Riesige Kapazität auf engstem Raum

Ein vollautomatisches Unicompact-Lagersystem von Kasto erweitert seit einiger Zeit das Distributionszentrum von Böhler-Uddeholm im englischen Oldbury. Auf nicht einmal einem Fünftel der bisherigen Lagerfläche beherbergt das Wabenlager rund 5.000 Tonnen Langgut – notfalls sogar deutlich mehr.

16. Februar 2019
Riesige Kapazität auf engstem Raum
Kasto hat die Lagerverwaltung direkt an das SAP-System von Böhler-Uddeholm angebunden. Das ermöglicht schlanke Prozesse und eine hohe Transparenz. (Bild: Kasto)

Böhler-Uddeholm UK Ltd. ist Teil der Böhler-Uddeholm-Unternehmensgruppe und damit des internationalen Stahlkonzerns Voestalpine mit Hauptsitz im österreichischen Linz. Als Mitglied der ›Special Steel Division‹, einer Gruppe aus weltweit führenden Edelstahl- und Werkstoff-Unternehmen, beliefert Böhler-Uddeholm Kunden in ganz Großbritannien mit Kalt- und Warmarbeitsstählen, Werkzeug- und Formstählen, Hochgeschwindigkeitsstahl und verschiedenen Legierungen. Diese werden unter anderem im Werkzeug- und Formenbau, in der Automobilindustrie, der Energietechnik und der Luftfahrt eingesetzt.

Konventionelle Kragarmlagerung nicht mehr ausreichend

Dreh- und Angelpunkt dafür ist das Distributionszentrum im mittelenglischen Oldbury: Mehr als 3.000 Tonnen Material liegen dort zur Auslieferung oder zur weiteren Bearbeitung an einer der zahlreichen Säge-, Dreh-, Fräs- und Schleifmaschinen bereit, ein Großteil davon in Form von Rohren, Stangen und anderem Langgut.

Bei der Lagerung setzte Böhler-Uddeholm noch bis vor einigen Monaten auf konventionelle Kragarmregale. Diese waren jedoch den steigenden Anforderungen nicht mehr gewachsen: »Mit unserem Sortiment wurde auch der Platzbedarf immer größer, so dass wir hier allmählich an unsere Grenzen gestoßen sind«, beschreibt Betriebsleiter Mike Hickman. »Auch die Zugriffszeiten waren in dem manuell bedienten Lager sehr lang – unsere Kunden erwarten jedoch immer kürzere Lieferfristen.« Um die Wettbewerbsfähigkeit auf lange Sicht sicherzustellen, entschloss sich der internationale Stahlhändler deshalb dazu, seine Logistik grundlegend zu modernisieren.

»Wir haben 80 Prozent unserer bisherigen Lagerfläche eingespart und die Prozesse effizienter gestaltet.«

— Tom Gowans, Geschäftsführer von Böhler-Uddeholm UK

Ein automatisches Lagersystem sollte dabei helfen, die Abläufe im Distributionszentrum effizienter zu gestalten und die Kapazitäten zu erhöhen. Bei der Wahl eines geeigneten Projektpartners fiel schnell die Entscheidung für die Kasto Maschinenbau GmbH & Co. KG. Kein Wunder: Der Säge- und Lagertechnikspezialist aus dem süddeutschen Achern hat bereits fünf andere internationale Standorte der Böhler-Uddeholm-Gruppe erfolgreich mit ähnlichen Systemen ausgestattet. Darüber hinaus ist Kasto seit vielen Jahren mit einer eigenen Niederlassung in Großbritannien für seine Kunden präsent. »Unsere Produkte fertigen wir nach höchsten Qualitätsstandards in Deutschland, und unsere kompetenten Vertriebs- und Service-Mitarbeiter in den Landesgesellschaften sind als lokale Ansprechpartner jederzeit verfügbar«, verdeutlicht Ernst Wagner, Geschäftsführer der britischen Kasto Ltd. mit Sitz in Milton Keynes.

Platz für Langgut bis 8 Meter Länge

Für den Standort Oldbury realisierte Kasto ein Wabenlager vom Typ Unicompact. Der Spezialist baute das 15 Meter hohe und 37 Meter lange Lager einfach als Silokonstruktion an die bestehende Halle an – der Einfluss auf den laufenden Betrieb bei Böhler-Uddeholm hielt sich damit sehr in Grenzen. Das vollautomatische System verfügt über 2.377 Lagerplätze mit Kassetten, die Langgut bis 8 Meter Länge aufnehmen können. Die Kassetten tragen Lasten bis 3,5 Tonnen und sind mit 180, 220 oder 450 Millimetern unterschiedlich hoch, um Artikel mit verschiedenen Geometrien zu bevorraten. Die nutzbare Breite beträgt 620 Millimeter.

Das Unicompact-Lager nutzt den vorhandenen Raum effizient aus und ermöglicht eine hohe Lagerdichte: Rund 5.000 Tonnen Material können in dem System auf einer Fläche von etwa 1.000 Quadratmetern verstaut werden. »Die Kragarmregale, die wir vorher im Einsatz hatten, benötigten für die gleiche Menge 5.500 Quadratmeter«, erzählt Mike Hickman. »Mit dem neuen Kasto-Lager haben wir nun also jede Menge neue Flächen zur Verfügung, die wir zum Beispiel für weitere Bearbeitungsmaschinen nutzen können.« Und damit nicht genug: Das Unicompact bietet genug Kapazität, um bei Bedarf sogar 7.000 Tonnen Material aufzunehmen. Damit ist Böhler-Uddeholm auch für künftiges Wachstum bereits bestens gerüstet.

