Präzise im Wind

Technik/Drücken

›Drücken‹ halten Laien oft für einen Drück-, pardon: Druckfehler. Doch das vergleichsweise seltene Verfahren Fließpressen gehört zu den ältesten und – für kleine und mittlere Serien – effizientesten Metallumformmethoden.

27. November 2012

Mitunter sind es Blechformteile mit recht stattlichen Abmessungen, die Zulieferer Helmut Rübsamen für Kunden in der Windenergietechnik herstellt. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um einbaufertige Formteile aus hochvergüteten Stahlsorten, Aluminium-Legierungen und Buntmetallen. Typisch für den Bedarf der Anlagenbauer in der Windkrafttechnik ist, dass sie oft nur kleine oder mittlere Serien eines Bauteils benötigen. Dank seiner technischen Spezialisierung auf die beiden Umformverfahren Metalldrücken und Tiefziehen ist Rübsamen perfekt eingestellt auf diese Forderung nach kostengünstigen Präzisionsbauteilen in geringen Stückzahlen.

Hohe Festigkeit in einem Stück

Keineswegs aber sind es nur dünnwandige Gehäuse- oder Kleinteile, die die Anlagenbauer der Windkrafttechnik bei Rübsamen fertigen lassen. Jüngst realisierte das Unternehmen beispielsweise ein massives Widerlager aus Stahl für die Aufnahme eines Gummilagers, das in der Windkraftanlage zur Schwingungsdämpfung eingesetzt wird. Das etwa 240 x 190 mm große und circa 7,5 mm dicke Stahlteil besteht aus einer mit vier Bohrungen versehenen Montageplatte und einem konischen ausgeformten Kegel, in den später das Gummilager eingesetzt wird. Als erfahrener Metalldrücker kann Rübsamen dieses Widerlager in einem Stück herstellen, so dass fast ohne thermische Belastung des Stahls ein Bauteil von hoher Festigkeit entsteht.

Das Metalldrücken (Fließpressen) ist eine Kaltumformtechnik, die Material sparend arbeitet und keine aufwendigen Formwerkzeuge benötigt. Aus diesen Gründen ist das Verfahren sehr energieeffizient und wirtschaftlich. Insbesondere bei kleinen bis mittleren Losgrößen ist es laut Rübsamen unschlagbar kostengünstig. Zumal es – wie auch das Beispiel des Widerlagers zeigt – Schweißprozesse überflüssig macht. Das Metalldrücken punktet vor allem bei der Produktion rotationssymmetrischer Bauteile: Sie können völlig nahtlos ausgeführt werden und erreichen hohe Festigkeiten.

Bestens ausgerüstet

Zum modernen Fertigungspark von Rübsamen gehören unter anderem eine Laserschneidmaschine, eine 6000-KN-Presse und mehrere CNC-Metalldrückzentren.

Außerdem deckt das Unternehmen viele weiterführende Bearbeitungsverfahren ab, etwa das Prägen, Stanzen, Lochen und die Oberflächentechnik. Vor allem aber hat sich Rübsamen in den letzten Jahren auch einen Namen gemacht als Baugruppen-Fertiger (Edelstahl, Stahl, Aluminium).

Die Basis dafür bilden nicht nur die eigene 3D-Konstruktionsabteilung und der eigene Werkzeugbau, sondern auch das kontinuierlich aufgebaute Know-how auf dem Gebiet der automatisierten Schweißtechnik. Im Bereich des Roboterschweißens setzt das Unternehmen sowohl das Laser- und MIG/MAG-Schweißen als auch das Abbrennstumpf- und Buckelschweiß-Verfahren ein. Rübsamen ist nach DIN ISO 9001 zertifiziert und verfügt über zahlreiche Technik-Zertifikate – darunter auch die Zulassung als Schweißer-Fachbetrieb für die Herstellung sicherheitsrelevanter Bauteile.

Eine Grundlage für das hohe Qualitätsniveau ist nicht zuletzt auch der Einsatz moderner Verfahren der Qualitätssicherung wie etwa der 3D-Messtechnik oder der automatisierten Auswuchttechnik.

Übrigens: Erfordert es die Bauteile-Geometrie oder wird eine größere Stückzahl (bis 100000) benötigt, so setzt Rübsamen auch das Tiefziehen-Verfahren nach DIN 8584 ein. Durchmesser von 20 bis 2000 mm, Kantenlängen von 2000 x 1500 mm und Wandstärken von 0,5 bis 15 mm sind hier realisierbar.

Technisch bedingt liegen die konstruktiven Schwerpunkte im Tiefziehen auf einseitig offenen oder ebenfalls rotationssymmetrischen Hohlkörpern.

Erschienen in Ausgabe: 07/2012