Bolzenschweißen ermöglicht das blitzschnelle Aufschweißen von metallischen Bolzen und Stiften auf metallische Werkstücke. Soyer entwickelt, fertigt und vertreibt Bolzenschweißgeräte mit Spitzen- oder Hubzündung für Schweißbolzen von 1 mm bis 30 mm. Vom Nierensteinzertrümmerer über Frontplatten für Bediengeräte bis zu großen Stahlbrücken wird diese Technik eingesetzt und sorgt für sicheren - oft nicht sichtbaren - Halt. „Man muß die Wurst schon gegessen haben, wenn die anderen gerade den Mund aufmachen“, Heinz Soyer sen., Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens aus Wörthsee/Etterschlag, nahe München, nimmt die Globalisierung von der sportlichen Seite: „Wenn irgendwo auf der Welt jemand 9,0 Sekunden auf 100 Meter läuft, dann müssen wir halt 8,7 laufen.“ Dem 65-Mann/Frau-Unternehmen geht es rundherum gut, trotz der weltweiten Konkurrenz, trotz erstaunlich detailreicher Nachbauten aus China, trotz der Globalisierung und dem Zwang weltweit präsent zu sein - „2003 war das absolut beste Geschäftsjahr in 35 Unternehmensjahren“, so Heinz Soyer, der die Daten seines Unternehmens jederzeit verfügbar hat. All das klingt unglaublich optimistisch - Boomcountry Etterschlag?

Und es geht doch

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Keine Angst vor der großen weiten Welt zeigt das Familienunternehmen und scheint von der Aufregung um Made in Germany völlig unberührt. Globalisierungsängste? Weit gefehlt! Nachwuchssorgen? Auch hier kann sich der Mittelständler entspannt zurücklehnen, denn der zweite Geschäftsführer ist der Sohn, Heinz Soyer jun., Tochter Ingrid Soyer-Pohlus, die die Soyer Firmenprospekte sowie die gesamte Korrespondenz ins Englische und Französische übersetzt, und Schwiegersohn Oliver Pohlus, Export-Manager, sind bereits fest im Unternehmen verankert. Zukunft ist nichts, wovor man sich hier fürchtet, im Gegenteil, die baulichen Maßnahmen, die Unternehmenskonzepte, alles deutet in Richtung Zukunft. „Sehen Sie, wir haben hier fast eine mannlose Fertigung“, erläutert Heinz Soyer sen. die Fertigungssituation seines Unternehmens: „Wir haben alles schonungslos analysiert und tun dies immer wieder, denn nur so sind wir in der Lage, hohe Qualität und innovative Technik zu Weltmarktpreisen produzieren zu können.“ Der unbedingte Erfolgswille aller Mitarbeiter - Tugenden, wie Fleiß und Loyalität sind hier keine Schimpfwörter - sowie die hauseigene Entwicklung sind eine weitere Facette des Unternehmenserfolges. Der Chef kennt hier jeden mit Namen. Er ist Vorbild. Sein Leben spielt nicht auf dem Tennisplatz, der Luxusyacht am Starnberger See oder im Vorstand des Golfclubs; Heinz Soyer sen. lebt in und für sein Unternehmen. „Ich wohne noch immer in meinem Reihenhäuschen aus den 70er Jahren“, verrät er, und auch, daß sein Steuerberater ihn ermahnt hat, endlich seinen 11 Jahre alten Wagen aufzugeben und sich einen neuen Wagen zu leisten. „Wir können uns glücklich schätzen, Steuern bezahlen zu dürfen“, so der Mann, der es zusammen mit seiner Frau auch am Engagement für seine Heimatgemeinde nicht fehlen läßt. So wurde ein dringend benötigter Entwässerungsgraben, der die Ansiedlung vor Hochwasser schützen soll, maßgeblich von Soyer mitfinanziert. Die Bepflanzung des Rondells des Kreisverkehrs vor dem Unternehmen besorgte nicht die Gemeinde, sondern trägt die Handschrift von Frau Soyer. „Meine Frau sorgt für das gute Klima im Unternehmen“, so Heinz Soyer sen., und meint damit nicht nur die prächtige Gartenanlage auf dem Unternehmensgrundstück - wo Bänke und Tische unter schattigem Grün zur Brotzeit einladen -, die Sozialräume im Inneren der Gebäude zeigen den hohen Stellenwert, den jeder Mitarbeiter bei Soyer genießt. Und noch etwas zur Zukunft: „Ich habe den Unternehmensgewinn zum Großteil in das Unternehmen reinvestiert. Die älteste Maschine in unserer Bolzenfertigung ist die Sacma-Presse von 2002“, so der Seniorchef. Die eigene Entwicklung, modernste Arbeitsplätze und Produktionsmaschinen sowie allein in Deutschland 15.000 Kunden - vom Ein-Mann-Betrieb bis zum Großkonzern -, so lauten weitere Erfolgsindikatoren. Dazu kommt die vor nicht einmal vier Jahren getroffene Entscheidung, neben den hochwertigen Bolzenschweißgeräten ebenso hochqualitative Bolzen selbst herzustellen. „Hier haben wir bei Null angefangen“, erzählt der Konstrukteur, der nicht nur die Bolzenschweißgeräte konstruiert, sondern auch als Neuling die gesamten Werkzeugsätze der Bolzenfertigungspressen. Und noch etwas kommt zu all der Arbeit der 65 Mitarbeiter hinzu; das weltweite Engagement von Soyer. Allein in diesem Jahr stellt Soyer auf 41 Messen aus - international, von den USA über Europa bis Sydney in Australien. In Ungarn auf der „Industria“ - Budapest, vom 18. bis 21. Mai - zeigte sich auch der bayerische Ministerpräsident Stoiber überraschend am Soyer-Messestand. Der prüfte auch gleich, was von den geschweißten Bolzen zu halten ist. Die Technik, einen Gewindebolzen auf einem Blech zu befestigen, ohne daß der Schweißpunkt auf der Blechrückseite zu sehen ist, ist eben auch für Politiker faszinierend. Ob Mercedesstern oder Porschepferd, ob Bang&Olufson-Fernbedienung oder Telekom-Fernsprecher, ob Waschmaschinentrommel oder Folientastaturen für Bediendisplays, hinter all den edlen Frontseiten verbergen sich die Gewindebolzen von Soyer, die ohne aufzufallen allem einen festen Halt geben.