Für die Ein- und Auslagerung des Langguts stehen insgesamt zwölf Übergabestationen bereit, an denen Mitarbeiter das Material in die Kassetten legen und auch wieder entnehmen.Versorgt werden diese über ein Regalbediengerät (RBG) in Portalbauweise.

Ein- und Auslagern per Knopfdruck

Es transportiert die Ladungsträger vollautomatisch auf Knopfdruck zu den Lagerplätzen und auch wieder hinaus. Um Leerfahrten zu vermeiden, ist das RBG doppelspielfähig – das heißt, Ein- und Auslagervorgänge werden effizient miteinander kombiniert. Mit einer Hubgeschwindigkeit bis zu 70 Meter und einer Längsfahrgeschwindigkeit bis zu 160 Meter pro Minute arbeitet es zudem äußerst dynamisch und sorgt so für kurze Zugriffszeiten. Bis zu 45 Doppelspiele pro Stunde schafft das System mühelos. »Früher mussten unsere Mitarbeiter das Material in den Regalen suchen und dann per Stapler entnehmen – ein mühsames, zeit- und kostenintensives Prozedere«, erinnert sich Mike Hickman. »Kurze Lieferzeiten einzuhalten, war so natürlich schwierig – und nicht zuletzt war das Risiko, sich bei der manuellen Handhabung der langen Stangen und Rohre zu verletzen, recht hoch.«

Von den Ausgabestationen gelangt das Material zu einer der zahlreichen Bearbeitungsmaschinen oder direkt in den Versand. Das ›Warehouse Management System‹ (WMS) Kastologic sorgt dafür, dass jeder Artikel auch genau dort landet, wo er hingehört. »Wir haben die Lagerverwaltung direkt an das SAP-System von Böhler-Uddeholm angebunden«, berichtet Kasto-Fachmann Ernst Wagner. »Das ermöglicht schlanke Prozesse und eine hohe Transparenz.« Papier benötigt der Stahlhändler zur Bearbeitung seiner Aufträge fast gar nicht mehr, alles funktioniert elektronisch. Kastologic überwacht und managt sämtliche Bestände, jeder Artikel lässt sich zu 100 Prozent rückverfolgen. Das hilft, Fehler zu vermeiden, und schafft die nötige Übersicht.

Infobox

Zahlen & Fakten

KASTO Maschinenbau, Achern, ist auf Säge- und Lagertechnik für Metalllanggut spezialisiert und ein weltweiter Marktführer für Metallsägemaschinen, halb automatische und automatische Langgut- und Blechlagersysteme sowie automatische Handlingeinrichtungen für Metallstäbe, Bleche und Zuschnitte. Kasto feierte 2014 sein 170-jähriges Bestehen. 160 Patente, mehr als 140.000 in alle Welt gelieferte Sägemaschinen und über 1.800 installierte Automatiklager zeugen vom Erfolg.

Energieeffiziente Technik senkt die Betriebskosten

Auch bei der Energie- und Kosteneffizienz überzeugt das neue Lager: Da die Prozesse im Inneren vollautomatisch ablaufen, sind weder Licht noch Heizung erforderlich. Das RBG verfügt zudem über ein System zur Energierückgewinnung: Überschüssige Bewegungsenergie, die beim Abbremsen des Portals oder beim Senken des Hubwerks entsteht, lässt sich damit in Strom umwandeln und in das Netz zurückspeisen.

Das kann den Stromverbrauch der Lagertechnik im Vergleich zu konventionellen Antriebssystemen um 40 Prozent senken. Weitere Kosten kann Böhler-Uddeholm beim Betrieb der Flurförderzeuge einsparen: »Durch das Automatiklager von Kasto konnten wir unsere Staplerflotte von 15 auf sechs Fahrzeuge verkleinern«, freut sich Betriebsleiter Hickman. »Die deutlich geringere Abgas- und Lärmbelastung durch die Dieselmotoren der Stapler ist für unsere Mitarbeiter ein zusätzlicher positiver Effekt.«

Seit 2016 ist das neue Unicompact-Lagersystem in Betrieb – mit beeindruckenden Ergebnissen: »Wir haben nicht nur rund 80 Prozent unserer bisherigen Lagerfläche eingespart und damit wertvollen Platz gewonnen, sondern auch unsere Prozesse viel effizienter gestaltet«, betont Tom Gowan, Geschäftsführer von Böhler-Uddeholm UK. »Die Zugriffszeiten sind jetzt deutlich kürzer, sodass wir alle Bestellungen, die bis mittags eingehen, noch am selben Tag kommissionieren und versenden können.« Der Stahlhändler konnte außerdem die Betriebskosten und den Personalaufwand erheblich reduzieren, so dass sich die Investition voraussichtlich nach nur drei bis fünf Jahren amortisiert hat. »Unser Ziel ist es, unseren Durchsatz bis zum Jahr 2020 um 50 Prozent zu steigern«, erklärt Gowan. »Das Kasto-Lager mit seinen Kapazitäten ist auf diesem Weg ein wichtiger Schritt.«

Erschienen in Ausgabe: 01/2019
Seite: 24 bis 25