Retrofit für das Lager

Technik/Lager und Logistik

Um sein 20 Jahre altes Lagersystem auf den neuesten Stand der Technik zu bringen und die Anlagenverfügbarkeit zu erhöhen, entschied sich die Fitzner GmbH für ein Retrofit der Remmert GmbH.

13. Oktober 2014

Im Lager zählt jede Sekunde. Denn ›verschenkte‹ Zeit reduziert die Produktivität im Unternehmen. Doch schleichen sich nach Jahrzehnten im Vollbetrieb immer mehr Fehler ein. Ausfälle der Mechanik, Probleme mit der Steuerung oder Störungen der kompletten Anlage sind typische Alterserscheinungen. Da ist guter Rat teuer – oder auch nicht.

Mit einer überschaubaren Investition und einer den aktuellen Unternehmenszielen angepassten Modernisierung erhöhte die Fitzner GmbH die Anlagenverfügbarkeit auf nahezu 100 Prozent und verdoppelte die Leistung ihres Palettenlagers. Vom Austausch einzelner Komponenten bis zur Optimierung des gesamten Materialflusses kamen alle Retrofitleistungen von dem Hersteller des Lagers, der Friedrich Remmert GmbH.

Ein Lager ist wie das Herz eines Unternehmens. Wenn es hier zu Störungen kommt, läuft auch im gesamten Betrieb nichts mehr. Ebenso wie der menschliche Körper sind daher das Lager und alle daran angeschlossenen Bereiche und Techniken auf regelmäßige Check-ups und Instandhaltungsmaßnahmen angewiesen. Das hat auch die Fitzner GmbH erkannt. Das Unternehmen hatte vor 20 Jahren ein automatisches Palettenlager der Friedrich Remmert GmbH integriert. Nach rund 250000 Ein- und Auslagerungen war nun die Zeit für eine umfassende Modernisierung gekommen.

Ein Blick in die Vergangenheit

Nach zwei Jahrzehnten ist Wilhelm Fitzner, Geschäftsführer der Fitzner GmbH, noch genauso stolz auf sein Lager wie am ersten Tag. »Mit unserem System waren wir eines der ersten Unternehmen unserer Branche, die ein automatisches Lager integrierten. Das veränderte unser gesamtes Geschäft«, erzählt er. »Mit einem Mal konnten wir viel effizienter arbeiten.« Fitzner ist Importeur von Arbeitsschutzmitteln. An seinem Firmensitz in Preußisch Oldendorf schlägt das Unternehmen heute bis zu 800 Container pro Jahr um.

Rund 900 Artikel zählt die Bestandsliste, 600 bis 700 Artikel hält das Unternehmen ständig auf Vorrat. Um diese Menge effizient zu lagern, stellte Fitzner seine Bevorratung 1993 vom manuellen Betrieb auf Automatik um. Aus Brandschutzgründen wurde das fünfgassige Hochregallager (HRL) nicht direkt im Bestandsgebäude, sondern in einer separaten Halle errichtet. Beide Gebäude und somit Lager und Warenein- und -ausgang verbindet eine Brücke mit integrierter Fördertechnik.

Besonderes Highlight war ein kurvengängiges Regalbediengerät (RBG), das speziell für Fitzner entwickelt worden war. Matthias Remmert, Hersteller des Lagers und Remmert-Geschäftsführer, erklärt: »Normalerweise fährt immer ein Regalbediengerät pro Gasse. Fitzner wollte jedoch alle fünf Gassen mit nur einem einzigen RBG versorgen, ohne dabei an Effizienz einzubüßen. Da dies nicht mit Standardsystemen zu bewerkstelligen war, haben wir kurzerhand eine Speziallösung entwickelt.« Das Remmert-RBG zeichnet sich durch eine besondere Flexibilität aus. Nach jedem Fahrauftrag richtet es sich neu aus und kann dadurch auch in andere Gassen fahren. »Das war für die damalige Zeit geradezu revolutionär«, fügt Wilhelm Fitzner hinzu.

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt

Im Laufe der Jahre nagte allerdings auch am Fitzner-Lager der Zahn der Zeit. Nach 20 Jahren war die Technik überholt, die Ersatzteilversorgung nicht mehr einwandfrei garantiert, und es kam immer öfter zu Anlagenstörungen. Eine Lagermodernisierung wurde unumgänglich. Fitzner wandte sich daher an Remmert. Der Intralogistikexperte stand seit der Erst-Inbetriebnahme des Systems in engem Kontakt mit seinem Kunden und hatte bereits über die Zeit kleinere Modernisierungsmaßnahmen realisiert.

