Raus aus dem Pressenkeller

Die neue Richtung für die Blechumformung ist horizontal

Die Blechumformung tiefer rotationssymetrischer Teile erfordert bis heute aufwendige Pressentechnik. Bei Überschreitung der Grenzziehverhältnisse muß in kostenintensive Folgewerkzeuge investiert werden. Die H&P Systec GmbH aus Schwäbisch Gmünd stellt eine andere Lösung vor. Ihre neue Hydrogear- Technik erlaubt es, Mehrfachzüge im Gesamtverbund in einer Operation durchzuführen.

16. März 2001

Der 1998 entwickelte horizontale Umformautomat H&P 100-600 setzt neue Maßstäbe für die kostengünstige Produktion von Ziehteilen. Kernstück ist ein hydraulisches Getriebesystem, das sich als wirtschaftliche und leistungsfähige Alternative zur herkömmlichen Fertigung von Folgezügen bewährt hat. Die Maschine wird seit April 1999 bei einem deutschen Druckbehälterhersteller anstatt herkömmlicher Transferpressentechnik für die Serienproduktion eingesetzt. Generell umfaßt das Teilespektrum dieser Fertigungstechnik Stahl- und Aluminiumbauteile für die Fahrzeug- und Druckbehälter sowie Edelstahlteile für die Haushaltswarenindustrie.

Das patentierte Hydrogear-Modul erzeugt aus der Einfachwirkung des Antriebs eine für das Tiefziehen erforderliche Zweifachwirkung. Zusätzlich werden mit diesem System bis zu drei Zugoperationen im Gesamtverbund in einem Arbeitsgang ausgeführt. Außerdem bietet die Maschine den Vorteil, alternierend bei jedem zweiten Ziehteil eine Bodenlochung einzubringen.

Unterschiedliche Rondendurchmesser mit einem Aktivwerkzeugsatz

Die Anlage bietet durch ein patentiertes Zentriersystem den Vorteil, unterschiedliche Rondendurchmesser in einem Aktivwerkzeugsatz verarbeiten zu können. Hierdurch werden bei gleichem Endkonturdurchmesser unterschiedlich hohe Ziehteile erzeugt. Muß das Werkzeug bei anderer Produktgeometrie gewechselt werden, bietet das integrierte Werkzeugschnellspannsystem hohe Produktionsflexibilität.

Durch die flurebene Aufstellung des Automaten kann auf den sonst üblichen Pressenkeller verzichtet werden. Die geringe Bauhöhe und der minimale Platzbedarf erlauben praktisch jeden Aufstellort.

Werkzeugsatz nur halb so teuer

Durch die horizontale Fertigungsachse ist es möglich, die Maschine mit geringem Aufwand auf die doppelte Ausbringungsleistung bei gleicher Antriebsleistung nachzurüsten. Dieses Konzept kann über die spiegelbildliche Anordnung einer zweiten Arbeitseinheit realisiert werden.

Das einfachwirkende horizontale Wirkprinzip der Grundmaschine ist deutlich kostengünstiger als konventionell arbeitende vertikale Pressen. Die Konstruktion des hydraulischen Getriebes senkt die Betriebskosten im Vergleich zum Energiebedarf einer doppeltwirkenden Tiefziehpresse. Im direkten Vergleich kostet der Gesamt-Verbundwerkzeug- Satz für einen Zweifachzug gegenüber einem Folgewerkzeug-Satz nur die Hälfte. Auch der Wartungs- und Installationsaufwand wird durch optimierte Bauweise und minimierten Steuerungsaufwand reduziert.

Erschienen in Ausgabe: 11/1999