Rote Karte für Stahl?

CHECK - Zahlen auf dem Prüfstand

Aluminiumteile sind meist nur halb so schwer wie ihre Pendants aus ›08/15‹-Stahl und sparen daher Energie für den Transport. Wirklich? Oder sind hoch- und höchstfeste Stähle eine sinnvolle Alternative?

18. November 2009

Aluminiumteile sind meist nur halb so schwer wie ihre Pendants aus ›08/15‹-Stahl und sparen daher Energie für den Transport. Wirklich? Oder sind hoch- und höchstfeste Stähle eine sinnvolle Alternative?

Innerhalb 7 Minuten 26 räumte die ARD Anfang Oktober in ›Plusminus‹ mit dem Vorurteil auf, Alu spare Energie. TV-Autor Michael Lang: »Sobald man die Herstellungsprozesse einbezieht, ist die Umweltbilanz eine andere.« Zu Wort kam auch Dr. Stefan Bringezu, Leiter des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH: »Nach unseren Analysen hat der Austausch von Stahl gegen Aluminium relativ geringen Einfluss auf Ressourcenverbrauch und Treibhausgasemissionen.«

Das Ergebnis der Ökobilanz steht und fällt mit dem Verhältnis von Primär- zu Sekundär-Aluminium. Beispiel Auto: Ersetzt man 200 kg herkömmlichen Stahl durch 100 kg Primäraluminium (da Zusatzbedarf), mindert sich der Spritverbrauch um etwa 0,35 l/100 km (bei 50 % Diesel-Anteil), durch 140 bis 160 kg hochfesten Stahl um rund 0,15 bzw. 0,2 l/100 km. In 1 kg Brennstoff stecken etwa 43 MJ. Für die Herstellung von 1 kg Primäraluminium benötigt man etwa 200 MJ Primärenergie. Der Unterschied zwischen hochfestem Stahl und Primäraluminium wird gemäß bbr-Bereohnung nach 250000 bis 275000 km kompensiert – einem langen Autoleben. Erst die zweite Fahrzeuggeneration fängt zu sparen an (für Sekundäraluminium braucht man weniger als ein Zehntel der Energie) – aber immerhin. Andere Berechnungen kommen je nach Annahmen und Zielen auf 100000 bis 300000 km. Berücksichtigt man, dass Aluminiumhütten weltweit etwa 55 % des Stroms aus Wasserkraft holen, kommt man in Hinsicht auf die CO2-Belastung auf etwa die halben Laufleistungen bis zum Break-even-Point.

Aber genau hier setzte der ARD-Beitrag ein: In den gigantischen Stauseen für die Wasserkraftwerke verfaulen riesige Urwälder und setzen Unmengen Treibhausgase frei.

Zahlen & Fakten

Rohre Auch wenn man täglich haarsträubende Situationen erlebt: Radfahren ist nicht gefährlich. Nur durchnittlich alle 30 Mio. km kommt es zu einem tödlichen Unfall, also etwa alle 160000 Jahre.

Bleche Auch öffentliche Verkehrsmittel sind ungefährlich – trotz einiger brutaler Angriffe: Alleine im Großraum München finden täglich fast 2 Mio. Fahrten statt.

Ampullen Eine Packung ›Schweinegrippe‹-Impfstoff enthält 500 Ampullen für je zehn Personen. Welche Apotheke hat wohl 5000 impfwillige Kunden?

Erschienen in Ausgabe: 11-12/2009