Programmiert zum Erfolg

Kooperativ für individuelle Kundenlösungen

Wie sehr hat sich doch der Markt in den letzten Jahren verändert. Das Glück ist nicht nur mit den Tüchtigen, sondern auch mit denen, die den Zeitgeist begriffen und den Kunden zugehört haben. Ein mittelständisches Unternehmen aus dem Badischen hat alle Lektionen befolgt. Da wo andere eine Krise witterten, witterte der Geschäftsführer eher eine Chance. So vergrößerte er sein Unternehmen und machte es fit für die Zukunft, mit einem Dienstleistungsbereich, der seinen Namen verdient.

06. Januar 2003

Erfolg wird einem nicht zugetragen, man muß ihn sich erarbeiten. Albert Reiss, Geschäftsführer der Arku Maschinenbau, Baden-Baden, weiß wovon er spricht, wenn er über so manche Hürde auf dem Weg zum Erfolg berichtet. Doch letztendlich waren die getroffenen Entscheidungen richtig und das Projektmanagement stimmig. So kann Arku auf gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter zählen. „Von den derzeit 86 Mitarbeitern haben etwa 30 einen Fachhochschul- oder Hochschulabschluß“, so Albert Reiss - und dieses Beispiel zeigt, daß Arku auf Qualifikation setzt, um den Kunden und Kooperationspartnern eine maximale Planungssicherheit zu garantieren. „In unserem Arbeitskreis & pos;Produktplanung& pos; sind Mitarbeiter aus Konstruktion, Vertrieb und Einkauf vertreten. Sie nehmen die Impulse aus dem Markt auf und setzten sie in Produkte um“, erklärt Albert Reiss. Was bei ihm so einfach klingt, ist jedoch mit jeder Menge Arbeit verbunden - und derzeit arbeitet das ganze Unternehmen an einer weiteren großen Aufgabe, dem Erreichen der VDA-6.4-Zertifizierung noch in diesem Jahr.

Ein Familienunternehmen gibt Gas

Wenn Albert Reiss die Geschichte seines Unternehmens beschreibt, ist es auch die Familiengeschichte von echten Unternehmern. „Der Firmenname Arku entstand aus dem Vornamen meines Großvaters, Albert, und der ersten Buchstaben des Nachbarortes Kuppenheim. Mein Großvater, ein Blechner und Installationsmeister, wurde 1928 von seinem Vater von der Wanderschaft im Schwarzwald zurückgerufen, weil im Ort eine Wasserleitung gebaut werden sollte“, erzählt der Geschäftsleiter. So ergriff der Großvater die Chance, sich selbstständig zu machen. „Später erweiterte mein Vater die Blechverarbeitung, unter anderem um Lüftungsgitter für Kachelöfen, Ofenrohre, Warmlufterhitzer et cetera.“

In den 60er-Jahren führte der Vater von Albert Reiss das Unternehmen vom Blechverarbeiter zum Maschinenbau. Er begann, Richtmaschinen zum Teilerichten in Kleinserien zu bauen. Zu Beginn gab es zwei- drei verschiedene Typen, mit Lieferzeiten bis zu zwei Jahren. Diese Teilerichtmaschinen richteten Stanzteile nach dem Stanzprozeß. „Der größte Kunde in den 60er- 70er-Jahren war übrigens der Schreibmaschinenhersteller Olympia, in Wilhelmshafen, wo die Hebel für die Buchstaben mit etwa 30 Arku-Richtmaschinen gerichtet wurden.“

Dann in den 70er-Jahren begann die Verarbeitung vom Coil in den blechverarbeitenden Betrieben, und dieser Trend hält bis heute an. „Das Coil ist ja ein ideales Medium zum Blechtransport. Man kann auf der gleichen Fläche, wo man sonst Bleche stapeln würde, bis zum 15-fachen an Gewicht unterbringen. Nachdem wir vorher Standardmaschinen gebaut hatten unternahmen wir große Anstrengungen, und dem Trend folgend bauten wir individuelle, kundenspezifische Lösungen.“ So arbeitete Arku schon damals mit Feintool, Lyss, zusammen. Anfang der 80er kam dann die sehr fruchtbare Zusammenarbeit mit Hydrap, und Arku entwickelte mit dem Pressenbauer die ersten Vorschubrichtmaschinen in Kurzbauform, die ohne Schlaufengrube auskam - was sich insbesondere bei dicken Blechen als extrem platzsparend erwies. „Heute gelten wir noch als der Protagonist der Vorschubrichtmaschinen in Kurzbauform.“ Ende der erfolgreichen 80er-Jahre baute das Unternehmen immer größere Anlagen, wie etwa eine 20-Tonnen-Haspel.

