Rohrumformsystem für Hydraulikpresse

Zur Verrohrung einer hydraulischen Großpresse für einen kanadischen Automobilzulieferer setzt der slowenische Hydraulik- Dienstleister Pisnik das neue Rohrumformsystem Stauff Form ein.

03. Mai 2019
Rohrumformsystem für Hydraulikpresse
Durch die spezielle Kontur des umgeformten Rohres und den Stauff-Formring wird der einzig mögliche Leckagepfad abgedichtet. (© Stauff)

Das Unternehmen Pisnik mit Sitz im slowenischen Vuzenica hat sich in den vergangenen Jahren als Dienstleister für Hydraulikverrohrungen und als Hersteller kompletter hydraulischer Systeme und Aggregate grenzübergreifend einen hervorragenden Namen gemacht – sowohl mit mobilen Services als auch mit einer leistungsfähigen, modernen und gut ausgestatteten Fertigung.

Als einer der ersten Abnehmer weltweit hat sich Pisnik schon früh, noch vor der eigentlichen Markteinführung im Jahre 2015, für die Anschaffung einer Rohrumformmaschine ›Stauff Form‹ entschieden und setzt das System seitdem erfolgreich für die Herstellung hochwertiger Verrohrungen ein. Jernej Pisnik, Produktions- und Vertriebsleiter: »In Stauff Form sahen wir die Möglichkeit, unseren Kunden eine leistungsfähige und montagefreundliche Alternative für anspruchsvolle Anwendungen anzubieten, die bislang vielfach mit aufwendigen Schweißverbindungen realisiert wurden.« Pisnik erhielt eine detaillierte Einweisung vor Ort, erprobte das neue Umformsystem über mehrere Wochen und gab seine Praxiserfahrungen an Stauff weiter. Viele dieser Anregungen konnten noch vor der Markteinführung seitens Stauff bei der Gestaltung der Maschine berücksichtigt werden.

Einsatz in Transferpresse für die Automobilindustrie

Zu den ersten Kunden, für die Pisnik Stauff Form eingesetzt hat, gehört ein internationaler Hersteller hydraulischer und mechanischer Pressen für die Stahl- und Blechbearbeitung. Das Unternehmen, das Pressen mit Kräften von 400 bis 40.000 Kilonewton und Tischlängen bis acht Meter für internationale Kunden konzipiert, legt grundsätzlich großen Wert auf Sicherheit und Langlebigkeit seiner Anlagen. Der Einsatz von Stauff Form war ein wichtiges Kriterium bei der Auftragsvergabe an Pisnik. Der Auftrag enthielt die komplette Hydraulikverrohrung einer Mehrstößel-Transferpresse für einen kanadischen Automobilzulieferer. Die Presse mit zwölf Stationen wurde für die bis zu neunstufige Herstellung von Außengehäusen für Automatikgetriebe konzipiert. Die bei Stauff ermittelten Testergebnisse der Rohrverbindungen hinsichtlich Belastbarkeit und Langlebigkeit sprachen für sich: Die Druckbeständigkeit der mit Stauff Form in Verbindung mit Verschraubungskomponenten der Baureihe ›Stauff Connect‹ umgesetzten Verbindungen übertrifft mit 800 bar für ausgewählte Typen und Baugrößen die Vorgaben der DIN 2353 und ISO 8434–1. Dank der hochwertigen Zink-Nickel-Oberfläche bieten die Komponenten mit mehr als 1.200 Stunden Beständigkeit gegen Rotrost-Grundmetallkorrosion im Salzsprühnebeltest nach DIN EN ISO 9227 einen hervorragenden Korrosionsschutz, der sich laut Stauff von bisherigen Marktstandards abhebt.

Die verbesserte Abnutzungsbeständigkeit und Verschleißfestigkeit, die dank der plastischen Verformbarkeit der Oberfläche erzielt werden kann, trägt ebenfalls zur Langlebigkeit bei. Um die geltenden Standards und Werksnormen für diesen Anwendungsfall zu erfüllen, wäre alternativ nur die Verwendung von Schweißverschraubungen infrage gekommen. Die Montage wäre dann aber deutlich aufwendiger und zeitintensiver gewesen.

Insgesamt werden allein an dieser Anlage 1.200 Meter Hydraulikrohre verbaut, die mit über 800 Stauff-Form-Verbindungen angeschlossen oder fest miteinander verbunden wurden. Nachdem der Auftraggeber von den Vorteilen des Umformsystems überzeugt war, wurde kein Unterschied mehr zwischen Verbindungen von Druck- und Rücklaufleitungen gemacht, sondern das gesamte hydraulische System mit Stauff Form, die Druckluft- und sonstigen Versorgungsleitungen mit herkömmlichen Schneidringen aus dem Stauff-Connect-Programm realisiert.

