Reine Luft

Fokus/Filteranlagen

Jeder hat sie schon einmal gesehen: Silo- und Tankfahrzeuge, die zu Tausenden weltweit auf den Autobahnen unterwegs sind, oder Eisenbahnwaggons, die in langen Zügen Waren transportieren. Doch die wenigsten wissen, wo und wie Behälter und Fahrzeuge hergestellt werden.

02. Oktober 2018
© Feldbinder
Bild 1: Reine Luft (© Feldbinder)

Im Jahre 1975 begannen Otto Feldbinder und Jan-Dirk Beckmann den Markt für Nutzfahrzeuge zu verändern. Aufgrund der großen Nutzlastvorteile setzte sich Aluminium als bevorzugter Baustoff im Silofahrzeugbau durch. Bis heute findet sich der Sitz der Geschäftsführung und der Silofahrzeugproduktion der Feldbinder Spezialfahrzeugwerke GmbH in Winsen an der Luhe. 

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands erkannten die beiden Gründer die Möglichkeit zur Erweiterung ihrer Produktpalette durch einen Produktionsstandort mit Edelstahl-Verarbeitungserfahrung und erwarben im Oktober 1991 die ACA Apparate- und Chemieanlagenbau Wittenberg GmbH in der Lutherstadt Wittenberg. Hier wurden bereits seit über 60 Jahren Druckbehälter für die chemische Industrie und die Eisenbahn aus Edelstahl und Aluminium gefertigt. 

Durch den Erwerb dieses Fertigungsbetriebes konnte das Produktsortiment zusätzlich um Tankfahrzeuge und später auch um Bahnwaggons erweitert werden. 

Heute sind rund 1.000 Mitarbeiter für das Unternehmen tätig. Diese fertigen mehrere Tausend Einheiten pro Jahr und generieren so einen Umsatz im dreistelligen Millionenbereich.

Feldbinder hat in der Fertigung von Silofahrzeugen derzeit einen Marktanteil von rund 40 Prozent, die Exportquote beträgt etwa 65 Prozent. Wichtigste Absatzmärkte neben Deutschland sind Großbritannien und Polen. 

Aluminium und Edelstahl

Sämtliche Bahnwaggons, Silofahrzeuge und Tankauflieger, die in Wittenberg gefertigt werden, bestehen aus Aluminium oder Edelstahl. Mit ihnen werden flüssige oder granulierte Stoffe wie Bitumen, Lebensmittel, Getränke oder unterschiedliche Schüttgüter bis hin zu Spezialstoffen transportiert. Neben ein- oder mehrkammerigen Transportlösungen werden auch kundenspezifische Speziallösungen wie Saug- und Druckfahrzeuge hergestellt.

Für die Produktion von Tankfahrzeugen wird im Normalfall Edelstahl verwendet, Silos für Schüttgüter werden aus Aluminium gefertigt. Auch die jeweiligen Chassis der Fahrzeuge, auf welche die Behälter montiert werden, bestehen entweder aus Edelstahl oder Aluminium. Dabei wird jedes einzelne Projekt speziell konzipiert, um Kunden die effizienteste Fahrzeugkonfiguration anbieten zu können.

»Wir bieten keine Produkte, sondern Transportlösungen«, erklärt Dirk Müller, leitende Fachkraft für Arbeitssicherheit. Feldbinder bietet »technisch ausgefeilte Fahrzeuge in speziellen Ausführungen an«, ergänzt Anne-Marie Richter, Marketing. Sämtliche Produkte werden in enger Abstimmung mit den Kunden konzipiert. Wesentliche Parameter bei der Planung und Konzeptionierung der Behälter sind unter anderem die eingesetzte Materialgüte, Volumina, die Art der Isolierung und Kammeraufteilung.

Luftreinhaltung in der Aluminiumbearbeitung

Bei Feldbinder werden die ›klassischen‹ Schweißverfahren WIG, MIG und MAG eingesetzt, im Vorfertigungsbereich zusätzlich Plasma und Laser zum Schneiden des Materials. Alle der rund 50 Schweißfacharbeiter führen ihre Aufgaben stehend oder sitzend aus; das heißt, schwierige Über-Kopf-Arbeiten oder andere unbequeme Arbeitssituationen entfallen. Schwere Lasten werden mittels Krantechnik durch die Fertigungshallen transportiert. Dies reduziert die körperliche Belastung der Belegschaft, denn obwohl die zu verarbeitenden Edelstahl- und Aluminiumbleche sehr dünn sind, weisen sie dennoch ein gewisses Eigengewicht auf.

Beim Schweißen entsteht Schweißrauch, der Auswirkungen auf die Gesundheit der Mitarbeiter, aber auch die Produkt- und Fertigungsqualität haben kann. In den Edelstahl verarbeitenden Produktionsbereichen wird der Schweißrauch direkt an der Entstehungsstelle abgesaugt. Alternativ werden die Schweißfachkräfte mit spezieller persönlicher Schutzausrüstung, etwa Schweißerschirmen mit Gebläsefiltersystem ausgestattet. Beim Schweißen von Aluminium hingegen bilden sich etwas größere Mengen an Schweißrauch.

