Qualität beginnt am Coil

Dritte GSW-Bandanlage für schwäbische High-Tech-Stanzerei

Der Neubau stand vor Termin, die Presse auch. Jetzt galt es für den Lieferanten der Bandanlage Gas zu geben.

24. August 2004

Wenn die Hallenkapazität nicht zum Großauftrag eines Premiumkunden paßt, gibt& pos;s zwei Möglichkeiten: Finger Weg oder Kapazitätserweiterung. Die Dancke Stanztechnik in Böhmenkirch bei Heidenheim entschloß sich zu 3.500 Quadratmeter Hallenwachstum, um den Automobilkunden fristgerecht mit den komplizierten Blechformteilen für ein „Airbag-Gehäuse“ beliefern zu können. Die Halle stand vor Termin, die neue 630-Tonnen- Presse ebenfalls vor Termin, und nun hieß es für den Zulieferer der Bandanlage Gas zu geben. Die dritte Bandanlage für Dancke von GSW-Schwabe, Witten, lieferten die Westfalen postwendend. Daß die Anlage von den Westfalen bestellt wurde, hat seinen Grund. Dancke weiß als langjähriger Kunde, daß er sich auch dann auf GSW verlassen kann, wenn der Termindruck groß wird. Erwartungsgemäß konnte die Bandanlage sofort integriert werden und lief von Anfang an perfekt. Der pünktlichen Auslieferung der komplizierten Blechteile an den Automobilzulieferer stand nun nichts mehr im Wege.

Es geht voran!

Soweit die Kurzform einer Unternehmensgeschichte aus dem Schwäbischen. Geschäftsführer Walter Moldaschel und Harry Eberhardt, Betriebsleiter und Prokurist der Dancke Stanztechnik in Böhmenkirch, können sich ein Lächeln nicht verkneifen, wenn sie von ihrem Husarenstück berichten. „Nachdem wir den Entschluß gefaßt hatten, die Hallenfläche zu vergrößern, ging alles rasend schnell. Innerhalb weniger Monate stand die neue Halle mit dem Produktionsbereich, Lager, Konstruktions- und Vertriebsbüros und Besprechungszimmern. Wir haben buchstäblich Tag und Nacht gearbeitet, um den Produktionstermin nicht zu gefährden“, so Harry Eberhardt.

Ein Werkzeug und fertig

Das Werkzeuglager ist bereits eingerichtet, und die rund 300 Werkzeuge in der Stanzerei sowie etwa 300 Werkzeuge für Ersatzteilbelieferungen werden

nun logistisch wesentlich einfacher zu handhaben sein. Hochkomplexe Werkzeuge zu bauen ist eine Kernkompetenz des Hauses. Dancke konzipiert - oftmals zusammen mit den großen Kunden -, konstruiert und fertigt die Spezialwerkzeuge für die eigene Produktion selbst und tritt zugleich als Lohnfertiger auf.

Genannte Airbagbox beispielsweise, verläßt das zehnstufige Werkzeug fertig fallend, gestanzt, gebogen und getoxt. Die Ecken und zwei Haltewinkel werden in einem nachfolgenden Schritt außerhalb des Werkzeuges noch widerstandsgeschweißt (an einer selbstkonzipierten Roboter-Schweißanlage). Inzwischen wurden mit dem Spezialwerkzeug 1,4 Mio. Teile produziert, wobei das Werkzeug mit etwa 20 Hüben pro Minute getaktet ist. „Unsere Folgeverbundwerkzeuge mit bis zu 35 Stufen sind unser Kapital, ebenso wie die gut ausgebildeten Mitarbeiter“, so der Betriebsleiter.

In bester Gesellschaft

Das Unternehmen setzt auf die leistungsbezogene Vergütung und ein differenziertes Prämiensystem - und Dancke bildet selbst aus. Bei einer Mitarbeiterzahl von derzeit 120 in der Stanzerei sind das derzeit 13 gewerbliche und 3 kaufmännische Lehrlinge, im Werkzeugbau bei einer Mitarbeiterzahl von 54 werden 5 gewerbliche Lehrlinge ausgebildet. An den Stanzmaschinen stehen zu etwa 85 % Facharbeiter, die zugleich die Qualitätskontrolle an den Werkstücken vornehmen.

Von Anfang an Qualität

„Null Prozent Fehlerquote ist bei unserem Kundenstamm ein Muß“, erläutert Harry Eberhardt. Oft jahrzehntelange Kundenbindung mit namhaften Kunden der Automobilindustrie, Haushaltswaren- industrie, Elektroindustrie und Bauindustrie zeigen, daß man sich auf die Qualität aus Böhmenkirch verlassen kann. Kein Wunder also, daß sich Dancke in seinem Hause auf bewährtes Produktionsequipment stützt, um den Ansprüchen seiner Kunden gerecht zu werden. 68 Prozent Automotive und 32 Prozent sonstige, so weist es die Umsatzverteilung nach Geschäftsfeldern aus. „Auf Grund unserer hochwertigen Produkte gelang uns erfreulicherweise im letzten Jahr eine Umsatzsteigerung. Auch für das Jahr 2004 peilen wir eine Erhöhung an“, erläutert der Gesellschafter und Geschäftsführer Walter Moldaschel. In der Tat kristallisiert sich bereits Mitte Juni heraus, daß das gesteckte Umsatzziel sogar übertroffen wird.

