Rohrlagerung nach Maß

Bessere Höhennutzung, mehr Flexibilität, schnelleres Umstapeln - und das mit einem um 50 Prozent reduzierten Personaleinsatz? Metallhändler Schmolz + Bickenbach entschied sich für die Kasto-Lösung zum schonenden Umgang mit der empfindlichen Ware.

06. Oktober 2006

Die Vorfertigung im Metall verarbeitenden Betrieb macht nach wie vor eher einen kleinen Teil der Wertschöpfung aus, während im Metallhandel die gesamte Inhouse-Logistik plus die Anarbeitung den größten Teil der Wertschöpfung ausmachen und der Materialpreis selbst vielfach nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Entscheidend aber ist die termingerechte Verfügbarkeit des Materials, was zwingend einen entsprechend breit gefächerten Lager-Vorrat voraussetzt. Diesen Materialvorrat sachgemäß zu lagern und zu handhaben erfordert neben genügend Platz auch eine leistungsfähige Handlings- und Fördertechnik, die wiederum die Manipulationskosten beim Ein- und Auslagern, Anarbeiten und Kommissionieren in kalkulierbaren Grenzen halten soll. Ohne konsequente Automatisierung ist das nicht mehr zu machen, zumal sowohl in Produktionsbetrieben als auch im Metallhandel immer kleinere Auftragspositionen bearbeitet werden müssen. Aus diesem Grund bietet Kasto, Achern-Gamshurst, Weltmarktführer in Metallsägetechnik und Langgut-Lagersystemen, den Kunden eine komplette Palette an einfachen manuellen bis vollautomatischen Langgut- und Flachmaterial-Lagersystemen.

Keine (teuren) Kompromisse

So ist es nicht immer sinnvoll und wirtschaftlich, gleich auf vollautomatische Lagertechnik zu setzen, wenn es um die Erfüllung besonderer Anfor­derungen geht. Das trifft auch im Fall des bekannten Stahlproduzenten und Distributors Schmolz + Bickenbach, Düsseldorf, zu, der für die Lagerung und Kommissionierung von relativ empfindlichen Rohren nach einer geeigneten Lösung suchte. Früher lagerte man die Rohre auf Hürden, was bezüglich Flächenbedarf und Umschlag sowie Kommissionierung keinen effizienten Materialfluss zuließ und einen recht hohen Personalaufwand mit sich brachte. Außerdem gab es immer wieder Beschädigungen an dünnen, biegeschlaffen Rohren, und der knappe Lagerplatz verhinderte eine vom Markt gewünschte Ausweitung des Lagerprogramms.

Interessante Alternative

Mit dem intelligenten Stapeljoch-Lagersystem »Unibloc« konnte Kasto eine hoch interessante Alternative bieten, die allen Ansprüchen von Schmolz + Bickenbach gerecht wird. Die Stapeljoche gibt es in verschiedenen Ausführungen für Traglasten von drei bis neun Tonnen, und sie werden in Breiten von 770 bis 1.070 mm, in Höhen von 240 bis 800 mm sowie für Lagerlängen von 6 bis 24 Meter geliefert. Von den niedrigen Stapeljochen lassen sich bis zu 14 Stück übereinander stapeln, von den höchsten bis zu fünf Stück. Damit wird eine Flächen sparende Lagerung umfangreicher Lieferprogramme möglich. Für den rationellen Umschlag sowie das Umstapeln gibt es verschiedene Kran-Lasttraversen, wobei hier der Kunde die Wahl hat zwischen einer manuellen Traverse zum Einfach-Umstapeln, einer manuellen Traverse zum Mehrfach-Umstapeln sowie Magnet-Traversen zum Einfach- oder Mehrfach-Umstapeln. Als Krane kommen bevorzugt solche zum Einsatz, die über zwei Haken und möglichst auch über eine Seilverspannung verfügen. Vorteilhaft ist der sehr einfache Lageraufbau, weil die Einrichtung und Ersteinstellung eines Stapeljoch-Lagers mittels Montage standardisierter Fixierelemente hoch flexibel vonstatten geht.

