Saubere Lunge dank Prozessabsaugung

Mit dem Laser-Remote-Verfahren lassen sich blitzschnell Bauteile bearbeiten. Allerdings entstehen dabei gesundheitsschädliche Emissionen. Das Fraunhofer IWS hat eine Absaugvorrichtung entwickelt, die Partikel und Gase in der Luft verringern.

31. Juli 2019
Saubere Lunge dank Prozessabsaugung
Die Multi-Remote-Anlage des Fraunhofer IWS schweißt, schneidet und strukturiert Bauteile großflächig und produktiv mit Hochleistungslasern. Die entstehenden Partikel und Emissionen werden sicher abgesaugt. (Bild: Fraunhofer IWS)

Maschinenbau, Schiffbau, Luftfahrt – die Laser-Remotebearbeitung ist seit einigen Jahren auf dem Vormarsch. Während früher mit einem Laser an einem Bauteil jeweils nur eine Stelle nach der anderen bearbeitet werden konnte, können dank dieses Verfahrens Teile an verschiedenen Stellen quasi gleichzeitig geschnitten, geschweißt, abgetragen oder strukturiert werden.

Doch obwohl das gut funktioniert, besteht ein Problem: Die Bearbeitung erfolgt mit einer hohen Intensität von mehreren Kilowatt in wenigen Sekunden. »Dabei entstehen gesundheitsschädliche Emissionen in Gestalt von kleinen Partikeln und Gasen«, erklärt Annett Klotzbach vom Fraunhofer IWS in Dresden. Im Rahmen des IGF-Forschungsprojektes ›Clean Remote‹ hat die Leiterin der Gruppe Kleben und Faserverbundtechnik sich in den vergangenen Jahren mit dem Thema befasst. Jetzt liegen konkrete Ergebnisse vor.

Absaugung verringert Gesundheitsrisiken

Mit einer speziellen Absaugvorrichtung soll sich das Risiko für Anlagenbediener verringern. Diese sind vor allem gefährdet, wenn eine Fertigungsanlage neu bestückt wird und geöffnet werden muss. Die Partikel können dann austreten und den Bediener an der Lunge schädigen.

Ausgangspunkt für die Forschung war die Frage, in welche Richtung sich die kleinen Partikel bewegen, die mit bloßem Auge kaum zu sehen sind. »Das kann recht unterschiedlich sein, weil manche Partikel größer sind als andere. So haben die großen mehr kinetische Energie und fliegen deshalb höher«, sagt Annett Klotzbach. Hinzu komme, dass der Laser mithilfe von verkippbaren Spiegeln innerhalb von Millisekunden von einer Position zur anderen springe, was die Berechnungen kompliziert gestaltet habe. »Unsere Partner vom Lehrstuhl für Anorganische Chemie der TU Dresden haben am Computer ein Strömungsmodell entwickelt, damit wir die Partikelflugbahn nachvollziehen können. Mit diesen Daten haben wir schließlich die Absaugvorrichtungen optimiert«, sagt Annett Klotzbach.

Neben gezielt angeordneten Absaughauben haben die Wissenschaftler zusätzlich einen sogenannten Querjet eingebaut. »Für Teilchen, die sich weit weg von den Absaughauben befinden, brauchen wir diesen. Sie werden so von einer Seite zur anderen geblasen und dann abgesaugt.« Restverschmutzungen würden zudem per CO2-Schneestrahlverfahren beseitigt, erläutert die Wissenschaftlerin.

Arbeits- und Umweltschutzauflagen erfüllen

Zweieinhalb Jahre hat Annett Klotzbach mit ihrem Team und dem Kooperationspartner an dem Projekt gearbeitet. Nun sollen die Erkenntnisse der Wirtschaft zugutekommen, wo die Laser-Remotebearbeitung beispielsweise eine wichtige Rolle spielt, wenn der Stahlrahmen eines Autositzes verschweißt wird oder eine metallische Oberfläche gereinigt und angeraut werden muss, um Karbonteile einzukleben.

»Die Laser-Remotebearbeitung mit Hochleistungslasern wird weiter Einzug halten, insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. Sie können von unseren Forschungsergebnissen profitieren, um die arbeits- und umweltschutzrechtlichen Auflagen bestmöglich zu erfüllen«, sagt Annett Klotzbach.