Ein gutes Blechteil beginnt beim Coil. Die Materialqualität, die reibungslose Abwicklung, das einwandfreie Richtergebnis des Stahl-, Alu- oder beschichteten Spezialmaterials sorgen dafür, daß die komplexen Dancke- Werkzeuge permanent und ohne Verzögerung mit Nachschub versorgt werden. Hier hat GSW-Schwabe nun bereits mit der dritten Bandanlage die Finger im Spiel. Die erste GSW-Bandanlage wurde vor etwa zehn Jahren angeschafft, für Bandbreiten bis 500 mm. Die zweite folgte 2001, und nur drei Jahre später haben die Westfalen jetzt die zur Zeit größte Bandanlage ihres Kunden für Bandbreiten von 100 bis 1.000 mm und Banddicken von 0,5 bis 6 mm bei Dancke installiert und in Betrieb genommen. Daß die dritte Anlage von Beginn an reibungslos funktionierte, freut den Betriebsleiter sehr. „Die hervorragende Betreuung durch GSW, auch dann wenns mal eng wird, hat uns von deren Kompetenz und Leistungswillen überzeugt. Die neue GSW-Bandanlage, hat dies eindrucksvoll bestätigt“, erklärt Harry Eberhardt. GSW-Vertriebsleiter Stephan Seidel weiß, was sein Unternehmen hier geleistet hat. Der vorverlegte Termin war da sicher eine Herausforderung. „Die Inbetriebnahme klappte auf Anhieb perfekt und die Anlage läuft reibungslos“, freut sich nicht nur Stephan Seidel, denn für seinen Kunden stand aufgrund der engen Terminierung einiges auf dem Spiel. Die neu installierte GSW-Bandanlage besteht aus einem durchgängigen Maschinengestell, auf dem die querverfahrbare Abwickelhaspel „SH 8000“ (Tragfähigkeit 8.000 kg, Coil-Außendurchmesser bis 1.700 mm, Vor- und Rücklauf) mit Ladestuhl, die Richtmaschine „RMA 100/78“ (mit sieben Richt- und zwei Auszugswalzen, hydraulischem Richtkopf, in Aligatorstellung zu öffnen) sowie die Schlaufenbrücke zwischen Richtmaschine und Pressenzuführung montiert sind. 0,5 bis 6 mm Materialdicke und 1.000 mm Breite, bei Materialfestigkeiten bis 650 N/mm2 lauten die Eckdaten der GSW-Bandanlage.

Platz für Nummer vier

„Die Zeichen stehen bei uns sicher auf eine gesunde Expansion“, meint der Betriebsleiter. Eine Pressengrube neben den beiden neuen Kaiser-Pressen von 400 und 630 Tonnen Preßkraft deutet bereits darauf hin, daß die Planungen bei Dancke bereits weitergehen. Mit gesunder Expansion (bei Dancke etwa 2 Mio. Umsatzzuwachs pro Jahr!) meint Harry Eberhardt allerdings nicht die exzessive Ausweitung des Kundenstamms: „Wir legen größten Wert darauf, unsere großen Kunden individuell und konstant zu betreuen. Dazu besuchen unsere Projektmanager genannte Unternehmen in regelmäßigen Abständen, um mit ihnen über neue Vorhaben zu sprechen oder Modifikationswünsche et cetera abzuklären.“ Neben den oft komplizierten Blechteilen wird sich das Unternehmen noch ein weiteres Standbein schaffen, die Herstellung von kompletten Komponenten. Ein Trend, der zunehmend zu beobachten ist. „Wenn Sie allein die Entwicklung der Materialpreise in diesem Jahr sehen, zeigt sich schnell, wie dünn die Luft für die Produzenten wird. Diesem Trend können wir nur durch die Entwicklung, Produktion und Montage ganzer Baugruppen entgegenwirken“, erläutert Harry Eberhardt. Die Produktion läuft derweil auf vollen Touren. Je nach Bauteil verlassen pro Serie bis zu 250.000 Blechteile die Stanzerei im Monat. Da laufen die Pressen und Bandanlagen permanent, und sie müssen uns ihre Zuverlässigkeit gleich unter Beweis stellen. „Die dritte Pressengrube in der neuen Halle gefällt mir besonders gut“, meint GSW-Vertriebsleiter Stephan Seidel im Hinblick auf eine weitere Expansion im Hause Dancke.“ Eine berechtigte Hoffnung, denn mit der dritten Bandanlage dürfte GSW seinen schwäbischen Kunden in seiner Meinung bestärkt haben, mit GSW den richtigen Partner für die benötigten Bandanlagen an Bord zu haben.

Erschienen in Ausgabe: 08/2004