»Remmert kennt das System und dessen Schwachstellen einfach am besten. Dadurch konnten wir sicher sein, dass nach dem Retrofit wieder alles reibungslos funktionieren wird«, erklärt Wilhelm Fitzner seine Entscheidung. Mit dem Projektstart setzte sich die enge Zusammenarbeit beider Unternehmen fort. In einem ersten Schritt analysierte Remmert-Projektleiter und Retrofitexperte Karsten Kipka mit Wilhelm Fitzner und dessen Team den konkreten Modernisierungsbedarf im Lager. Basierend darauf entwickelten sie gemeinsam ein klar definiertes Anforderungsprofil: Remmert sollte das Lagersystem auf den neuesten Stand der Technik bringen, die höchstmögliche Anlagenverfügbarkeit garantieren und die Systemleistung spürbar steigern. Dies erforderte neben dem Austausch und der Modernisierung diverser Anlagenkomponenten auch die Optimierung des Materialflusses. »Eine Herausforderung war das besonders enge Zeitfenster«, berichtet Karsten Kipka. »Um den Betrieb nicht zu stören, haben wir die Kernmaßnahmen an nur einem Wochenende umgesetzt.«

Abläufe optimiert

Im Mittelpunkt der Modernisierung stand vor allem die Leistungssteigerung des RBG. Ein erster Baustein des Remmert-Retrofitkonzeptes war deshalb die Komplettüberholung des Systems. Dies sah unter anderem den Austausch des mitfahrenden Schaltschranks und der Steuerungselektronik und -software durch moderne Komponenten vor.

Um zukünftig wertvolle Zeit bei den Ein- und Auslagerungen einzusparen, schlug Remmert außerdem die Optimierung der Fahrbewegungen des Regalbediengeräts vor. Dadurch lagert das RBG neue Paletten vorrangig in den Gassen ein, in denen anschließend Paletten entnommen werden. »Dieses Vorgehen ist viel effizienter, denn das Gerät arbeitet so wesentlich schneller«, bestätigt Wilhelm Fitzner.

Besonderes Fingerspitzengefühl verlangte die Integration eines neuen Messsystems im Lager. Bisher waren Spiegel zur Positionsabfrage des RBG eingesetzt worden. »Durch Temperaturschwankungen beschlugen die Spiegel oft. Das RBG wusste dann nicht mehr, wo es war, und stoppte selbstständig«, erklärt Karsten Kipka. Um die Positioniergenauigkeit des RBG zu steigern, integrierte Remmert ein exakt ausgerichtetes Laser-Messsystem. »Anfahr- und Bremsweg werden genauer ermittelt und Lagerprozesse um zehn Prozent beschleunigt«, so der Projektleiter weiter. Doch damit nicht genug. Wilhelm Fitzner plante, mit der Modernisierung auch den gesamten Warenfluss zu revitalisieren. Dies setzte den Austausch der Fördertechnik zwischen Lager und Bestandsgebäude voraus. Sie kam ursprünglich von einem Fremdanbieter, wurde jedoch von Remmert gewartet. Nun entschied sich Fitzner, sie durch eine Förderlösung von Remmert zu ersetzen.

Der Warenfluss wurde erheblich verbessert. Früher ermöglichte die Technik nur die Einlagerung von sechs Paletten am Stück. Heute lässt sie sich hingegen flexibel an den Betriebsmodus anpassen – von einer bis zehn Paletten pro Einlagerungsauftrag ist alles möglich. Und auch die Förderstrecken selbst sind effizienter und schneller. Der Durchsatz wurde dadurch von zwei auf vier Container pro Tag verdoppelt. Fitzner kann außerdem entscheiden, ob vorrangig ein- oder ausgelagert werden soll. So lassen sich auch Auftragsspitzen entspannt abfangen. Die Einführung eines komplett neuen Sicherheitskonzeptes inklusive Lichtschranken und Sensorik sowie die Umstellung des Warehouse-Management-Systems auf ›PRO WMS Professional‹ runden das Retrofitpaket ab.

Euroblech Halle 12, Stand D42

Erschienen in Ausgabe: 06/2014