Um das Problem der teilweise starken Schweißrauchentwicklung bei der Aluminiumverarbeitung zu beheben, wurden verschiedene Szenarien durchgespielt. Eine Punktabsaugung mit Systemen unterschiedlicher Anbieter stellte sich aufgrund ständig wechselnder Arbeitsplätze und -situationen als nicht effizient genug heraus. Eine Hallenabsaugung an der Hallendecke hätte statische Umbauten erforderlich gemacht. Die Alternative bot sich in Form von Filtertürmen.

Filtertürme – die Lösung

2014 kam es zum Kontakt zwischen Mitarbeitern von Feldbinder und der Novus Air GmbH. Die Funktionsweise und Flexibilität eines Novus Airtower wurden als vorteilhaft erachtet. Die Absaug- und Filteranlage basiert auf dem Schichtenlüftungsprinzip, das als optimale Art der Luftumwälzung gilt und sogar von der Berufsgenossenschaft empfohlen wird.

Der Novus Airtower, der in vier verschiedenen Typenvarianten verfügbar ist, benötigt weniger als 1,5 kW Strom pro 1.000 m³ gereinigter Hallenluft. Die Verantwortlichen bei Feldbinder entschieden sich für eine Variante mit 20.000 m³/h Luftvolumen für die effektive Reinigung von nahezu 7.000 m³ Rauminhalt.

Die anfängliche Skepsis hinsichtlich zu erwartender Platzprobleme beim Aufstellen der Filtertürme wich nach einem Referenzbesuch schnell, denn trotz ihrer enormen Abmessungen sind die Filtertürme sehr flexibel einsetzbar. »Die Aufstellung der Türme ist so flexibel wie unsere Produktion«, erklärt Matthias John, Maintenance & Facility Manager bei Feldbinder. Novus stellte einen Filterturm als Leihgerät für zwei Monate zur Verfügung.

Dabei zeigte sich ein weiterer Vorteil, wie Dirk Müller erklärt: »Wir arbeiten teilweise mit Schutzgas. Dieses wird nun nicht durch Verwirbelungen weggeführt, da die verunreinigte Luft im oberen Hallenteil abgesaugt und so der Schweißprozess nicht beeinflusst wird.« »Nach den zwei Monaten Leihe wurden die Mitarbeiter in der Fertigungshalle befragt, ob eine Luftverbesserung eingetreten sei«, fügt Matthias John hinzu. »Alle bejahten.«

Daraufhin wurden sieben Airtower bestellt. Deren Aufstellung erfolgt so, dass Platzprobleme von vorneherein auszuschließen sind. Heute stehen diese sieben Türme in zwei Fertigungshallen. Ein weiteres Kriterium pro Novus Airtower war die Verarbeitung der Filtertürme. »Diese hohe Qualität wurde von keinem anderen Anbieter erreicht«, betont Jürgen Riedel, Purchasing Manager bei Feldbinder. Da kein weiterer Lieferant die Leistungsklasse 20.000 m³/h bedienen konnte, fiel die Entscheidung zugunsten der Novus Air GmbH.

Sonderwünsche und Hilfsmittel

Einige der Novus Airtower wurden speziell konfiguriert. Sämtliche Lösungen entstanden aus umfangreichen Gesprächen zwischen Feldbinder und Novus. Matthias John: »Es waren sehr angenehme Gespräche, da unsere Sonderwünsche ohne Wenn und Aber berücksichtigt wurden.« Dabei handelt es sich um ein abschließbares Bedienpanel (Zugang nur für verantwortliches Personal), einen abschließbaren Staubsammelbehälter sowie die höhenversetzte Montage des Luftpartikelsensors.

Dieser Sensor regelt den automatisierten Einsatz des Filterturms. Er basiert auf der Streulichtdetektion und misst im Bereich zwischen 0 und 1.000 µg/m³. Dabei werden Partikelgrößen zwischen 0,1 µm und 100 µm erfasst. Ab einer Partikeldichte von fünf Prozent wird der Novus Airtower in Betrieb genommen. Wird dieser Wert länger als zwanzig Minuten unterschritten, fährt die Anlage wieder in den Stand-by-Modus zurück, um Betriebskosten einzusparen.

Darüber hinaus verfügen alle Absauganlagen über das von Novus angebotene Energieeffizienzpaket (Zitat John: »Das war uns sehr wichtig.«) sowie die ›intelligente‹ Filterabreinigung. Besuche der Berufsgenossenschaft und Messungen der Staubgrenzwerte waren für die Verantwortlichen bei Feldbinder kein primärer Grund zum Einsatz von Luftreinigungsanlagen. »Uns liegt vor allem die Gesundheit der Mitarbeiter am Herzen«, bekräftigt Matthias John. Diese wissen das zu schätzen.

Euroblech Halle 13, Stand H40

Erschienen in Ausgabe: 06/2018