Revolution der Bohrmaschine

Technik

1895 von Fein in Stuttgart erfunden, ist die elektrische Bohrmaschine das erste Elektrowerkzeug überhaupt. Aus der Erfindung entwickelte sich ein vielfältiges Produktsortiment. Zum Jubiläum erzählt Fein die 120-jährige Geschichte.

13. Oktober 2015
Fein hat sie 1895 erfunden: die elektrische Handbohrmaschine und damit das erste Elektrowerkzeug der Welt.
Bild 1: Revolution der Bohrmaschine (Fein hat sie 1895 erfunden: die elektrische Handbohrmaschine und damit das erste Elektrowerkzeug der Welt. )

Betrachtet man Funde der menschlichen Urgeschichte, wird deutlich, dass das Bohren von Löchern zu den frühesten menschlichen Tätigkeiten überhaupt gehört. Schnell wird der einfache Handbohrer durch mechanische Antriebe verbessert. Danach kamen zuverlässige Elektromotoren. Zwei junge Mechaniker des in Stuttgart ansässigen Unternehmens Fein suchten 1895 nach einer schnelleren Lösung, um Hunderte von Löchern in Stahl zu bohren. Die beiden griffen sich einen der neuen, kleinen Elektromotoren, montierten ein Bohrfutter auf die Spindel – und gingen an die Arbeit.

Ohne den Geschäftssinn ihres Chefs Emil Fein wäre die Spontanerfindung der beiden vermutlich nie über das Niveau einer betriebsinternen Arbeitserleichterung hinausgekommen. Der Sohn des Unternehmensgründers erkannte das Potenzial des improvisierten Elektrobohrers. Gemeinsam mit Otto von Kellenbach brachte er die Maschine zur Marktreife. Die beiden hatten damit das erste Elektrowerkzeug der Welt entwickelt. Für die Geschichte des Unternehmens war das eine entscheidende Weichenstellung, denn 1908 spezialisierte sich die Werkstätte auf die Entwicklung von Elektrowerkzeugen.

Betrieben wurde die erste elektrische Handbohrmaschine mit 110 Volt Gleichstrom. Sie schaffte 1200 Umdrehungen pro Minute und verfügte über eine Leistungsabgabe von 50 Watt. Die Bohrleistung in Stahl betrug rund vier Millimeter. Handhabung und Form der Maschine unterschieden sich aber noch deutlich von den heutigen Modellen. So wurde die 7,5 Kilogramm schwere Maschine mit zwei Händen gehalten. Eine Brustplatte sorgte dafür, dass man sich mit dem ganzen Körpergewicht aufstützen konnte, um den Bohrer ins Material zu treiben.

Die Bohrmaschine fand schnell Nachahmer auf dem Markt. Einige Hersteller haben heute noch bekannte Namen, wie Bosch oder AEG. Trotz starker Konkurrenz sicherten sich die Stuttgarter Tüftler die Innovationsführerschaft: 1901 brachten sie die erste Maschine mit mechanischer Getriebeuntersetzung auf den Markt. Mit der reduzierten Drehzahl ließen sich größere Löcher in Stahl bohren. Die erste Mehrgang-Bohrmaschine wurde 1903 vorgestellt. Fünf Jahre später folgte die Eckbohrmaschine, wieder von Fein entwickelt.

Bohrmaschine wird massentauglich

Ziel war es, Maschinen anzubieten, die bei verbesserter Leistung kleiner, leichter und einfacher zu handhaben waren. Es wurde mit unterschiedlichen Griff- und Bauformen experimentiert. Schließlich hatten sich vier Grundtypen herausgebildet: die Pistolenform, die von Fein entwickelte Spatenform, der Kreuzgriff und die Stabform. Die 1917 von Black & Decker patentierte Pistolenform hat sich bis heute als am weitest verbreitete Form durchgesetzt. Mit der Entwicklung eines Motorgehäuses aus Isolierstoff 1933 konnte Fein als Erster das Gewicht der Maschine deutlich reduzieren.

Ein grundlegender Fortschritt war die stufenlose, elektronische Drehzahlregulierung. Ende der 60er-Jahre brachte Fein die erste Bohrmaschine mit Vollwellen-Elektronik auf den Markt. Elektronische Steuerungstechnik setzte sich nach und nach durch. Mit der Weiterentwicklung dieser Technik wurden nicht nur das Einsatzgebiet und die Benutzerfreundlichkeit verbessert, auch die Stückkosten konnten drastisch gesenkt werden. 1900 kostete eine Elektrohandbohrmaschine um die 200 Reichsmark. Das war doppelt so viel, wie ein Facharbeiter in einem Monat verdiente. Heute liegen selbst hochwertige Profi-Geräte deutlich unter dieser Marke.