Innovationen sind bei Soyer in Mengen zu finden. Jüngstes, äußerst erfolgreiches und preisgekröntes, Beispiel - Bayerischer Staatspreis 2004 - ist die Schutzgasschweißpistole zum Lösen hochfester Nietverbindungen. Wolfgang Helbig, der Leiter Einkauf/QMB/UMB bei Soyer stellt das handliche System vor:„Niet- und Klebetechnik sind beim Aluminium-Vorbau des BMW E60 (5er) für die Verbindung der Blechformteile verantwortlich. Bei Unfällen gilt es die Niete kostengünstig zu entfernen, um neue Formbleche einbauen zu können. Ausbohren der Niete war da zu teuer. So haben wir zusammen mit BMW die & pos;BSP 03& pos; entwickelt, eine kleine, handliche Bolzenschweißpistole, mit deren Hilfe 40 mm lange Bolzen auf die Spreizniete aufgeschweißt werden können. Mit einer speziellen Nietzange können dann die hochfesten Niete aus dem Blech gezogen werden.“ Vertrieben wird dieses System von Wieländer+Schill und geht weltweit an alle BMW-Reparaturwerkstätten. Mit dieser einzigartigen Bolzenschweißpistole und dem Schweißgerät hat es Soyer, als einziger Bolzenschweißgerätehersteller der Welt, geschafft, in den USA in der äußerst strengen UL-Liste gelistet zu sein. Innovativ zeigen sich die Bolzenschweißspezialisten aus Etterschlag auch hinsichtlich der zahlreichen weiteren Schweißprodukte aus ihrem Hause. So etwa die CNC-Schweißtische, die je nach Ausführung bis zu (Y) 2.550 x (X) 1.400 mm große Platten aufnehmen können. „Selbst die Software für diese CNC-Schweißmaschinen wird hier bei uns entwickelt“, erklärt Wolfgang Helbig.

Anerkannte Qualität

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„Wir haben im letzten Jahr über 100 Schweißmaschinen allein nach China geliefert“, erzählt Heinz Soyer. Sein Schwiegersohn Oliver Pohlus kann speziell zum Chinesischen Markt einiges erzählen: „Daß einige Chinesen unsere Maschinen kopieren und sogar mit der Original-Soyer-Aufschrift versehen, ist einerseits ärgerlich, doch andererseits zeigt es auch, daß die Chinesen von der Qualität unserer Geräte überzeugt sind, denn die kopieren nur das Beste. Dennoch ist es uns schon auf Messen in China passiert, daß wir auf Fehlfunktionen angeblicher Soyer-Geräte oder die schlechte Qualität angeblicher Soyer-Bolzen angesprochen wurden. Die brachten sogar Plastiktüten mit unserem Namenszug mit, und nur durch die Materialanalyse gelang es uns, die Plagiate zu enttarnen.“ Daß es einen erheblichen Unterschied macht, ob man mit dem Original schweißt oder dem optisch perfekten, mechanisch aber mangelhaften Plagiat, zeigt ihm zufolge nicht nur die mangelhafte Schweißqualität: „Nicht nur schieschiefe und schlecht verschweißte Bolzen, sondern zudem höhere Preise für die Schweißgerät-Plagiate nahmen die Käufer in China in Kauf. „Dem kommen Sie nur auf die Spur, wenn Sie im jeweiligen Land präsent sind. So konnten wir schon so manchen davon überzeugen, die günstigeren und vor allem technisch einwandfreien Originalschweißgeräte made in Germany zu kaufen.“ Die weltweite Präsenz, die engen Kundenkontakte und die kompetente Beratung, wenn& pos;s kniffelig wird, schätzen eben nicht nur deutsche Kunden, sondern zunehmend auch Australier oder US-Amerikaner oder Chinesen oder...