-Verbund. Einfache Zugänge ermöglichen den Werkzeugwechsel, die Wartung sowie Reparaturarbeiten an der Maschine.

Der Innenraum ist beleuchtet und der begehbare Bereich mit 800 kg/m2 belastbar. Im Inneren der Kabinen befinden sich auch sämtliche elektrische Einrichtungen und Schaltkästen. Von außen gestaltet sich die Verkleidung der rund 100 mm starken Kabinenhülle aus 3 mm korrosionsgeschütztem Stahlblech. Die schalldämpfende Schicht im Kern wird innen durch verzinktes und gratfreies Lochblech verkleidet, das die Absorbtionsschicht vor Beschädigungen schützt. Alle verwendeten Materialien sind im Übrigen resistent gegen hohe Temperaturen, Kühlflüssigkeit, Schmiermittel und andere Stoffe.

Die Atmosphäre innerhalb der Kabine wird ebenfalls aktiv durch ein eigens entwickeltes Konzept geregelt. Partikel werden gezielt abgeführt und bleiben so nicht im Innenraum haften. Die Ansaugöffnung mit Lüftungsgitter und Ansaugschalldämpfer befindet sich an der Flügeltür. Zudem wird über Axialventilatoren an der Decke belüftet. Die individuellen und klar definierten Anforderungen wurden in kontinuierlicher Abstimmung mit dem Kunden von der Konstruktion bis zur Fertigung, der Abnahme im Werk Marienheide bis zur Auslieferung umgesetzt. Natürlich wird die Lieferung mit detaillierter Dokumentation aller Gewerke begleitet.

Erschienen in Ausgabe: 03/2012