Die AP&T-Gruppe mit ihren Presswerken in Monheim und Roermond zählte bereits vor fünf Jahren mit einer Jahres-Profilproduktion von 65000 Tonnen zur Spitze der europäischen Produzenten. In Deutschland erreichte die Gruppe einen Marktanteil von rund zehn Prozent. Mit einem anspruchsvollen Investitionsprogramm, zu dem auch eine neue Pressenlinie im Werk Monheim gehört, wurde die Produktion auf 80000 Tonnen jährlich gesteigert.

Platzmangel macht erfinderisch

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Was das Presswerk im rheinischen Monheim von den meisten anderen Presswerken unterscheidet, ist die Tatsache, dass für einen Ausbau der Profilproduktion keine zusätzliche Produktionsfläche zur Verfügung gestellt werden konnte. Ein leistungsfähiger Strangpressbetrieb unter beengten Platzverhältnissen ist nur möglich, wenn der Raum für Lagerung und Transport streng limitiert ist. Breite Wege, auf denen Profilkörbe mit Flurförderzeugen transportiert werden, verbieten sich von selbst. Ohne eine detaillierte, langfristige Planung war unter diesen Bedingungen die Erweiterung des Presswerks undenkbar.

Einen Ausweg bietet eine weitestgehend automatisierte Intralogistik. APT Hiller hat als eines der ersten Presswerke in Deutschland die Möglichkeiten des automatisierten Profiltransportes konsequent genutzt. Als Logistikpartner entschieden sie sich 1989 für den Logistikspezialisten Herrmann + Hieber (H+H).

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H+H geht bei seinen Planungen von einer Analyse des Materialflusses aus, wobei auch zukünftige Produktionsausweitungen in die Überlegungen einbezogen werden. Im Fall der APT Hiller führte das zu dem Ergebnis, dass sich die Probleme am günstigsten mit Hilfe automatisierter Krantransporte (AMK) lösen lassen. Mit etwa 80 installierten AMK-Anlagen gilt H+H heute als Technologieführer auf diesem speziellen Arbeitsgebiet.

Logistikautomatisierung nach Plan

Die Planung sah vor, alle vier Pressen des Werks in ein umfassendes Logistiksystem zu integrieren, zu dem neben ebenerdigen Förderstrecken auch vier AMK-Anlagen gehören. Weil das starke Wachstum des Monheimer Presswerks die Realisierung der geplanten Volumenströme erschwert hatte, musste H+H mit dem Kunden an verschiedenen Punkten Sonderlösungen entwickeln. Zunächst mussten zwei zentrale Automatikkrananlagen parallel angeordnet werden. Um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten, stimmen die beiden AMK ihre Aktionen nach Maßgabe der vorgegebenen Zielstellungen untereinander ab, das heißt sie arbeiten redundant.

Weil deren Kapazität nicht ausreicht, wurden beide Kransysteme mit speziellen Schwenkgreifer-Systemen ausgestattet, mit denen Einzel- oder Doppelkorbtransporte möglich sind. Die zur Ladungsaufnahme vorgesehenen Greifeinrichtungen bekommen von der Steuerung mitgeteilt, ob Einzelkörbe oder Korbstapel transportiert werden sollen. Die Greifeinrichtungen sowie alle anderen installierten Transportmittel sind so ausgeführt, dass sie für sämtliche Korbtypen geeignet sind.

Des Weiteren war es aufgrund der angestrebten Flexibilität und dem geringen Platz unvermeidlich, einzelne Förderstrecken für den Transport beider Korbtypen auszulegen und sich kreuzende Materialfluss-Ströme mit Unterflur-Fördereinrichtungen zu entflechten. Aus Mangel an Lagerplätzen können die großen Systemkörbe bis zu zwölffach ›kaskadisch‹ ineinandergestapelt und in einem Förderpuffer der Produktion zugeführt werden. Das geschieht ebenfalls automatisch über die automatischen Krananlagen. Die Körbe wurden für diese spezielle Stapelung modifiziert.

Die – im Monheimer Werk installierte – Profilproduktion profitiert durch die Automatisierung des Materialflusses. Sichtbar wird der Rationalisierungseffekt an dem geringeren Personalbedarf, der niedrigeren Schrottrate und am störungsfreien Ablauf. Außerdem kann der Betrieb Auftragsschwankungen flexibel abfedern. An diesem Beispiel wird deutlich, dass neben Wirtschaftlichkeit und Flexibilität weitere Gründe für einen automatisierten Materialfluss sprechen. Ohne einen automatisierten Profiltransport wäre hier eine solche Produktionssteigerung nicht möglich gewesen.

Dr. Peter Johne

Fachjournalist aus Haan

Zahlen & Fakten

Herrmann + hieber (h+h) ist seit mehr als 50 Jahren als kompetenter Hersteller automatischer Materialflusssysteme am Markt. Das mittelständische Unternehmen ist im schwäbischen Denkendorf angesiedelt.

Durch die Spezialisierung auf zwei wichtige Fachbereiche – Fördersysteme für Paletten und für schwere Lasten zwischen 1000 und 30000 Kilogramm – kommen den Kunden Erfahrungen aus der Entwicklung und Realisierung von mehr als 1200 Förderanlagen zugute, bei denen ähnliche Aufgaben gelöst wurden.

Systeme und Komponenten von H+H zeichnen sich durch eine sorgfältige Planung, kurze Realisierungszeiten und eine hohe Betriebssicherheit aus.