Vor allem für den Erfolg im Heimwerker-Sektor war die Entwicklung und Verbesserung der Akku-Technik wichtig: 1962 führte Black & Decker die erste Bohrmaschine mit Nickel-Cadmium-Akku ein. Die große Flexibilität, die sich durch das Arbeiten unabhängig vom Stromnetz ergibt, erkaufen sich Akku-Bohrmaschinen zunächst durch eine geringere Leistung. In den letzten 30 Jahren etablierte sich die Akku-Bohrmaschine auch im professionellen Bereich. Jedes zweite Elektrowerkzeug wird heute als Akku-Maschine ausgeliefert.

Die Geschichte der elektrischen Handbohrmaschine ist eng verzahnt mit der industriellen Revolution: Harte Materialien wie Stahl, Beton und Mauerwerk mussten effizient bearbeitet werden. Vor allem bei dicken, festen oder spröden Materialien waren selbst die neuen Elektrobohrmaschinen oft nicht geeignet. Entsprechend schnell differenzierten sich weitere Bohrwerkzeuge aus, beispielsweise die Schlagbohrmaschine, der Bohrhammer und die Kernbohrmaschine.

Die ersten Schlagbohrmaschinen wurden von Fein 1910, der erste Bohrhammer 1914 entwickelt. Kommerziellen Erfolg erlangte der Bohrhammer 1932 mit dem legendären Bosch-Hammer. Kompakte, handgeführte Schlagbohrmaschinen werden erst seit 1952 in Serie produziert.

Löcher mit einem Durchmesser ab 14 Millimeter exakt in sehr hartes Material zu bohren, stellt auch für leistungsstarke Bohrmaschinen eine Herausforderung dar. Deshalb hat sich das Kernbohren herausgebildet: Eine Bohrkorne ›schneidet‹ einen Kreis in das Material, der freigeschnittene Bohrkern fällt heraus, ein sehr exakt geschnittenes Loch mit einem geringen Grat bleibt.

Kernbohren für Professionelle

Im Gegensatz zur elektrischen Bohrmaschine, der Schlagbohrmaschine und dem Bohrhammer ist das Kernbohren auf die professionelle Anwendung in Industrie und Handwerk beschränkt. Ursachen sind Anwendungsgebiet sowie Größe und Einsatzart der Maschinen: Aufgrund der hohen Drehmomente beim Kernbohren braucht die Maschine einen sicheren Stand. Bei Maschinen, die auf das Bohren in Metall spezialisiert sind, wird der Bohrständer mit einem Elektromagnet gesichert. Der Pionier für dieses Verfahren ist Fein. Schon 1908 bot das Unternehmen schwere Bohrmaschinen an, die mit einem Elektromagneten fixiert wurden.

Wie bei der handgeführten Bohrmaschine ist auch bei den Kernbohrmaschinen für Bohrungen in Metall die Tendenz zu immer handlicheren und komfortableren Maschinen erkennbar. Das zeigt sich beispielhaft an der ›Fein KBM 32 Q‹ und der ›Fein KBM 80 auto‹. Die KBM 32 Q war die erste Kernbohreinheit, die unter zehn Kilogramm wog. Durch die kompakte Bauweise und ihr geringes Leistungsgewicht ist sie gut als Montagemaschine geeignet. Nun war der Einsatz von Kernbohrmaschinen auch direkt vor Ort möglich.

Durch Verbesserungen und Innovationen in der Handhabung wird der Einsatz von Kernbohrmaschinen immer sicherer und benutzerfreundlicher. Auch hier gehört Fein zu den Vorreitern: Die KBM 80 auto ist die erste Kernohrmaschine, die mit vollautomatischem, digital angesteuertem Bohrvorschub arbeitet. Damit muss nicht mehr manuell in den Bohrvorgang eingegriffen werden. Mit der KBH 25 wurde das Bohren noch einmal neu erfunden: Das weltweit erste handgeführte Kernbohrsystem für Metall verbindet die Vorteile einer leistungsstarken Handbohrmaschine mit denen eines Hartmetall-Bohrwerkzeugs.

Blechexpo Halle 6, Stand 6102

Erschienen in Ausgabe: 06/2015