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Qualität zahlt sich aus Hintergrund Steckbrief

Qualität zahlt sich aus Hintergrund Steckbrief

Richttechnik

Richtmaschinen der bekannte Motorsägenhersteller Stihl setzt modernste Maschinen ein — normalerweise. Doch da gibt es eine Anlage, die läuft und läuft und läuft.

19. August 2009

In den Sechzigerjahren brachte Volkswagen einen Werbeslogan für den VW Käfer heraus: ... und läuft und läuft. Damit war alles gesagt: Auf dieses Auto ist Verlass. Es ist wartungsarm und funktioniert immer, und man kann es lange nutzen. Die Richtmaschinenexperten von Schnutz aus Siegen werben nicht mit solch einem Slogan, könnten es aber. Warum? Nun, der ehemalige bbr-Chefredakteur Erik Schäfer hatte die seltene Gelegenheit, eine Schnutz-Richtmaschine beim Kunden Stihl in Augenschein zu nehmen.

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Für die Zukunft gedacht

Und diese Präzisionsrichtmaschine ist dort die einzige Produktionsanlage, bei der die Waiblinger nicht einmal daran denken müssen, sie irgendwann durch eine neue Anlage zu ersetzen. Nein, sie zeigt eher, dass sich die Ingenieure bei Stihl und Schnutz bereits vor 30 Jahren ein zukunftsfähiges Konzept erdachten, das bis heute einen Vergleich mit modernster Technik nicht zu scheuen braucht — ganz im Gegenteil!

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Als sich die Ingenieure bei Stihl 1978 Gedanken zu ihrer neuen Produktionsanlage für die Führungsschienen ihrer Profi-Motorsägen machten, da standen sie vor damals schier unlösbaren technischen Problemen. Denn technisch hatte sich noch niemand in die angedachten Regionen gewagt.

Vor 30 Jahren eine echte Herausforderung

Das Band mit einer Zugfestigkeit von 850 bis 1.050 N/mm2, einer Streckgrenze von 600 bis 750 N/mm2 (ein Chrom-Molybdän-Stahl), knapp 5 mm Dicke und 50 bis 150 mm Breite war für damalige Verhältnisse schon hochfestes Material. Es durfte auf derLänge von einem Meter nur eine Planheitsabweichung von wenigen zehntel Millimetern aufweisen, was sich damals für viele Maschinenbauer als unüberwindbare Hürde zeigte. Dazu kam auch noch die Vorgabe, dass die Querwölbung der zuvor längsgeteilten Bänder eliminiert werden muss — und zwar auf wenige hundertstel Millimeter!

Damals war auf Seiten von Schnutz-Geschäftsführer Lothar Schröder, der heute noch als Berater fungiert, Feuer und Flamme, sich an dieser Aufgabe zu versuchen. »Die Richtmaschine musste aber noch mehr können als die Bänder plan, eben und exakt reproduzierbar zu richten, sie sollte zugleich als Vorschubrichtmaschine für die nachfolgende Stanzpresse dienen«, erinnert sich Schröder. In der Kombination mit einer 17-Walzen-Präzisionsrichtmaschine, deren Antriebsstrang möglichst spielfrei ausgeführt werden musste, gelang das Kunststück, alle Vorgaben aufs Beste zu erfüllen. 1979 ging das ›Gesamtkunstwerk‹ bei Stihl in Waiblingen in Betrieb, um auch heute noch, dreißig Jahre und etwa 20 Millionen gerichtete Führungsschienen für den professionellen Einsatz später, unverzagt und zuverlässig seinen Dienst zu tun.

Moderne Produktion für Experten

Joachim Ross ist heute bei Stihl der Abteilungsleiter Produktionscenter Schiene. In seiner Abteilung werden nicht nur die genannten einteiligen Führungsschienen, sondern auch die dreiteiligen Schienen aus dem Hobby-Segment der kleineren Motorsägen hergestellt. Insgesamt werden hier 140 verschiedene Führungsschienen unterschiedlichster Größe gefertigt — und zwar komplett, inklusive Lackierung, Beschriftung und Verpackung. »Unsere Ware geht ausschließlich an Fachhändler, die unsere Endkunden kompetent beraten können, damit jeder die für ihn richtige Motorsäge findet«, weiß Joachim Ross.

