Qualität mit Wasser und Licht

Zwei Technologien ergänzen sich

Wer sagt eigentlich, daß Wasser- und Laserstrahl sich nicht vertragen? Viele Lohnfertiger sind längst der Ansicht, ihren Kunden beide Verfahren anbieten zu müssen, und kommen damit gut an. Wer zudem gute Erfahrungen mit einer Wasserstrahl-Schneidanlage eines Schweizer Herstellers gemacht hat, braucht nicht einmal nach einem neuen Lieferanten Ausschau zu halten, wenn er sich eine Laserstrahlanlage anschaffen möchte. So geschehen in Küssnacht am Rigi in der Schweiz, denn dort bestellte ein flexibler Lohnfertiger beide Technologien aus einer Hand und bietet seinen Kunden kurze Durchlaufzeiten, hohe Flexibilität sowie innovative Lösungen bei komplexen Aufgabenstellungen.

16. Dezember 2002

Wasserstrahlschneiden ist ein äußerst vielseitig einsetzbares Kalttrennverfahren und es ergänzt das Laserstrahlschneiden in idealer Weise. Mit Hilfe des Abrasivschneidens etwa können fast alle Materialien geschnitten werden. Ob Metalle, wie Aluminium, CrNi-Stähle, Buntmetalle, Titan, hochlegierte Stähle, oder Thermo- und Duroplaste, ob Verbundmaterialien, Waben- und Hohlkammer-Materialien, Glas, Keramik oder Naturstein sowie Sondermaterialien, der Wasserstrahl trennt zuverlässig und genau. Je nach Werkstoffhärte trennt der Wasserstrahl von dünnen Folien bis 100 mm Materialstärke, anforderungsbezogen mit einem Qualitäts- oder Schruppschnitt.

Mit Know-how zur Präzision

„Die Schnittqualität ist eine Frage der Parameter“, so Christian Nigg, Geschäftsleiter Administration und Walter Ritzmann, Geschäftsleiter Technik der Acquacut AG in Küssnacht am Rigi. „Die Oberflächenrauheit kann je nach Anforderung mit dem Vorschub reguliert werden. Schnittqualitäten von N8 bis N12 sind üblich. Die Schnittwinkelfehler liegen je nach Härte und Dicke des Materials bei 0 bis 2°. Durch Geschwindigkeitsreduktion wird dieser noch verringert. Mit feinem Strahl circa 0,7 mm im Durchmesser - lassen sich einfache bis komplexe Teile - auch mit Schutzfolien - in hervorragendem Finish schneiden“, so Walter Ritzmann. Ergänzend fügt Christian Nigg an, daß gegenüber dem Laserschneiden keine Hitzeeinwirkung besteht, ergo weder Gefügeveränderungen, Randzonenaufhärtungen noch Mikrorisse entstehen können und außer durch Material-Eigenspannungen, die teilweise beim Schneiden frei werden, kein zusätzlicher Verzug auftreten kann. „Diese Verfahren sind nicht als Konkurrenz, sondern als gegenseitige Ergänzung zu sehen.“

Fertigungungstechnik aus einer Hand

Warum die beiden Geschäftsführer und Inhaber des 22-Mitarbeiter-Unternehmens mit etwa 5,5 Mio SFR Jahresumsatz - die quasi als Anwenderpioniere 1990 mit dem Wasserstrahlschneiden begannen und 1998 noch eine Laseranlage dazukauften - sich für die Bystronic AG aus Niederönz (CH) entschieden, erklärt Christian Nigg wie folgt: „Wir wählten 1990 die Firma Bystronic aus, weil sie eine der ersten Unternehmen war, die eine technisch überzeugende Seriemaschine mit dieser neuen Technologie auf den Markt brachte.“

So folgte nach der ersten „Byjet 3015“ mit einem Auflagetisch von 3.000 x 1.500 mm 1994 die „Byjet 4022“ mit einem Aktionsradius von 4.000 x 2.200 mm, einer Brücke die parallel zur X-Achse verläuft, zwei Schneidköpfen und der stärkeren Pumpe „BJD 4000“. Im Jahre 2000 folgte dann die dritte Byjet, eine 3015 mit zwei Schneidköpfen und der neuen Hochdruckpumpe „BJD 50“.

Große Teilevielfalt in Metall

Als im letzten Jahr die erste Wasserstrahlschneidanlage ersetzt wurde, fiel die Wahl auf eine „Byjet 4022“ mit zwei Schneidköpfen, diesmal jedoch mit einer quer zur X-Achse laufenden Brücke. „Wir können dadurch, daß wir über eine Byjet 4022 mit Längs- und eine mit Querbrücke verfügen, sowohl breite als auch lange Teile auf einer der beiden Anlagen rationell Zwei-Kopf-Schneiden. So nutzen wir den unterschiedlichen Aufbau der Anlagen für mehr Effizienz“, erläutert Walter Ritzmann.

