Sauberkeit an erster Stelle

Technik/Verbindungstechnik

Die technische Sauberkeit im Sinne der VDA 19 zählt als wichtiges, qualitätssicherndes Merkmal im Automotive-Bereich. Die komplexen Komponenten sind zunehmend empfindlicher gegenüber Verunreinigungen. Bereits ein einzelner, elektrisch leitender Partikel kann in einem elektronischen Bauteil zum Komplettausfall führen.

13. Oktober 2015

Da funktionskritische Fahrzeugkomponenten immer häufiger mit Sauberkeitsspezifikationen versehen werden, ist der Begriff der ›Technischen Sauberkeit‹ in den Fokus der Entwicklungsabteilungen gerückt. Auch Verbindungselemente sind hiervon immer stärker betroffen. So war es vor wenigen Jahren kaum vorstellbar, dass Schrauben einem aufwendigen Reinigungsprozess unterzogen werden, da deren Reinigung als kalt umgeformtes, galvanisch beschichtetes Schüttgut eine besondere Herausforderung darstellt. In diesem Bereich wurde in den vergangenen Jahren in moderne Reinigungstechnologien und Verpackungskonzepte investiert.

Da Kleinteile wie Schrauben beim Reinigen in hoher Anzahl pro Reinigungseinheit vorliegen, müssen kleinste Partikel aus dem Inneren eines Reinigungskorbs herausbefördert und durch das eingesetzte Reinigungsmedium abtransportiert werden. Anschließend muss vermieden werden, dass eine Rückverschmutzung durch folgende Prozessschritte, wie Verpackung oder Transport, erfolgt. Die Relativbewegung der Schrauben zueinander und die damit verbundene, durch Abrieb generierte Rückverschmutzung, aber auch die Sedimentation von luftgetragenen Partikeln auf die Ware stellen die größten Risiken dar.

Der Verbindungstechnik-Hersteller Ejot hat sich in diesem Marktsegment durch zukunftsorientierte Reinigungstechnologien und Lösungen im Bereich der Verpackungskonzepte und Beschichtungssysteme ein umfassendes Know-how unter dem Markennamen ›Ejoclean‹ aufgebaut. So wurde ein Verpackungskonzept entwickelt, das den Sauberkeitszustand der Schrauben nach der Feinstreinigung konserviert: Die Teile werden unmittelbar nach dem Säubern in einem Reinraum von Mitarbeitern portioniert und in ESD-fähigen (Electro Static Discharge) Vakuumbeuteln verpackt. Durch das Evakuieren der Luft aus dem Verpackungsbeutel wird die Relativbewegung der Teile während des Transports verhindert. Dadurch gibt es auch keine durch Abrieb bedingte Rückverschmutzung. Darüber hinaus kann verhindert werden, dass die Verpackung selbst, beispielsweise durch eine statische Aufladung, zum ›Schmutzmagneten‹ für luftgetragene Partikel wird.

Neuer Ansatz

Auch bei der Reinigung von gleitbeschichteten Schrauben für die Metall-Direktverschraubung hat Ejot einen neuen Ansatz gefunden. Bei der selbstfurchenden Verschraubung von Metallen, beispielsweise bei der ›Altracs-Plus‹-Schraube, werden in der Regel drehmomentsenkende Gleitmittel eingesetzt. Diese Art der Beschichtung besitzt allerdings keine ausreichende Stabilität gegenüber einem Reinigungsprozess. Deswegen wird das Einschraubverhalten durch eine Feinstreinigung beeinflusst.

Bisher war es Stand der Technik, solche Gleitmittel erst nach der Reinigung aufzubringen. Dabei konnte jedoch der Sauberkeitszustand der Teile unmittelbar nach der Reinigung nicht beibehalten werden. Grund war sowohl eine Anreicherung von Restschmutzpartikeln in den Gleitmittelbädern wie auch die Tatsache, dass es sich bei der abschließenden Gleitmittelbeschichtung um einen weiteren Arbeitsgang handelt, der alle Risiken einer Rückverschmutzung der Teile in sich birgt. Daher hat der Verbindungstechnik-Spezialist mit ›Ejoseal 4C‹ ein Gleitmittel entwickelt, das den Einsatz eines abschließenden Reinigungsprozesses, auch nach der Gleitmittelbeschichtung, ermöglicht.

Mit Weiterentwicklung der Fertigungsverfahren in der Automobiltechnik steigen die Anforderungen an den Sauberkeitszustand funktionskritischer Automobilkomponenten weiter. Auch in anderen Technologien gewinnt die ›Technische Sauberkeit‹ an Bedeutung und die Anbieter von verbindungstechnischen Produkten werden mit höheren Sauberkeitsanforderungen konfrontiert.

Zahlen & Fakten

Der Spezialist der Verbindungstechnik Ejot beschäftigt mehr als 2500 Mitarbeiter in 31 Landesgesellschaften. Die Kunden kommen überwiegend aus der Automobil- und Zulieferindustrie, der Telekommunikations- und Unterhaltungselektronik sowie dem Baugewerbe.

Das mittelständische Unternehmen mit Sitz in dem westfälischen Bad Berleburg bietet eine breite Palette von Verbindungselementen, insbesondere gewindefurchende Schrauben, technische Umformteile aus Kunststoff und Metall sowie ein Komplettprogramm für die Befestigung der Außenhülle von Gebäuden. Die optimale Leistung einer Verbindung fängt mit der Auswahl der bestmöglichen Befestigungslösung an. Ejot bietet anwendungstechnische Beratung und umfassende Bauteilprüfungen in eigenen Labors an.

Erschienen in Ausgabe: 03/2015