Doch zurück zur Fertigung in Werk 2 in Waiblingen. Alle Führungsschienen für den professionellen Einsatz durchlaufen die Schnutz-Richtanlage auch heute noch, wenngleich sich im Umfeld dieser Richtmaschine einiges verändert hat. Die Anlage, bestehend aus einer Original-Schnutz-Schwenkdoppelhaspel für Coil-Gewichte von 2 x 1.500 kg, dem Bundöffner und der Einführvorrichtung, der Hydraulikanlage, der Richt- und Vorschubmaschine mit dem Unico-Antriebssystem sowie der angeschlossenen Schmid-Feinschneidpresse ist nun zudem mit einem vollautomatischen Abstapelsystem mit integriertem Kuka-Roboter gekoppelt.

»Die Steuerung der Richtmaschine ist natürlich auch nicht mehr original. Inzwischen ist hier die dritte Generation, eine Twin-Steuerung, am Werk, gebaut nach den heutigen Richtlinien«, sagt Joachim Ross. Bediener Thomas Bauer ist zufrieden: »Die Anlage läuft zwei- bis dreischichtig und bringt zuverlässig ihre guten Ergebnisse.«

Übrigens, die Feinschneidpresse prägt heute lediglich die Kennzeichnung in jeder Führungsschiene und längt sie ab. Die Außenkonturen werden erst in einem späteren Arbeitsgang auf einer vollautomatisierten Doppelkopflaseranlage geschnitten.

Überraschend Wartungsarm

»Die Wartung erfolgt einmal im Jahr. Dann werden zum Beispiel die Richtwalzen überarbeitet«, erzählt Joachim Ross und kann hier auf eine eigene Instandhaltungsmannschaft zurückgreifen.

Als eine Generalüberholung im letzten Jahr anstand, waren die Schnutz-Techniker gefragt. Zur Verblüffung aller waren jedoch nur die üblichen Verschleißteile, wie Lager, Walzen et cetera auszutauschen. Als der Techniker die Getriebekästen für die Antriebsstränge öffnete, wurde er positiv überrascht: Die Schneckenräder waren unversehrt; also legte man die extra angeschafften Ersatzteile wieder in ihre Kisten und beließ die Originalteile in den Getriebekästen.

Dass diese Anlage so in der Welt zweimal gebaut wurde und läuft und läuft, ist eine Hommage an einen präzisen deutschen Maschinenbau, der gerade durch diese Qualitäten Weltruhm erlangte und uns zu Exportweltmeistern gemacht hat.

Die Schnutz-Anlage ist dennoch ein Ausnahmetalent und läuft und läuft und läuft.

Erik Schäfer

Hintergrund

Die Weltmarktführer

1926 von Andreas Stihl in Stuttgart gegründet, ist Stihl heute in rund 160 Ländern vertreten. Bereits seit Anfang der 70er-Jahre ist Stihl die meistverkaufte Motorsägenmarke weltweit. Das Unternehmen ist immer noch zu 100 Prozent in Besitz der Familie Stihl. In Waiblingen ist neben der Hauptverwaltung und der Entwicklung mit über 400 Mitarbeitern unter anderem die Fertigung für Führungsschienen der Motorsägen angesiedelt. Stihl hat im Dezember 2006 die vierzigmillionste Motorsäge verkauft.

Steckbrief

Die Qualitätsbesessenen

Name: Maschinenfabrik Fr. W. Schnutz GmbH & Co. KG

Gründung: 1846

Geschäftsführer: Dr.-Ing. Lutz-Stefan Henrich

Mitarbeiter: 50

Produkte: Richtmaschinen für Bandanlagen, Lochblechrichtmaschinen, Warmbandrichtmaschinen, Streifen- und Teilerichtmaschinen, Durchzugrichtmaschinen, Vorschubrichtmaschinen, Bandzuführanlagen und Zubehör

Erschienen in Ausgabe: 8-9/2009