Runder nach Entschlackungskur

Technik/Kantenbearbeitung

Eine hochproduktive Schneidteilebearbeitung erreicht ein Schweizer Stahlhändler durch die Verkettung einer Schlackenentfernungsmaschine mit einer Lissmac-Schleif- und Entgratmaschine.

16. Februar 2010

Mit der Entwicklung der Schlackenentfernungsmaschine im Bad Wurzacher Unternehmen Lissmac Maschinenbau GmbH steht Blechbearbeitern eine abgerundete, komplette Technik zur Nachbearbeitung dicker Blechschnittteile zur Verfügung. In einem Durchlauf werden die beim Autogen- und Plasmaschneiden entstehenden Schlackenanhänge entfernt, alle scharfen Kanten auf beiden Blechteilseiten entgratet und verrundet. Neben der Produktivitätserhöhung bietet die Kombination der drei Verfahren eine zuverlässig hohe Qualität der Teilebearbeitung und nicht zuletzt eine signifikante Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Mit diesen Zielen kombinierte das Schweizer Stahl- und Metallunternehmen Stürm AG die vorhandene Lissmac-Schleif- und Entgratmaschine SBM-GS 1000 mit der neuen Schlackenentfernungsmaschine SBM-D 1000.

Die Stürm AG im Schweizer Goldach am Bodensee gehört zu den führenden Lieferanten von Qualitätsprodukten aus dem Bereich Stahl und Metall. Als Handelsunternehmen im Jahre 1835 in Rorschach gegründet, entwickelte sich die Stürm AG zu einem leistungsfähigen Dienstleister. Um noch besser auf die Wünsche der Kunden eingehen zu können, bietet das Unternehmen zusätzlich zu seiner Handelstätigkeit fertigungstechnische Dienstleistungen, die heute in 80 Prozent aller Aufträge erbracht werden. Die Stürm AG gehört zu den leistungsfähigsten Zulieferern, die die bestellten Teile wunschgemäß just in time direkt in die Fertigungs- und Montagebereiche ihrer Kunden liefert. »Unsere Fertigungsprozesse«, hebt Daniel Welti, Leiter des Geschäftsbereichs Produktion und Logistik, hervor, »orientieren sich an den Abläufen beim Kunden. Wir veredeln Produkte bis zu montagefertigen Komponenten.«

»Von Goldach aus«, erklärt Daniel Welti, »betreuen wir die Schweiz und das angrenzende Ausland. Mit dem Bau einer neuen Produktionshalle mit Bürogebäude in der Slowakei haben wir einen ersten Schritt in den internationalen Markt gesetzt.«

»Wir handeln«, erläutert Daniel Welti, »mit Blechen und Profilen aus Leichtmetallen, Bau- und Edelstahl und bearbeiten sie entsprechend der Wünsche unserer Kunden. Wir liefern Metallteile in der angegebenen Materialart und im bestellten Vorfertigungsgrad. Wir sägen und schneiden Fein- und Grobbleche im Dickenbereich von 6 bis 300 mm. Zum Schneiden stehen uns DNC-Autogen-Brennschneidmaschinen zur Verfügung, auf denen bis 12 Brenner parallel arbeiten. Unsere Schneidetische, sind bis 6 m breit und 44 m lang. Je nach Wunsch werden die millimetergenau ausgeschnittenen Teile entgratet und verrundet. An dicken Blechteilen entstehen Schlackeanhänge, die zu entfernen sind. Mit einer Roboterschneidanlage können wir anspruchsvoll gestaltete Teile mit 3D-Geometrien schneiden. Darüber hinaus gehören Fräs- und Bohrarbeiten zu unserer Dienstleistungsofferte. Dementsprechend breit gestaltet sich das Teilespektrum. Dazu gehören beispielsweise Teile für Futter- und Getreidemühlen sowie für den Brücken-, Fahrzeug- und Maschinenbau. Nicht immer wissen wir, wo unsere Teile eingebaut werden. So freuen wir uns über konkrete Beispiele, wie die Sprungschanze in Garmisch-Partenkirchen, in der Stahlteile auch aus unserer Produktion eingebaut sind.«

Schlacken entfernen

Beim Autogen- und beim Plasmaschneiden mit Sauerstoff von dicken Stahlblechen entstehen scharfe und oxidierte Schnittkanten. Auf der oberen Seite setzt sich Zunder ab, den man einfach abschleifen kann. Auf der unteren Seite bilden sich teilweise kräftige Schlackenanhänge, die zumeist sehr fest sitzen. Das manuelle Abschlagen dieser Schlacken ist nicht nur eine anstrengende Arbeit, sie birgt auch reale Gefahren. Man kann die Schlackenanhänge auch abschleifen. Doch das verringert die Standzeit der Schleifwerkzeuge erheblich. Mit der Entwicklung der Schlackenentfernungsmaschine löste Lissmac das Problem auf eine elegante und sehr effiziente Weise und setzte damit zugleich seine Pionierarbeit auf dem Gebiet der effizienten, zweiseitigen Blechbearbeitung konsequent fort.

Bereits der erste Blick auf die neue Schlackenentfernungsmaschine verrät die Handschrift des Konstrukteurs. Das wird nochmals untermauert, wenn man in die geöffnete Maschine blickt. Dort fällt zunächst der steife Rahmen auf, dem man zutraut, dass er den hohen Beanspruchungen durch schwere plasma- und autogengeschnittene Teile auf jeden Fall gewachsen ist.

