Reden ist Silber,Schweigen ist Gold?

Übrigens/Prof.-Dr.Volk

Liebe Leser, es freut mich außerordentlich, dass ich Ihnen als Herausgeber der bbr in Zukunft an dieser Stelle meine Gedanken zu aktuellen Themen zum Besten geben darf.

27. August 2013

Wenn wir derzeit die Nachrichten anschauen, dann werden wir unweigerlich mit den Fragen des Abhörens durch Geheimdienste und ähnlichem konfrontiert. Ich denke, dass sich schon jeder die Frage gestellt hat, wie viel Privates tatsächlich von uns in irgendwelchen Datenbanken hinterlegt ist. Mich beruhigt dann meistens die Überlegung, dass sehr wahrscheinlich doch niemand der Herren und Damen mit dunklen Sonnenbrillen wissen will, ob ich gestern beim Italiener um die Ecke war oder einen Braten mit Soße hatte.

Schon viel interessanter ist die Frage, inwieweit das Ausspionieren von Innovationen und wirtschaftlichen Daten auch durch die Geheimdienstaktionen betroffen ist. Sollen wir jetzt gar nichts mehr kommunizieren oder wie können wir uns wirklich wirksam schützen? Das ist eine Frage, auf die ich Ihnen sicherlich keine kompetente Antwort geben kann.

Aber sehen wir es mal von der anderen Seite: Aus meiner industriellen Vergangenheit bei einem OEM habe ich noch gut in Erinnerung, dass wir eher zu wenig als zu viel von unserem Können kommunizieren. Es gibt viele tolle Entwicklungen und Innovationen, die einfach nicht den Weg zu den Entscheidungsträgern finden, so dass insbesondere kleinere Unternehmen mit neuen Produkten nicht im gewünschten Maße bei der Auftragsvergabe zum Zuge kommen.

Das Problem ist, dass wir als Zulieferer meistens nur Kontakt zu den Einkäufern, aber nicht zu den technischen Entwicklungsabteilungen haben und die Einkäufer dies auch häufig gar nicht wollen, ganz im Sinne ›only one face to supplier‹. Leider führt dies dazu, dass Entscheidungen zu technischen Ausführungen und Details festgelegt werden, bevor wir überhaupt die Chance haben, unsere neuen Entwicklungen bekanntzumachen.

Wie schön wäre es, wenn wir einfach in einer Internet-Datenbank nachschauen könnten, bei wem wir mit unseren Innovationen zur richtigen Zeit im Produktentwicklungsprozess vorbeischauen könnten und dann in einem Win-win für uns Aufträge akquirieren und für den Kunden die beste technische Lösung umsetzen könnten!

Ich weiß, dass es eine Mammutaufgabe ist, aber vielleicht schaffen wir es, einen Kommunikationsmarktmarktplatz umzusetzen, auf dem wir gezielt das zum Besten geben können, was die Partner, Kunden und Lieferanten auch wirklich interessiert und erreicht. Mit dem Ziel »Tue Gutes und rede darüber, aber mit dem Richtigen«, damit Reden zu Gold wird, verbleibe ich für diesmal mit den besten Wünschen

Ihr

Wolfram Volk

Erschienen in Ausgabe: 05/2013