Punktlandung beim Rohrbiegen

In der Luftfahrt ist das Thema Sicherheit so maßgeblich wie kaum in einer anderen Branche. Entsprechend hoch sind die Anforderungen der Flugzeugindustrie auch im Bereich der Rohrbearbeitung.

16. Februar 2019
Punktlandung beim Rohrbiegen
Sämtliche Abläufe sind auf der T-Bend-Dornbiegemaschine einfach programmierbar. (Bild: Transfluid)

In der Luftfahrtindustrie sind schnelle Fertigungsprozesse oftmals für komplexe Bauteile mit kleinen Losgrößen gefragt. Und auch hoch- und höchstfeste Materialien sind ein wichtiges Thema für leichte und stärker belastbare Rohre.

»Was die Entwicklung von Rohrbearbeitungstechnologien für die Luftfahrt besonders spannend macht, sind die immer wieder neuen technischen Meilensteine, die eine anspruchsvolle Lösung erfordern«, erklärt Transfluid-Geschäftsführerin Stefanie Flaeper. So wie beim aktuellen Projekt des Unternehmens für einen führenden Flugzeughersteller. Denn die neue, speziell ausgelegte T-Bend-Dornbiegemaschine von Transfluid ist in der Lage, Titan-, Aluminium- und Edelstahlrohre bis 60 Millimeter Durchmesser zu biegen – mit einer Wandstärke von 0,5 bis 1,5 Millimetern. Und die Anlage ermöglicht Radien von 1xD.

Was sie darüber hinaus besonders macht, ist die Option zur Kontrolle der Wandstärkenschwächung. Gerade hier spielt das Thema Sicherheit für den späteren Einsatz der bearbeiteten Rohre im Flugzeug eine entscheidende Rolle. Die Wandstärke soll auch nach dem Biegen zuverlässig die Vorgaben erfüllen und ein optimaler Durchfluss sowie die Stabilität des Werkstücks sollen bewahrt bleiben. Deshalb haben die Transfluid-Ingenieure die Biegeanlage so entwickelt, dass sie gesteuert nachdrücken kann. Dieses kontrollierte Nachdrücken erfolgt im letzten Bogen über ein gesteuertes Innenrohr.

Benutzerdefinierte Prozessdaten

»Alle elektrischen Achsen sind mit servoelektrischen Motoren ausgestattet, deren Antriebe sauber zueinander synchronisiert werden können«, erläutert Stefanie Flaeper die technischen Feinheiten. »Ein entscheidender Vorteil hierbei ist die lückenlose Synchronisierung aller Bewegungsachsen in verschiedene Abfolgen, die unsere neue Sequenzsteuerung möglich macht.« Diese unterteilt jede Bewegung in alle Achsen und bewegt unterschiedliche Bereiche mit den passenden Momenten. So kann beispielsweise ein Bogen einfach unterteilt und mit der benötigen Kraft nachgeschoben bzw. gebremst werden.

Sämtliche Abläufe sind auf der neuen Dornbiegemaschine leicht programmierbar. Der Bediener kann sie dem Produkt zuordnen und bei Bedarf abrufen. Zusätzlich zum Verlauf berücksichtigt die Sequenzierung auch die Materialien, Radien und Bearbeitungsabläufe des Produktes, das bearbeitet werden soll.

Die komplette Steuerung hat einen Netzwerkzugang. So können die gewünschten Geometrien online aus dem CAD eingelesen und die Daten zum Kollisionstest hinterlegt werden. Je nach Chargen- und Batchgröße ist auch die Messmaschine dem System zugeschaltet. Die Sequenzsteuerung sorgt auch für die benutzerdefinierte Speicherung der produktionsrelevanten Daten. Diese können dann wieder mit dem entsprechenden Passwort und der passenden Berechtigung aufgerufen und bearbeitet werden.

Darüber hinaus sind die Maschinensoftware und alle Bauteile der Steuerung – einschließlich der Bedienpanel (MMI) – Industrie-4.0-fähig. Mit diesen Eigenschaften macht die Dornbiegemaschine nahezu mitarbeiterunabhängige Rüstvorgänge möglich. »Eine Punktlandung für die verbesserte Rohrbearbeitung in der Luftfahrtindustrie«, fasst Stefanie Flaeper zusammen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2019
Seite: 59