Die erste Bandanlage in Kurzbauform

In den 90er-Jahren ging der Trend zu Großanlagen weiter und Arku baute die ersten Komplettanlagen. Spezialitäten, wie eine Doppelblechanlage zur Herstellung von Schalldämpfern, an der gleichzeitig zwei Coils abgewickelt, die Bleche gestanzt, geprägt und zusammengeführt werden. „Unsere neue aufklappbare Richtmaschine & pos;CompactFeed& pos;, die eine einfache Reinigung und Wartung der Walzen erlaubt, wurde entwickelt und inzwischen mehr als 150-mal verkauft. Der automatische Coil-Wechsel und viele andere Neuheiten folgten“, so Albert Reiss zur Geschichte seines Unternehmens.

Heute einer der führenden Unternehmen

„Wir sehen uns heute als einer der Marktführer für Richt- und -Vorschubanlagen in Europa“, so der Geschäftsführer selbstbewußt, und er beschreibt eine Tendenz, die Arku bereits früh erkannt hat: der Weg zum Laser. So fanden die Themen Laserschweißen und Laserschneiden schon vor gut zwei Jahren ihre Aufarbeitung in Workshops. „Wir haben seit über zwei Jahren in Workshops mit Trumpf und Dreistern gearbeitet. Das ist für ein kleines Unternehmen wie das unsere noch ein echter Kraftakt gewesen.“ Arku ergriff die Chance, in Kooperation mit Trumpf kundenspezifische Lösungen zu erarbeiten. „Coils auf Laseranlagen werden sicher eine Nische bleiben, die sich jedoch weiter ausbaut. Wir setzen darauf und auf die Kooperation mit Trumpf. Es ist wichtig, mit dem Marktführer zusammenzuarbeiten, denn das Know-how, das weltweite Vertriebsnetz und der Service kommen so auch unseren Produkten zugute“, erklärt Albert Reiss.

Und auch das, was der Geschäftsführer als die „Netzwerkfähigkeit“ des Unternehmens beschreibt, erweist sich als zunehmend bedeutsam. Denn neben den Innovationen sind die Kommunikation und Transparenz ein Garant für echte Kundenlösungen. Sei es die enge Zusammenarbeit im Profilierbereich mit dem Dreistern-Werk, Schopfheim, oder die Gemeinschaftsprojekte mit Weil-Engineering, Müllheim, dort wo innovative Produkte in Kooperation entstehen sollen, ist die Netzwerkfähigkeit eine Grundvoraussetzung. „Wir halten nicht mit unseren Lösungen hinter dem Berg. Das birgt zwar einerseits die Gefahr, daß unsere Lösungen nachgebaut werden, eröffnet jedoch die ungleich größere Chance gemeinsame Projekt überhaupt im Sinne des Kunden voranzubringen.“

Die Früchte der Kooperation

Als Bänder Bleche Rohre Mitte September mit Albert Reiss spricht, erreicht ihn gerade ein Fax von Trumpf, Ditzingen. Die Presse-Information stellt die Premiere des „HSL-Coil-Conzept“ auf dem Arku-Stand auf der Euroblech vor: „Hier haben wir jetzt die offizielle Information von Trumpf über unser Gemeinschaftsprojekt“, freut sich der Geschäftsführer, und erklärt die Komponenten der 13-m-Anlage: „Das Hochgeschwindigkeits-Laserschneiden vom Coil erledigt die Highspeed-Laserschneidmaschine Trumatic HSL 2502 C mit Linearantrieben und zwei Schneidköpfen. Sie wird von einer 5-t-Arku-Haspel und der Arku Vorschubrichtmaschine mit 21 Walzen beschickt. Die Anlage ist für Blechdicken von 0,5 bis 1 mm und Coil-Breiten von 500 bis 1.000 mm ausgelegt.“

