Produzieren statt rüsten!

Draht/Komplettfertigung

Tatort Zulieferindustrie: Klassische Zulieferbetriebe sehen sich mit ständig kleiner werdenden Stückzahlen bei steigender Produktvielfalt konfrontiert. Folge: häufige, arbeitsintensive Umrüst- und Montagearbeiten.

01. März 2012

Ein häufiger Produktwechsel bedingt nicht nur mehrstündige Maschinenstillstandszeiten, sondern belegt auch kostenintensive Facharbeiterkapazitäten. »Mit unserem neuen NC-Fertigungssystem GRM-NC gehört diese Situation der Vergangenheit an«, schwärmt Mathias Bihler. »Es reduziert Umrüstzeiten auf ein Minimum. Stanz-Biege-Teile aus Draht- und Bandmaterial lassen sich mit der Maschine auch in Kleinserien hoch effizient fertigen. Anwendern bietet die GRM-NC deutlich mehr Flexibilität, um immer kurzfristigere Kundenwünsche bei großer Artikelvielfalt optimal zu erfüllen. Auf der Wire präsentieren wir die NC-Maschine jetzt zum ersten Mal.«

Werkzeugkompatibilität

Besonders Zulieferbetrieben, die mit den Bihler-Maschinentypen GRM 50 und GRM 80 produzieren, eröffnen sich neue Perspektiven. Denn auf der GRM-NC lassen sich sämtliche Werkzeuge dieser Maschinentypen schnell und vollständig adaptieren und optimieren. Die GRM-50- und GRM-80-Stanz-Biege-Automaten sorgen mit ihrem zentralen mechanischen Antrieb in der Massenteilefertigung für ein hohes Maß an Produktivität, Präzision und Reproduzierbarkeit.

Rüsten per Knopfdruck

Wenn es jedoch ans häufige Umrüsten geht, binden sie teilweise wertvolle Kapazitäten.

»Wer jetzt wegen immer kleinerer Serien seine bestehenden GRM-50/80-Werkzeuge auf die GRM-NC verlegt, spart sehr viel Zeit«, sagt Mathias Bihler, »denn besonders zeitintensive Arbeiten wie das Ausrichten der Schlittenaggregate, das Justieren der Biegestempelbewegungen und das Einstellen des Vorschubs erledigen sich in Sekundenschnelle über die Steuerung.« In der Steuerung sind die Grundeinstellungen eines jeden Produktionszyklus gespeichert und können jederzeit auf Knopfdruck wieder aufgerufen werden. Sind weitere Änderungen – etwa infolge eines Materialwechsels – erforderlich, können alle relevanten Parameter schnell und einfach variiert werden.

Innovative NC-Schlitten Positioniereinheit

Hinter den kürzeren Umrüstzeiten stehen mehrere technische Finessen, wie die neuartige, vollautomatische Schlitten-Positioniereinheit. »Mit ihr lassen sich die Positionen der NC-Schlittenaggregate in radialer Richtung einfach per Knopfdruck verstellen«, führt Mathias Bihler aus. »Die Schlitten-Positionen sind nach dem ersten Einrichten im Werkzeugprogramm abspeicherbar. Bei einem erneuten Aufruf oder nach einem Werkzeugwechsel lassen sich diese absolut reproduzierbar wiederherstellen.« Die Positioniereinheit kann die NC-Schlittenaggregate allen Grundpositionen der GRM-Maschinen zuordnen.

Individuell anpassbare Aggregate

Kurze Rüstzeiten bieten auch die NC-Bearbeitungsaggregate. Diese sind mit Schnellwechselsystemen für die Werkzeuge ausgestattet. Die Aggregate können schnell, einfach und individuell auf vorhandene Werkzeuge eingestellt werden. Das System passt sich den Werkzeugen an – Rüsten ohne mechanische Zusatzelemente, sondern einzig über die Programmierung. Für maximale Flexibilität sind alle NC-Bearbeitungsaggregate über den gesamten Arbeitsbereich frei programmierbar. Arbeitshub, unterer Totpunkt, Hublagenverstellung sowie das Bewegungsprofil sind frei wählbar.

Die maximale Leistung ist zu jedem Zeitpunkt und in jeder Hublage verfügbar. Umformbewegungen lassen sich mit konstanter Kraftübertragung realisieren. Für höchste Prozesssicherheit besitzen alle Aggregate ein integriertes Kühl- und Zentralschmiersystem. Die softwareseitig integrierte Überlastsicherung verhindert ein unsachgemäßes Handling oder eine Überbeanspruchung. Das integrierte Absolutmesssystem kompensiert vollständig prozessbedingte Temperatureinflüsse.

Einfache Handhabung

Die Varicontrol VC 1 von Bihler dient als zentrale Maschinen- und Prozesssteuerung. »Wie ein zweiter Mann unterstützt die moderne Steuerung den Bediener«, so Mathias Bihler. Einrichtoperationen erfolgen ohne externes Programmiergerät. Eine maßgeschneiderte Menüführung unterstützt den Bediener hinsichtlich aller notwendigen Aktivitäten. Das garantiere, so Mathias Bihler, ein einfaches und schnelles Einrichten und Umrüsten.

