Profitable Lösungen

Konstruktion de Luxe. Ob die Herstellung feinster medizinischer Nadeln aus 0,1 mm starkem Material ansteht, oder automatische Fabriken für Kaminrohre gefragt sind — TTEngineering konstruiert die passende Fertigungstechnik.

14. März 2008

Der TT-Engineering-Chef Pierangelo Pasquettin erscheint mit seinem schwarzen Audi TT auf dem Firmenhof. Sportlich entsteigt der drahtige Mann seinem Sportwagen, um schnellen Schrittes in sein Büro zu kommen — pünktlich zum Gesprächstermin mit bbr. Pasquettin liebt den Wettbewerb, die Herausforderung und er tritt ein für die konsequente Zusammenarbeit von Wissenschaft/Forschung und Industrie. »Wir sind in erster Linie ein Ingenieurbüro geblieben«, verrät er in kurzen, präzisen Sätzen. »Unsere Kunden kommen aus so vielen verschiedenen Bereichen. Jeder von ihnen hat so spezielle Anforderungen, dass wir eine individuelle, ganz spezielle Lösung finden müssen.« Das ist also der Reiz an seiner Arbeit. Und dieses Spezialistentum hat dem Unternehmen bereits zahlreiche Patente beschert.

Rohrproduktionsmaschinen

»Unsere Produktionsmaschinen für Kurzrohre sind für Blechstärken von 0,3 bis drei Millimeter (je nach Material) ausgelegt und dienen beispielsweise der Herstellung von Kaminrohren et cetera«, erzählt Pasquettin. Die Maschinen von TTE runden die Rohre hochgenau und dann werden sie in der Maschine mittels Laser, TIG oder Plasma verschweißt. Auch das 3D-Stanzen beziehungsweise Laser- oder Plasmaschneiden als Folgeprozess gehört mit zum Repertoire des Unternehmens und darüber hinaus die Fertigung gesamter Fertigungsstraßen und -inseln, in denen Roboter das Handling von Station zu Station übernehmen. »Um 16:00 Uhr haben wir eine Videokonferenz mit einem belgischen Kunden, der eine automatische Fabrik einrichten möchte. Mit unserer Anlage kann er vollautomatisch über 100 verschiedene Rohrprodukte komplett herstellen. Dazu werden vom Coil die Bleche geschert, gerundet, mit Aussparungen versehen und mit anderen Bauteilen zu kompletten Komponenten gefügt. Gerade im NAFTA-Markt und in Europa haben wir schon viele derartige Automatisierungsprojekte realisiert.«

Forscherdrang

Pasquettin ist der Mann fürs Konkrete. Sein Joint Venture mit drei weiteren Unternehmen der Region (unter anderem einem weltbekannten Rohrbiegemaschinen-Hersteller) dient einzig und allein der gemeinsamen Suche nach Lösungen für die Kunden. Auch seine Kontakte zur technischen Universität in Mailand — Pasquettin war dort als Dozent tätig — tragen Früchte. »Wir haben mit den Wissenschaftlern und weiteren Unternehmen das Projekt ›Sviluppo Como‹ (Entwicklung Como) auf die Beine gestellt. Wir müssen Wissenschaft und Wirtschaft zusammenführen, um international führend zu bleiben«, so Pierangelo Pasquettin, und er verweist hier auch auf Länder wie Deutschland, die in diese Richtung große Anstrengungen unternehmen. »Es geht darum, dass unterschiedlichste Produkte höchst wirtschaftlich, wenn nötig bis zu Losgröße eins, fertigbar sind. Damit halten wir die Arbeitsplätze auch in Zukunft in den Hochlohnländern«, beschreibt der Firmenchef sein Anliegen.

Wenn Ideen laufen lernen

Die Umsetzung der Ideen aus dem Konstruktionsbüro übernehmen die Männer aus der eigenen Fertigung, allesamt Spezialisten mit der Liebe zu Prototypen. Hier findet man von der neuen Rohrformmaschine über Komponenten für eine automatische Rohrfabrik die unterschiedlichsten Anlagentypen. Selbst eine Bestückungsanlage für Kosmetikprodukte (hier werden feinste Grafitminen in Kunststoffhalter gedrückt und das Ganze in einen Halter montiert — vollautomatisch, inklusive Qualitätskontrolle) ist hier im Aufbau. Die Besucher der Tube jedenfalls dürfen sich auf eine neue Spezialität, eine Rohrformmaschine, freuen. »Unser neuer CNC-Rollformer kann Rohre mit Durchmessern von 75 bis 600 Millimeter, Längen bis 1.550 Millimeter bei (materialabhängigen) Materialstärken von 0,3 bis 1 Millimeter fertigen. Wir haben uns einige Bauteile der Maschine patentieren lassen und bereits fünf dieser Maschinen verkauft«, freut sich Pasquettin. Auf der Tube jedenfalls wird der direkte Vergleich von TTE mit deutschen Konkurrenten möglich sein. Wie so oft wird der Wettbewerb zu schnelleren, besseren und noch wirtschaftlicheren Lösungen führen — und davon profitieren die Fertigungsbetriebe und letztendlich die Endkunden. Übrigens, auf der Metav stellt TTE in Halle 05, Stand L06 aus.

Erik Schäfer

Background

TTEngineering

Gründung: 1985 als Ingenieurbüro, 1993 kommt zum technischen Büro noch eine eigene Fertigung hinzu.

Geschäftsführung: Pierangelo Pasquettin

Mitarbeiter: 35

Produktbereiche: Industrielle Automation, Schweißtechnologien, Kaminrohre, Radiatoren, Medizintechnik, Kosmetik, Beschichtungs-Technologien.

TTE fertigt Einzel-Spezialmaschinen und komplett automatisierte Fertigungslinien inklusive der automatischen 100-Prozent-Qualitätskontrolle, beispielsweise zur Fertigung von dünnwandigen Rohren oder kompletten Kanülen für medizinische Spritzen.

Erschienen in Ausgabe: 03/2008