Rezept gegen Fachkräftemangel in der Logistik

„Preußische“ Charmeoffensive soll helfen

23. Dezember 2010
Bild 1: Rezept gegen Fachkräftemangel in der Logistik
Bild 1: Rezept gegen Fachkräftemangel in der Logistik

Die qualifizierten Älteren gehen in Pension, demografisch bedingt rücken weniger Junge nach: Für die Logistikbranche in Berlin-Brandenburg zeichnet sich ein Mangel an Fachkräften ab. Ob IT-Spezialist, Triebfahrzeugführer oder Servicetechniker – die Bewerberzahlen sinken; Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten, offene Stellen adäquat zu besetzen.

Die Gründe sind vielfältig:

1. Der demografische Wandel lässt die Zahl der Auszubildenden schrumpfen – dieser Trend ist in Ostdeutschland noch stärker als im Westen der Republik.

2. Die Logistikbranche bietet vielfältige berufliche Möglichkeiten – aber nur wenige Schüler wissen das und bewerben sich hier um einen Ausbildungsplatz.

3. Auszubildende können oft nicht sofort übernommen werden, das vermittelte Know-how ist dann für das Unternehmen verloren.

4. Bestehendes Personal wird nicht immer konsequent weiterqualifiziert.

Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit ist der demografische Wandel in Ostdeutschland früher zu spüren als im Westen. Das Angebot junger Arbeitskräfte geht hier zurück, laut DIHK gab es bereits in diesem Jahr allein demografiebedingt 3,7 Prozent weniger Ausbildungsverträge.

„In der Logistikbranche verschärft sich die Situation, da die vielfältigen Berufsbilder noch immer zu wenig bekannt sind“, konstatiert Prof. Herbert Sonntag, Vizepräsident der Technischen Hochschule Wildau und Vorstandsvorsitzender des LNBB. „Das ist bedauerlich, denn Logistik ist sehr leistungsfähig: Sie beschäftigt mehr als 180.000 Menschen in Berlin-Brandenburg und bietet gute Perspektiven für Schul- und Hochschulabgänger. Doch die Branche muss dringend weiter an ihrer positiven Wahrnehmung, die sie im Management- und Hochschulbereich längst erreicht hat, arbeiten, um noch mehr Bewerber für die operativen Ausbildungsberufe anzuziehen – Logistik braucht eine Charmeoffensive.“ Das Logistiknetz Berlin-Brandenburg organisiert dafür zahlreiche Veranstaltungen, ist auf Messen und Foren präsent und sorgt für den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

Obwohl das Image der Logistikbranche noch weiter verbessert werden muss, künden die Zahlen bereits von einer positiven Entwicklung: Nach Angaben der Arbeitsagentur hat der Bereich Verkehr und Lagerei bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und gemeldeten Arbeitsstellen erkennbar zugelegt und verzeichnete in Berlin-Brandenburg 12 Prozent weniger Arbeitslose als noch vor einem Jahr.

Wenn Unternehmen erfolgreich ausgebildet haben, sollten sie die Absolventen auch nach dem Abschluss halten und weiter qualifizieren, raten Arbeitsmarktexperten.

Zutaten für das Erfolgsrezept

• Die Logistiker und ihre Verbände müssen an Schulen und anderen Ausbildungsstätten verstärkt für das Berufsfeld werben.

• Zeitversetzte Ausbildungsstarts ermöglichen später die zeitversetzte Übernahme – das Know-how der Fachkräfte bleibt im Unternehmen.

• Neues Wissen für alte Hasen: Die kontinuierliche Weiterqualifizierung lang-jähriger Mitarbeiter stellt sicher, dass das bestehende Personal über wichtige Innovationen informiert und gut qualifiziert ist.

• Geheimtipp der Arbeitsmarktexperten: Unternehmen sollten ihre Ansprüche an die Bewerber überprüfen, denn aus manch „hässlichem jungen Entlein“ wird während der Ausbildung ein stattlicher Schwan.