Doch auch bei Dreistern stellt Arku Bandanlagentechnik aus. Dreistern zeigt eine Profilieranlage, die im Start-Stop-Verfahren geschlossene Profile herstellen kann vor. „Bei allen unseren Kooperationsanlagen kommt es auf die nahtlose Zusammenarbeit aller Komponenten an. Hier bieten wir zahlreiche Schnittstellen an, durch die sich unsere Anlagen voll kompatibel integrieren lassen.“

Von Bändern und Profilen

„Vorschubanlagen für die Pressenautomation sind nach wie vor unser Hauptgeschäft, denn im Stanzbereich mit größeren Preß- und Stanzwerken in Europa werden viele Vorschubanlagen und Richtmaschinen benötigt. Bandvorbereitungsanlagen für Profilierer sind ein weiterer Schwerpunkt, wo wir eng mit Dreistern zusammenarbeiten. Das ist zwar ein Nischenmarkt mit etwa 50 bis 60 Profilierern in Europa, aber hier haben wir ganz klar die Nase vorn“, so Albert Reiss.

Zudem macht er einen Trend zur Profilierung vorgelochter Profile aus. Auch hier bietet Arku passende Lösungen in Form von CNC-Reihenstanzanlagen mit eigener Software und Programmierung an. Diese Anlagen müssen Löcher bei Bandgeschwindigkeiten bis zu 60 m/min ins laufende Band stanzen, etwa für Regalstützen, die erst anschließend profiliert werden. „Und gerade in diesem Bereich, wo etwa alle 20 Minuten ein Coil gewechselt werden muß, sind unsere vollautomatisierten Coil-Wechsler gefragt“, erklärt der Geschäftsführer das Tätigkeitsfeld von Arku in diesem Bereich. Auch Zuschneideanlagen für Platinen vom Coil gehören mit zum Geschäftsfeld.

„Wir sind der einzige Anbieter in Europa, der die gesamte Palette von 7-Walzen-Richtmaschinen über Präzisionsrichtmaschinen bis zu Hochleistungsrichtmaschinen anbietet. Etwa 40 Prozent unseres Umsatzes erzielen wir mit Richtmaschinen, die wir zusammen mit Bandanlagen oder als Einzelrichtmaschinen vertreiben.“

Von Märkten, Menschen, und Chancen

Selbstredend hat das Unternehmen nicht nur im Inland große Bedeutung erlangt. „Etwa 60 Prozent unserer Produkte verkaufen wir im Inland. Weitere 30 Prozent gehen zum großen Teil nach Europa, und über Gemeinschaftsanlagen, etwa mit Feintool, auch etwa 10 Prozent in den nordamerikanischen Markt. Ein Großteil unserer Kunden, etwa 60 Prozent, gehören direkt oder als Zulieferer zum Automobilbereich. Wir rechnen in diesem Jahr mit einem Umsatz von 18 Mio. Euro“, so Albert Reiss. Und da sein Unternehmen im laufenden Jahr von Umsatzseinbrüchen verschont blieb, ist sicher einem weiteren „Highlight“ zu verdanken, dem 24-Stunden-Service von Arku. „Wir haben den Dienstleistungsbereich systematisch ausgebaut und bieten unseren Kunden einen 24-Stunden-Service an 365 Tagen im Jahr. Die Installation dieser Dienstleistung ist für ein Unternehmen unserer Größe sicher bemerkenswert. Wir haben erkannt, daß nicht nur kundenspezifische Entwicklungen vorangebracht werden müssen. Der Kunde muß sich auf unsere Anlagen verlassen können und darf keine Ausfallzeiten riskieren. Daher ist unser Service sehr gut angenommen worden“, erklärt Albert Reiss.

Und damit trifft er wohl den Kern seiner Kunden, die nicht nur auf die Arku-Qualitätsanlagen bauen können, sondern auch die Sicherheit haben bei Problemen schnelle Hilfe zu erhalten.

Erschienen in Ausgabe: 11/2002