Universallager für alle Fälle

Das technisch schlüssige sowie wirtschaftliche Lagerkonzept konnte die Verantwortlichen von Schmolz + Bickenbach in allen Punkten überzeugen, weshalb Kasto den Auftrag zur Errichtung eines zweigeteilten Stapeljoch-Lagersystems, bestehend aus einem Pufferlager und einem Kommissionierlager, mit vorerst 500 Lagerplätzen erhielt. Geordert wurden insgesamt 1.500 Automatik-Stapeljoche für Traglasten bis 3 Tonnen mit einer nutz­baren Jochbreite von 770 mm und einer nutzbaren Jochhöhe von 400 mm. Dazu kamen dann weitere 50 Langgut-Kassetten, welche für die Lagerung von Materialresten vorgesehen sind, zum Einlegen in die Stapeljoche. Die Kassetten bieten, bei nutzbaren Abmessungen von 12.000 mm (Länge), 690 mm (Breite) und 395 mm (Höhe), eine Traglast von jeweils 4 Tonnen. Das Höhenraster beträgt 500 mm, weshalb sich allein schon aufgrund der besseren Nutzung innerhalb der vorhandenen begrenzten Raumhöhe deutlich mehr Lagerplätze ergeben. Die vorher genutzten Hürden waren lediglich zwei Meter hoch, so dass der restliche Höhenraum ungenutzt blieb. Das Stapeljoch- und Materialhandling nehmen drei verschiedene Krane mit Traversen vor, nämlich eine Transporttraverse für den Mehrfachtransport, die bis zu 2 Stapeljoche à 400 mm Höhe und Lasten bis 8 Tonnen aufnimmt, eine weitere Transporttraverse für den Einfach-Transport von Automatik-Jochen mit angetriebenen sowie ein- und ausschwenkbaren Greifern, und mit 4 Magneten à 1.000 kg Traglast zum Entnehmen von Rohren im Durchmesserbereich 20 bis 200 mm sowie Rohren bis 500 mm Durchmesser bei Längen bis max. 14.000 mm sowie eine Magnettraverse zum Transport von Rohren aus den Stapeljochen. Dabei sind die Transporttraversen für den Einfachtransport von Automatik-Jochen mit ein- und ausklappbaren Greifern bereits werksseitig für das Magnet-Handling vorgesehen, so dass mit der Ma­gnetanlage das Material-/ Kommissionierhandling hoch flexibel vorzunehmen ist. Die Magnetanlage ist in eine Kasto-Traverse integriert und in der Lage, Einzelstangen und Teil-Mengen aus losen Mengen in den Kassetten oder aus Stapeljochen zu kommissionieren. Darüber hinaus wurden die drei Transporttraversen so ausgelegt, dass Stäbe aller Durchmesser in Längen bis 14.000 mm (Durchbiegung und Biegeschlaffheit dünnerer und langer Stäbe/Rohre) problemlos und sicher zu handhaben sind.

Resümee

Nach über einem Betriebsjahr zeigen sich die Verantwort­lichen von Schmolz + Bickenbach in Düsseldorf mit dem Unibloc-Stapeljoch-Lagersystem sehr zufrieden. Empfindliche Rohre sind nun sicher gelagert und werden schonend gefördert. Der vorhandene Lagerraum kann bezüglich Lagerhöhe, Anzahl Lagerplätze und Abmessungsvielfalt besser genutzt werden. Die Übersicht im Lager ist spürbar verbessert, das Ein-/Auslagern bzw. Umstapeln geht schneller und sicherer vonstatten. Die Kombi-Traverse mit dem integrierten Magnetsystem ist sehr kompakt gebaut und erleichtert das Materialhandling entscheidend. Für die Bedienung des Lagers ist jetzt nur noch ein Mann anstatt früher zwei erforderlich, und trotzdem konnte der Durchsatz erheblich gesteigert werden. _

BackgroundDas Kasto »Unibloc«-StapeljochLager

Kunde _ Schmolz + Bickenbach, Düsseldorf

Branche _ Stahlerzeugung, Stahldistribution

Lagergut _ Stahlrohre

Aufgabenstellung _ Sortiment ausweiten, Platz einsparen (50 Prozent), Lagerübersicht verbessern, Zugriffszeiten erheblich reduzieren, Personal einsparen, sicherer und beschädigungsfreier Betrieb

Lösung _ Kasto-Stapeljochsystem mit per Kran bedien­barer Mehrfachtransport-Traverse und eine Universal-Traverse zum wahlweisen Jochtransport oder Magnetbetrieb

Techn. Daten _ 500 Stapeljoche (nutzbare Abmessungen 770 x 400 mm (BxH) für Lasten bis 3 t und 12 m lange Materialien + 50 Langgut-Kasseten für Nutzlasten bis 4 t

Erschienen in Ausgabe: 09/2006