„Wir nutzen unsere drei Abrasiv-Wasserstrahlschneidanlagen zu etwa 60 Prozent zum Schneiden von Metallen, wobei Aluminium und CrNi-Stähle den Hauptteil ausmachen“, so Christian Nigg. „In der Arbeitsvorbereitung sind sechs Mitarbeiter beschäftigt. Zwei davon sind ausschließlich mit der Programmierung unserer drei Wasserstrahlschneidanlagen und der Laserstrahlschneidanlage beschäftigt, die im Zweischichtbetrieb laufen. Im Wasserstrahlschneiden werden Losgrößen von 1 bis etwa 2000 erreicht, die durchschnittliche Losgröße beträgt jedoch 50 bis 100 Teile. Wir haben Kunden im Maschinenbau, dem Flugzeugbau, der Medizintechnik, der Werbewirtschaft - Firmenlogos, Schilder - und dem Bau“, so Walter Ritzmann und Christian Nigg. „Im letzten Jahr hatten wir ein Rekordjahr mit einem Umsatz von 6 Mio. SFR, doch nach dem 11. September 2001 brach der Markt speziell im Flugzeugbau und der Halbleiterbranche stark ein, so daß wir diese Zahl wohl 2002 nicht erreichen. Unsere starke Diversifizierung, sprich, unsere Kundenbindung in so vielen unterschiedlichen Industrie-Bereichen erwies sich da als sehr positiv“, ergänzt Christian Nigg. Flexibilität zahlt sich eben aus, genauso wie die enge Kundenbindung und der Service, die im Hause Acquacut groß geschrieben werden. „Wir können uns sicher nicht markant durch die eingesetzten Technologien von unseren Mitbewerbern unterscheiden, daher sind der Service, die persönlichen Kontakte und unser Know-how so eminent wichtig“, begründet Walter Ritzmann.

Zuverlässigkeit, ein Garant für Qualität

Daß die Bystronic AG den beiden Geschäftsführern des Wasserstrahl- und Laser-Centers tatkräftig unter die Arme greift, wenn es einmal wirklich brennt, können beide unterschreiben, doch viel wichtiger zu erwähnen ist der Umstand, daß die Anlagen sehr zuverlässig laufen. „Die meisten anfallenden Reparaturen können wir inzwischen selbst erledigen, denn das spart wertvolle Zeit. Wenn wir Ersatzteile benötigen, dann fahren wir einfach mal rüber zu Bystronic, um die Teile persönlich abzuholen“, erklärt Walter Ritzmann. Größere Wartungen, wie den Einbau neuer Führungen etcetera, werden jedoch nach wie vor zuverlässig von den Bystronic-Technikern erledigt. Diese enge Hersteller-Kunden-Beziehung hat bisher schon viele Früchte getragen.

Der feine Unterschied hilft sparen

Christian Nigg weist bei der Betriebsführung noch auf ein paar kleine, aber wichtige Details der Bystronic-Abrassiv-Wasserstrahlschneidanlagen hin: „Nicht nur das großflächige Wasserbad, das den Lärmpegel senkt, ist uns positiv aufgefallen, es war insbesondere die Auflage, die nicht wie üblich aus einem Stahlgitterrost besteht, sondern aus variabel einsetzbaren Stahlträgern mit Kunststoffprofil-Aufsatz. Das hat große Vorteile, denn wenn der Wasserstrahl durch das geschnittene Material auf den Stahlrost trifft, verletzt der abgelenkte Strahl oft die Rückseite des geschnittenen Teiles. Man muß also einen „Opferwerkstoff“ zwischen Werkstück und Gitterrost legen, und das verursacht weitere Kosten. Wir benützen die Gitterroste nur noch für sehr kleine Teile, ansonsten fahren wir mit der Bystronic-Lösung viel besser. Ein weiterer Punkt ist die intelligente Lösung für die Zuführung des Granatsandes, den wir als Abrasivmittel benutzen. Der Sand wird aus dem Vorratsbehälter neben der Maschine über Vakuum in kleine Vorratsbehälter über den Schneidköpfen transportiert. Durch diese Maßnahme wurden die Köpfe viel leichter und es müssen nicht mehr große Massen bewegt werden, was der Genauigkeit und Schnelligkeit zugute kommt“, erläutert Christian Nigg. Und Walter Ritzmann zeigt sich beeindruckt von der neuen Pumpe „BJD50“. „Mit diesem Aggregat können wir auf beiden Köpfen auch die großen Düsen für eine Steigerung der Schneidleistung einsetzen“, fügt Walter Ritzmann hinzu.

Volles Programm

„Doch auch wenn Bystronic eine umfangreiche Bedien-Software - die CAD/CAM-Software „Bysoft 6“ - mit Datenbank und zahlreichen Schneidparametern aufwartet, greifen wir doch meistens auf unsere eigenen gesammelten Daten zurück. Denn die Erfahrung hat uns gezeigt, daß die voreingestellten Parameter zwar ein sicheres, schnelles und störungsfreies Schneiden erlauben, wir aber aus Erfahrung oft andere Wege gehen, die uns bei den vielen sehr speziellen Anwendungen einfach noch effizienter zum Ziel führen“, erklärt der Geschäftsführer Technik. „Unsere PCs sind mit den Maschinen-PCs vernetzt, so daß ich vom Büro aus Zugriff auf die Bedienoberfläche erhalten kann. Auch nach Umstellung der Bystronic-Programmier-Software konnten die alten Teileprogramme größtenteils importiert werden und es waren nur geringe Modifizierungen von Nöten“, so Walter Ritzmann weiter.

„Wir sind mit Bystronic sehr zufrieden, denn wenn es mal wirklich gebrannt hat, wurde uns immer kompetente Hilfe zuteil. Zudem wissen wir, daß das Thema Wasserschneiden bei Bystronic eine Aufwertung erhalten hat, denn schon etabliert sich dort eine eigene Abteilung, die sich nur dem Wasserstrahlschneiden widmet. Daß wird uns sicher zugute kommen und die Hotline schneller machen“, so die beiden Geschäftsführer der Acquacut abschließend.

Erschienen in Ausgabe: 09/2002