Rettung einer berühmten Marke

Nach der Insolvenz im Juni 2014 öffnet sich für den international bekannten Richtmaschinenhersteller Schnutz nun eine neue Zukunftsperspektive. Der Maschinen- und Anlagenbauer Burghardt + Schmidt GmbH führt den Traditionsbetrieb als eigenständiges Unternehmen unter dem Dach der neu gegründeten Burghardt + Schmidt Gruppe weiter.

10. Dezember 2014
Partner statt Konkurrenten: Im Oktober 2014 übernahm Burghardt + Schmidt die Mehrheit an der Schnutz GmbH und gründete zusammen mit dem Richtmaschinenspezialisten die Burghardt + Schmidt Gruppe. Bildquelle: Burghardt + Schmidt GmbH
Bild 1: Rettung einer berühmten Marke (Partner statt Konkurrenten: Im Oktober 2014 übernahm Burghardt + Schmidt die Mehrheit an der Schnutz GmbH und gründete zusammen mit dem Richtmaschinenspezialisten die Burghardt + Schmidt Gruppe. Bildquelle: Burghardt + Schmidt GmbH)

Die Produktionsstätten wurden ebenso wie die Mehrzahl der Mitarbeiter übernommen, so dass die Fertigung in gewohnter Qualität weiterlaufen kann. Die beiden ehemaligen Konkurrenten wollen künftig ihr Know-how austauschen und Synergien nutzen. So wird Burghardt + Schmidt in Zukunft in seinen Anlagen – außer in Streck-Biege-Richtanlagen und Systemen für sehr dünne, schmale Bänder – Richtmaschinen von Schnutz verbauen.

Seit über 160 Jahren baut die Firma Schnutz in Siegen Maschinen, zuerst vornehmlich Generatoren und Dampfmaschinen, seit 1911 und verstärkt seit 1960 aber hauptsächlich hochwertige Richtmaschinen für Stahl-, Edelstahl- und NE-Bänder oder -Bleche mit Dicken zwischen 0,1 und 25 mm. Über die Jahre hat sich das Unternehmen in diesem Segment international ein gutes Renommee aufgebaut, das heutige Neugründungen kaum noch erreichen können.

Die lange Liste an Referenzkunden umfasst neben großen Konzernen wie Arcelor Mittal, Thyssen Krupp, BMW und Daimler auch viele mittelständische „hidden Champions“. Nicht zuletzt deshalb war das Interesse potentieller Käufer an Schnutz nach Bekanntwerden der Insolvenz Ende Juni 2014 groß. Den Zuschlag erhielt das Gesamtkonzept eines anderen Experten für das Zuschneiden und Richten von Bändern, der Burghardt + Schmidt GmbH, die das Unternehmen mit allen Namensrechten am gewohnten Standort und mit dem erfahrenen Stammpersonal weiterbetreiben wird.

Gewohnte Qualität und künftiger Know-how-Transfer

„Die Mitarbeiter sind die Know-how-Träger einer Firma. Sie machen die Qualität und den guten Ruf von Schnutz aus, deshalb war es uns wichtig, die Belegschaft soweit es geht zu behalten“, erklärt Thomas Baral, Geschäftsführer von Burghardt + Schmidt. Lediglich einige Verwaltungsabteilungen, wie der Einkauf oder die Lohn- und Finanzbuchhaltung beider Unternehmen sollen zusammengelegt werden, um ihre Prozesse zu verschlanken und Kosten zu reduzieren.

Die Fertigung und der Service laufen dagegen wie gewohnt am Standort in Siegen weiter, die dortigen Produktionsräume wurden wieder angemietet, die technische Ausstattung komplett aufgekauft und übernommen. Dazu wurde im Oktober 2014 die Schnutz GmbH gegründet, die die Geschäfte der bisherigen Fr. W. Schnutz GmbH & Co. KG weiterführt und zusammen mit der neuen Mutterfirma in Remchingen künftig die Burghardt + Schmidt Gruppe bildet.

„Innerhalb der Gruppe können wir in Zukunft verschiedene Synergien nutzen, beispielsweise gemeinsame Vertriebsaktivitäten oder Messeauftritte, aber auch einen optimierten, schnelleren Service, da wir jetzt von zwei Standorten aus operieren können“, sagt Thomas Baral. Ähnlich sieht es auch Schnutz-Geschäftsführer Dr. Lutz Henrich: „Die Einbindung in eine größere Gruppe eröffnet neue Chancen. So lassen sich zum Beispiel internationale Märkte durch ein gemeinsames Vertreternetzwerk viel besser bearbeiten.“ Zudem ergänzen sich die Produkte und Märkte beider Unternehmen, so dass künftig einem erweiterten Kundenkreis eine deutlich größere Bandbreite an Leistungen angeboten werden kann, wodurch auch für die Abnehmer ein echter Mehrwert entsteht.

Darüber hinaus ist ein Erfahrungsaustausch zwischen den beiden ehemaligen Wettbewerbern vorgesehen, um die jeweils eigenen Produkte noch zu verbessern. Das bewährte Maschinenportfolio von Schnutz soll vollständig erhalten bleiben, während Burghardt + Schmidt die Fertigung eines Teils der Richtmaschinen für seine Bandbearbeitungsanlagen an die neue Tochter abgeben will. Davon ausdrücklich ausgenommen sind allerdings Maschinen für Streck-Biege-Richtanlagen sowie zum Richten sehr dünner oder schmaler Bänder, da Burghardt + Schmidt in diesen Bereichen über die höhere Expertise verfügt.

Zukunftsperspektive für einen großen Namen

„Unsere Kunden verlangen heute zunehmend Komplettlösungen, in denen die Richtmaschine nur eine – wenn auch sehr wichtige – Komponente ist. Durch die Integration in die Burghardt + Schmidt Gruppe können unsere Kunden nun komplette Bandanlagen mit einer Schnutz-Richtmaschine aus einer Hand erhalten“, so Dr. Lutz Henrich. Dem komme entgegen, dass auch die Philosophie der Firmen praktisch deckungsgleich sei: „Die Kunden bekommen Maschinenbau ‚made in Germany’. Neben den technologisch hochwertigen Produkten gehören eine kompetente Beratung in der Projektierungsphase und ein umfassender After-Sales-Service dabei für uns selbstverständlich dazu.“

„Durch die Übernahme von Schnutz haben wir zum einen einen unserer schärfsten Konkurrenten zu unserem festen Partner gemacht und erwarten uns zum anderen gute Chancen für eine weitere Expansion auf dem Richtmaschinen-Markt“, fasst Baral die Vorteile aus Sicht von Burghardt + Schmidt zusammen. „Dass wir dadurch auch einen der ältesten und bekanntesten Namen unserer Branche retten konnten, war für die Entscheidung ein nicht unerheblicher Faktor.“