»Die beste Lösung für anspruchsvolle Industriehydraulik«

Die Anlage wurde über einen Zeitraum von neun Monaten in Slowenien hergestellt, in Teilen nach Kanada verschifft und dort von Pisnik-Mitarbeitern endmontiert. Jernej Pisnik: »Aus unserer Sicht ist Stauff Form die beste Lösung für anspruchsvolle Stationärhydraulik. Wir sehen aber auch viele Möglichkeiten in der Mobilhydraulik. In beiden Bereichen können wir unseren Kunden jetzt Verrohrungen in höchster Qualität und nach höchsten Sicherheitsstandards bis 42 Millimeter Rohrdurchmesser bieten.« Dass die Maschine transportabel ist, ist für ihn ein weiterer Vorteil, denn Pisnik erledigt viele Montagen vor Ort beim Kunden. Zudem erfolgt das Umformen sehr zeitsparend und effizient.

Mit dem neuen Umformsystem hat Stauff Form sein Komplettangebot der Rohrverbindungstechnik um die ›Königsklasse‹ erweitert. An das Ende eines nahtlos kaltgezogenen Präzisionsrohrs aus Stahl, Edelstahl oder anderen Werkstoffen und Legierungen wird in einer elektrohydraulischen Maschine die für das System spezifische Kontur angeformt. Aufs Rohrende wird der Stauff-Formring mit fest verbundener und somit unverlierbarer Elastomerdichtung aufgeschoben. In Kombination mit einem herkömmlichen Verschraubungskörper mit 24-Grad-Innenkonus und einer Überwurfmutter gemäß ISO 8434–1 entsteht so eine formschlüssige Verbindung, die am möglichen Leckagepfad sicher, dauerhaft und wartungsfrei abdichtet.

Die Dichtwirkung wird vom Systemdruck der Hydraulikanlage unterstützt, so dass das neue Rohrumformsystem gut für Hochdruckanwendungen geeignet ist. In solchen Einsatzbereichen profitiert der Anwender darüber hinaus von einer erhöhten Ausreißfestigkeit – ein klarer Sicherheitsvorteil angesichts von Druckschlägen und vibrierenden Belastungen, die typisch sind für viele Hydraulikanlagen. Für Pisnik und den Endkunden war das ein entscheidendes Argument. Jernej Pisnik hierzu: »Bei Rohrverbindungen sind vor allem die Druckspitzen eine große Belastung. Mit Stauff Form können wir zuverlässige, weil dauerhaft leckagefreie Verbindungen realisieren.«

In Anbetracht der kompakten Bauweise vieler mobiler und stationärer Maschinen ist auch der kurze Drehweg der Überwurfmutter bei der Endmontage ein deutlicher Vorteil. Dieser beträgt nur 15 bis 20 Grad nach Erreichen des Festpunktes und kann mit geringem Kraftaufwand und in der Regel ohne Umsetzen des Gabelschlüssels erfolgen. »Unsere Monteure bestätigen, dass das Montageende durch einen deutlich spürbaren Drehmomentanstieg angezeigt wird und die Gefahr von Über- oder Untermontagen praktisch ausgeschlossen werden kann«, berichtet Jernej Pisnik aus der Praxis.

Ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung für Stauff Form war für Pisnik außerdem die Umformmaschine selbst: »Ihre Nutzung ist denkbar einfach und schnell zu lernen. Im Rahmen der detaillierten Einweisung durch Stauff-Mitarbeiter vor Ort konnten die wenigen Fragen der Monteure umgehend beantwortet werden.« Die Maschine ist über ein Touchpad sogar mit Handschuhen zu bedienen.

Die Formstutzen werden bei Wechsel des Rohrdurchmessers oder der Wandstärke über einen Bajonettverschluss im Handumdrehen ausgetauscht. Dies erfolgt wie der Wechsel der Klemmbacken, die das Rohr während des Umformvorgangs in Position halten, komplett ohne Werkzeuge. Ein weiterer wichtiger Aspekt für Jernej Pisnik: »Die geringe Geräuschentwicklung schützt unsere Beschäftigten vor Gesundheitsschäden, verbessert die Sicherheit am Arbeitsplatz und erleichtert die Kommunikation untereinander.« In Zukunft kann die Umformmaschine um ein zusätzliches Modul zur Fernwartung und ›Life-Unterstützung‹ der Anwendungstechniker durch den bei Stauff zuständigen technischen Kundenberater erweitert werden. So können beispielsweise Softwareupdates durchgeführt oder abweichende Rohrparameter, etwa für den Einsatz anderer Werkstoffe als Stahl und Edelstahl, kundenspezifisch programmiert werden. »Das setzt dem ohnehin hervorragenden Stauff-Service gewissermaßen ›die Krone auf‹«, beurteilt Pisnik diese zusätzliche Ausstattung.

An besonders beanspruchten oder gar sicherheitsrelevanten Stellen ein neues System einzusetzen, birgt für einen Dienstleister immer ein gewisses Risiko. Jernej Pisnik fühlt sich in der Entscheidung des Unternehmens, seit Beginn auf Stauff Form zu setzen, voll bestätigt. »Das Umformsystem hat unsere Erwartungen voll erfüllt.«

Erschienen in Ausgabe: 03/2019
Seite: 26 bis 27

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