Vergleichbar sieht es bei den Werkzeugen aus: Spezielle Hartmetallwerkzeuge, die auf endlosen Riemen montiert sind, entfernen zuverlässig die Schlackenanhänge auf beiden Seiten, und endlose, gegenläufig arbeitende Schleifbänder entgraten und verrunden die Kanten in einem Durchlauf auf beiden Seiten. Deshalb ist es auch egal, mit welcher Seite das Werkstück auf das Zuführband der Maschine aufgelegt wird. Wenden des Werkstücks ist nicht erforderlich. Zur Werkzeugkontrolle und zum bequemen Werkzeugwechsel besitzt die Lissmac SBM-D 1000 eine breite Öffnungsklappe.

Förderbänder und -rollen schieben das zu bearbeitende Teil durch die Maschine. Jeweils zwei gegenläufige Werkzeugriemen bearbeiten das zu entschlackende Werkstück von oben und unten zugleich. Die oberen und unteren Werkzeugriemen werden jeweils von einem 3-kW-Elektromotor angetrieben. Die Werkzeuge erreichen eine von den Anwendern akzeptierte Standzeit bis 1000 h.

»Unsere Schlackenentfernungsmaschinen«, erläutert Daniel Keller, Lissmac-Marketing, »fertigen wir in den Durchlassbreiten 1000 oder 1500 mm. Die Maschinen benötigen nur wenig Platz. Die SBM-D-1000 ist nur 2542 Millimeter breit und 1364 Millimeter lang. In der Praxis werden die Maschinen ganz nach Wunsch der Betreiber als separate Einzelmaschine oder als Vorsatzmaschine zu einer Lissmac-Schleif- und Entgratmaschine eingesetzt. Erste Erfahrungen zeigen, dass die am endlosen Riemen laufenden Abschlagwerkzeuge so flexibel arbeiten, dass auch wellige Teile zuverlässig und vollständig von Schlacken befreit werden.«

»Ein weiterer Vorzug der Lissmac-Schlackenentfernungsmaschine«, ergänzt Erich Hautle, verantwortlich für Technik und Infrastruktur, »ist die problemlose Handhabung der Maschine. Nachdem die Blechdicke und der Vorschub eingestellt sind, wird das zu bearbeitenden Dickblech per Lastmagnet auf das Zuführband gelegt. Je mehr Schlacke am Schnittteil zu entfernen ist, desto kleinere Durchlassgeschwindigkeiten stellen wir ein.«

»Generell«, schätzt Daniel Welti ein, »bestellt jeder Kunde genau den Anarbeitungsgrad, den er gerade braucht. Das ist im einfachsten Fall das geschnittene Teil. Mit unserer Roboterschneidanlage haben wir im anderen Fall beispielsweise die Möglichkeit, die Schweißkanten von fertig entgrateten und verrundeten Schweißteilen noch mit einer Schweißfase zu versehen. Die Tendenz zeigt ganz klar in Richtung einer höheren Qualität und eines größeren Anarbeitungsgrades. Beispielsweise lässt sich die Brennschneidmaschine mit einem integrierten Bohrkopf ausrüsten. Das hat dann den Vorteil, dass die Lissmac-Schleif- und Entgratmaschine nicht nur die scharfen Außenkanten, sondern auch die scharfen Innenkanten schleifen und verrunden kann. Derzeit wünschen etwa 95 Prozent unserer Kunden Schneidteile mit geschliffenen Kanten. Das allerdings setzt bei dicken Werkstücken ein Entfernen der Schlackenanhänge voraus.« »So erleichtert die Schlackenentfernungsmaschine«, hebt Erich Hautle hervor, »nicht nur die schwere und gesundheitsgefährdende Arbeit der manuellen Schlackeentfernung, sie bewirkt zudem eine deutlich höhere Standzeit der Schleifwerkzeuge in der Schleif- und Entgratmaschine sowie eine bessere Qualität der Kantenbearbeitung. Durch die saubere und zuverlässige Entfernung der Schlackenanhänge konnten wir den Druck der Schleifbänder in der Schleif- und Entgratmaschine auf das Werkstück reduzieren. Auf diese Weise wirken die Schleifbänder nur noch auf die Kanten und nicht mehr auf die gesamte Werkstückoberfläche. Die Andruckreduzierung erlaubte es uns als willkommenen Nebeneffekt, den Schleifprozess etwas zu beschleunigen. Gleichzeitig haben wir gemerkt, dass wir auch die Arbeit der Schlackenentfernungsmaschine erleichtern können, wenn wir die Schneidprozesse optimieren. Insgesamt bewirkte die Installation der Schlackenentfernungsmaschine einen spürbaren Optimierungsschub des gesamten Bearbeitungsprozesses.«

Exakt nach Kundenwunsch

»Derzeit«, schildert Daniel Welti weiter, »entfernen wir die Schlackenanhänge aller Teile, die bis zu einem Meter breit sind, auf der Lissmac-Maschine. Das ist der größte Teil unserer Produktion. Größere Blechzuschnitte bearbeiten wir noch manuell, kleinere gehen in unsere Strahlanlage. Leider hatten wir hinter unserer großen Brennschneidmaschine keinen Platz, sonst hätten wir die beiden Lissmac-Blechbearbeitungsmaschinen gleich ans Schneiden angeschlossen. So haben wir die Schlackenentfernungsmaschine SBM-D 1000 und die Schleif- und Entgratmaschine SBM-GS 1000 vor dem Versandbereich aufgestellt. Das war möglich, weil die an die Schleif- und Entgratmaschine angeschlossene Filteranlage den beim Schleifen und Verrunden entstehenden Staub zuverlässig absaugt und glühende Schleifpartikel löscht. Beim Schlackenentfernen entsteht kein Staub. Die Schlackenteile fallen in einen Auffangbehälter und werden entsorgt.«

Peter Springfeld

Freier Fachjournalist aus Berlin

Erschienen in Ausgabe: 01/2010