Präzisionsband aus hochlegierten Stählen

Neues Kaltwalzwerk für Sonderstahlbleche in den USA

Hochwertige Bleche aus Spezialstählen mit besonderen Eigenschaften werden in allen High-Tech-Branchen benötigt.Mit der Nachfrage wachsen auch die Anforderungen an die Materialqualität. In den USA wurde ein neues Kaltwalzwerk für die Herstellung von Präzisionsbändern aus hochlegierten Stahlwerkstoffen in Betrieb genommen.

04. April 2002

Kalt gewalzte Bänder aus hochlegierten Stählen erfreuen sich stetig steigender Nachfrage. „Wir haben festgestellt, daß die Nachfrage nach Präzisionsband in einer wachsenden Vielfalt von Legierungstypen schon seit einiger Zeit eskaliert“, erläutert Michael L. Shor, für den Bereich „Hochlegierte Werkstoffe“ zuständiges Vorstandsmitglied der Carpenter Technology Corporation in Reading, Pennsylvania, USA. Zugleich stiegen auch die Qualitätsanforderungen der Abnehmer. Um diese interessanten neuen Märkte bedienen zu können, investierte das Unternehmen in den letzten beiden Jahren rund 80 Mio. US-$ (zirka 170 Mio. DM) in ein neues Kaltwalzwerk, mit dem Kaltband aus Sonderlegierungen erzeugt werden kann. Mit dem neuen Werk wird Carpenter seine jährliche Produktionskapazität in diesem Bereich von bisher 5.500 Tonnen auf künftig 10.500 Tonnen nahezu verdoppeln.

Das neue Werk verfügt über hochmoderne Ausrüstung, um mehr Legierungen und Abmessungen bei höherer Qualität des Bandmaterials verarbeiten zu können als bisher. Dabei nutzt man auch Synergien mit dem Mutterhaus, das in den USA eine führende Position als Edelstahlhersteller innehat und in der zweiten Hälfte der 90er Jahre rund 36 Mio. US-$ in einen hochmodernen Vakuum-Schmelzbetrieb investierte. Nach eigenen Angaben verfügt das Unternehmen über die weltweit größte Konzentration moderner Vakuum-Lichtbogen-Umschmelzöfen. „Im Unterschied zu den meisten anderen Präzisions- Kaltwalzwerken erzeugen wir unsere Legierungen selbst. Das erlaubt uns eine lückenlose Qualitätsüberwachung über alle Stadien der Fertigung vom Erschmelzen bis zum letzten Walzdurchgang“, betont M. Shor. Das Fertigungsprogramm umfaßt Blechband mit Dicken zwischen 0,0127 und 6,7 mm in Breiten zwischen 6,35 mm bis zu 381 mm. Verarbeitet werden die meisten der rund 450 bei Carpenter erschmolzenen Legierungstypen.

Kernstück des neuen Walzwerks ist ein hochmodernes 20-Rollen-Reversier-Kaltwalzgerüst von Fröhling, Olpe. Das Dickenprofil des einlaufenden Bandes wird an 24 über die Bandbreite verteilten Punkten kontinuierlich gemessen. Je nach gewünschtem Ausgangsprofil können dann verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um das Dickenprofil des auslaufenden Bandes differenziert zu verändern. Die Prozeßdaten werden von einem modernen Steuerungsrechner gespeichert und statistisch ausgewertet. Damit stehen Grundlagen für die Vorausberechnung und Optimierung künftiger Walzprogramme für vergleichbare Materialien zur Verfügung.

Welligkeiten und Beulungen des Bandes werden mit Hilfe eines nachgeschalteten Streckbiege-Richtwalzwerks von Ungerer, Pforzheim, beseitigt. Für Bandmaterial mit besonders hohen Anforderungen an die Oberflächenqualität, beispielsweise für Sichtflächen im Bausektor, verfügt das neue Werk über eine sechsstufige automatische Naß-Bandschleifanlage von Hill Acme, die beide Seiten des Bandes gleichzeitig bearbeiten kann.

Für die Wärmebehandlung stehen sowohl eine Haubenglühe als auch drei Vertikal-Blankglühen in einer rund 37 m hohen Halle zur Verfügung. Beide Wärmebehandlungseinrichtungen wurden von Ebner, Ohio, geliefert.

Auch die Fröhling-Bandspaltanlage, mit der die fertig gewalzten Bänder schließlich in Streifen mit der gewünschten Breite geteilt werden, muß besonders hohen Anforderungen genügen. Um Gratbildung an den Schnittkanten zu vermeiden, verfügt sie über Meßtechnik und Justierhilfen, mit deren Hilfe nicht nur die Gratbildung, sondern auch Schwankungen der Bandbreite minimiert werden können. Bei solchem Band kann darüber nachgedacht werden, die Bandkanten mit in die Bauteilbegrenzungen einzubeziehen und so den Verschnitt zu senken.

Erschienen in Ausgabe: 03/2001