Rosige Aussichten

Technik / Werkstoffe, Halbzeuge

Kein Sektor im Metallbereich steht so unter Druck wie der Handel. So ist ›08/15-Stahl‹ für viele Händler ein Zuschussgeschäft. Reelle Preise lassen sich nur noch mit besonderen Werkstoffen und besonderen Leistungen erzielen.

01. Oktober 2012

Die Rezepte, wie sich der klassische Stahlhandel aus der Klemme zwischen großen Lieferanten mit stark schwankenden Preisen und großen Kunden mit stark gedrückten Preisen entzieht, sind gegensätzlich. Es gibt Stahlhändler, die versuchen es mit Schrumpfen und Konzentration auf ›Schnelldreher‹ oder hochwertigere Werkstoffe wie Edelstahl, andere halten Erweiterung auf andere Metalle und Zusatzleistungen für den besseren Weg.

Aluminium vom Stahl-Service-Center

Zu dieser zweiten Kategorie gehört der niederländische Stahlhandelskonzern MCB mit seinem deutschen Service-Center in Dormagen. Stahl-Service-Center wäre an dieser Stelle falsch oder zumindest unzureichend, denn MCB kann weit mehr als Stahl und Edelstahl. Denn zur Produkt- und Anarbeitungspalette gehören längst auch Aluminium und Buntmetalle.

Im Jahre 2000 hatte man das NE-Geschäft in Dormagen gestartet mit einer Schelling-Platten- und einer Friggi-Bandsägemaschine bis 160 beziehungsweise 600 Millimeter Plattendicke. Später wurde eine Ring- und Rondensäge angeschafft, um die Wünsche der Kunden noch besser bedienen zu können.

Mit dieser Ausstattung konnte das Service-Center aus dem Rheinland vor allem den Maschinen- sowie den Werkzeug- und Formenbau ganz gut bedienen. Wie gut, bemerkte man nicht nur an den Geschäftszahlen, sondern auch an der Notwendigkeit, bald eine weitere, etwas kleinere, aber dafür ›wendigere‹ Schelling-Säge anzuschaffen. Diese Maschine arbeitet besonders effizient und genau, und sie sägt nahezu gratfrei, was den Wert der gelieferten Zuschnitte natürlich erhöht.

Wachstumsmarkt

Während der Außenstehende im Geschäft mit Normalstahl oft den Eindruck eines Hauens und Stechens gewinnt, scheint es in der Aluminiumwelt eher friedlich und freundschaftlich zuzugehen. Zumindest hat man bei MCB diesen Eindruck: Der Umgang mit den Kunden ist partnerschaftlich – und zwar von beiden Seiten.

Das mag zum einen damit zu tun haben, dass die Aluminiumwelt im Vergleich zu der des Stahls recht klein ist: Weltweit wird, in Tonnage gemessen, fast 1000-mal so viel Stahl wie Aluminium verbraucht, und selbst in der Hightech-Region Mitteleuropa liegt das Verhältnis bei 15 bis 20 zu 1 zugunsten der Eisenlegierungen.

Leicht und leicht formbar

Zum anderen fühlen sich die Aluminiumleute als Gewinner. Der Anteil ihres Werkstoffes wächst, und das nicht nur im Fahrzeugbau wegen der Gewichtsvorteile. Auch der Werkzeug- und Formenbau setzt heute oft Aluminium statt Stahl ein. Speziell im Blasformenbau werden, zum Beispiel wegen Designänderungen, kleinere Serien produziert. Die schnellere Fertigung (wegen der leichteren Zerspanbarkeit) bei durchaus vergleichbaren Standzeiten wie beim Werkzeugstahl und das geringere Eigengewicht des Werkzeugs mit erfreulichen Vorteilen beim Handling sind wesentliche Vorteile dieses Werkstoffes.

Durch die rosigen Aussichten sind die Aluminiumverwerter positiv gestimmt. Ob sich dieser Eindruck verallgemeinern lässt, sei dahingestellt. Bei MCB in Dormagen jedenfalls kennt man beide Welten: die des Stahls und die des Aluminiums. Man kennt auch die Unterschiede – und man kommt glücklicherweise in beiden Welten gut zurecht.

Das Management von MCB setzt jedenfalls sehr stark auf Aluminium und hat sein Portfolio entsprechend erweitert, ohne freilich Stahl und Edelstahl zu vernachlässigen oder gar zu reduzieren.

Aluminium ist sein Geld wert

Für einen Händler hat das Leichtmetall noch einen anderen Aspekt: Der Transport lohnt sich wegen der geringeren Masse und des höheren spezifischen Preises über weit größere Strecken als der von Stahl. Die Auslieferungen kleiner Gebinde einfacher Stahlsorten ist nämlich für manche Händler inzwischen ein reines Zuschussgeschäft und für die übrigen zumindest ein Grund zum Jammern.

Ein bisschen mehr

Davon ist man im Aluminiummarkt weit entfernt. Deshalb will MCB weiterhin stark in Aluminium investieren, um mindestens mit dem Markt wachsen zu können. Und schon dieses Wachstum dürfte ziemlich stark sein. Aber vielleicht geht ja auch noch ein bisschen mehr.

Hans-Georg Schätzl

Zahlen & Fakten

Mcb Deutschland hat in Dormagen derzeit etwa 710 t Aluminium eingelagert, davon alleine 550 t Platten, der Rest sind Bleche (glatt, geprägt, gelocht, ), Rohre, Profile und so weiter. Folgende Legierungen sind vorrätig:

-1050

-2007, 2011,2017, 2024

-5005, 5083, 5754

-6060, 6061, 6082

-7020, 7022, 7075

-Hokotol, Certal, Certal SPC

Aluminiumplatten können auf der Kreissäge bis 160 mm Dicke und 3310 mm Länge auf ±0,2 mm genau geschnitten werden, auf der Bandsäge bis 600 mm Dicke und 3200 mm Länge auf ±1 mm genau. Die Ring- und Rondensäge schafft 350 mm Dicke mit 140 bis 1500 mm Außendurchmesser; der Innendurchmesser muss mindestens 150 mm groß sein.

Neben Aluminium bietet MCB auch noch andere NE-Metalle, nämlich Buntmetalle, an:

-Kupfer: Bleche, Platten, Stangen, und Rohre

-Messing: Bleche, Stangen aus MS58 oder MS63

-Bronze und Neusilber: Bleche aus CuSn6 oder CuNi18Zn20

Alle Halbzeuge, egal aus welchem Werkstoff, können von MCB in Dormagen nach Zeichnung angearbeitet werden: Bohren (auch Tieflochbohren), Drehen, Fräsen, Schleifen, Wasserstrahlschneiden (auch 3D) sowie Abkanten, Stanzen und Nibbeln stehen zur Verfügung.

Erschienen in Ausgabe: 06/2012