Für die Programmierung der NC-Aggregate sind einfache Eingabemasken integriert. So lässt sich die Grundbewegung eines NC-Schlittenaggregates mit nur wenigen Parametern programmieren. Produktionsmenüs und Benutzeroberflächen sind frei konfigurierbar und individuell an jede Applikation anpassbar. Eine integrierte Messwert- und Produktionsdatenerfassung ist ein weiteres Feature der benutzerfreundlichen Steuerung.

Hohe Rentabilität

Mathias Bihler resümiert: »Mit der neuen GRM-NC eröffnen sich Anwendern interessante Anwendungsmöglichkeiten in ihrer Fertigung, vorhandene Facharbeitskräfte lassen sich zudem effizienter einsetzen und das Logistik-Management deutlich verbessern. Diese Faktoren garantieren eine schnelle Rentabilität der Anlage.«

Wire: neue Fertigungsperspektiven

Neben der Erstvorstellung GRM-NC liegt der Fokus in Düsseldorf auf der ›BihlerNC‹-Technik. Unter dem Slogan »No more limits« bietet Bihler dem Markt leistungsstarke NC-Prozessmodule und hochflexible NC-Maschinensysteme; wie das erstmals auf der Euroblech 2010 präsentierte NC-Fertigungs- und Montagesystem Bimeric BM. »Die Bimeric hat sich in der Zwischenzeit auf dem Markt etabliert und bei vielen Anwendern neue Fertigungsperspektiven eröffnet«, freut sich Ludwig Mayer, Bereichsleiter Vertrieb & Marketing.

Baukastensystem für effiziente Komplettlösungen

»Mit dem kompakten NC-System lassen sich Komplettlösungen von der Einzelteilfertigung bis hin zu

komplexen Baugruppen flexibel, kostengünstig und effizient realisieren«, so Ludwig Mayer weiter. Das intelligente Zusammenspiel standardisierter Komponenten im Baukastensystem mache dies möglich. So lässt sich die Bimeric BM – abhängig von der Fertigungsaufgabe – individuell zusammenstellen: mit Bihler-Prozessmodulen für sämtliche Anwendungen der Umform-, Montage-, Handhabungs- und Fügetechnik sowie mit Bihler-Werkzeug- und Steuerungstechnik.

Offene Schnittstellen für externe Komponenten

Auch Bearbeitungskomponenten von Fremdanbietern, etwa von Industrierobotern und Zuführsystemen, oder erweiterten Prozesse wie Kunststoffumspritzen, Laser- und Ultraschallschweißen können durch die offenen Schnittstellen der zentralen Maschinen- und Prozesssteuerung frei in Fertigungsabläufe auf der Bimeric BM integriert werden. »Der Einsatzbereich der Bimeric ist dadurch breit gefächert: als reines Fertigungssystem, reines Montagesystem oder als kombiniertes Fertigungs- und Montagesystem. Selbst Bihler-Stanz-Biegeautomaten können mit der Bimeric verkettet werden«, erklärt Ludwig Mayer.

Integration von Folgeverbundwerkzeugen

Werden höhere Stanzkräfte und Taktzahlen benötigt, lässt sich die Bimeric BM auch mit der neuen Bihler-Servopresse SP 500 (Stanzkraft 500 kN) koppeln. Durch die frei programmierbare Hub- und Hublagenverstellung und den großen Einbauraum für Schnittwerkzeuge können auch bestehende Folgeverbundwerkzeuge integriert werden. Die in der Presse gefertigten Bauteile lassen sich anschließend direkt am Trägerstreifen hängend auf der Bimeric BM weiterbearbeiten – dieses Bauteilhandling am Streifen erhöht deutlich die Qualität der gefertigten Bauteile.

Einfaches, schnelles Rüsten

Bei großer Variantenvielfalt und den damit verbundenen kleineren Losgrößen werden Rüstzeiten zum entscheidenden Kriterium für maximale Effizienz in der Fertigung. »Unsere moderne Technik garantiert das einfache, schnelle und reproduzierbare Rüsten des Systems«, betont Ludwig Mayer. »Alle Bewegungen der Aggregate lassen sich einfach in der zentralen Maschinen- und Prozesssteuerung programmieren und abspeichern und bei einem Werkzeugwechsel per Knopfdruck wieder abrufen.« Werkzeug-Schnellwechselsysteme an allen Aggregaten garantierten den schnellen und sicheren Aus- und Umbau der Werkzeuge. Die gute Zugänglichkeit zu allen Modulen erleichtere Rüst- und Wartungsoperationen zusätzlich.

Optimiertes Logistik-Management

»Das innovative Bimeric-BM-Konzept bietet gegenüber den sequentiellen Fertigungsabläufen mit Pressen entscheidende Vorteile. Durch die Komplettfertigung von Baugruppen auf einem System – vom Halbzeug bis zum fertig fallenden Bauteil – wird die Prozesskette erheblich gestrafft und das Logistik-Management deutlich optimiert. Durch Wegfall überflüssiger Prozessschritte und effizienteren Einsatz von Facharbeiterkapazitäten sparen Anwender wertvolle Zeit und Geld – und steigern zudem ihre Fertigungsqualität und Produktionseffizienz«, resümiert Ludwig Mayer.

Wire Halle 10, Stand F18

Erschienen in Ausgabe: 02/2012