Präzise gesteuert

Gasdruckfedern in der Umformtechnik

Steigender Rationalisierungsdruck zwingt sowohl die Preßwerkbetreiber als auch die Betriebsmittelbauer zur Reduzierung der Investitionskosten. Die Beschaffer von neuen Pressenstraßen orientieren sich zunehmend weniger an technisch machbaren, sondern mehr auf technisch notwendigen Ausführungen.

13. Juli 2002
Umformen der Wasserrinne eines Vorderkotflügels
Bild 1: Präzise gesteuert (Umformen der Wasserrinne eines Vorderkotflügels)

Die Standardausführungen der Pressenhersteller sind entsprechend preislich attraktiv. In Konsequenz hierzu stehen selten benötigte Funktionen pressenseitig nicht mehr zur Verfügung. Sie müssen vom Betriebsmittelbauer im Werkzeug realisiert werden. Die in den wenigen Fällen höheren Betriebsmittelkosten sind in der Gesamtbetrachtung die wirtschaftlichere Lösung gegenüber der Umsetzung der Technik in der Presse. Die Betriebsmitteltechnik muß dennoch so universell sein, daß der sichere Betrieb des Werkzeuges sowohl auf der Ersatzpresse als auch bei Auslagerung der Werkzeuge aus dem Produktionspreßwerk nach dem Ende der Typlaufzeit sicher gewährleistet ist.

Die Alternative ist steuerbar

Hinsichtlich Prozeßsicherheit und hoher Teilausbringung sind keine Kompromisse zulässig. Dies führt zu technisch hochwertigen komplexen Werkzeugen.

Für die pressenseitig fehlende Unterluft in den Stufen 2 bis 6 bieten gesteuerte Gasdruckfedern eine sehr gute Alternative. Für Umformvorgänge, die nicht in Pressenrichtung durchgeführt werden, stehen steuerbare Gasdruckfedern in Konkurrenz zu aufwendigen mechanischen und hydraulischen Lösungen. Gegenüber den bereits bekannten hydraulisch gesteuerten Systemen weisen sie bei Kostenneutralität wesentliche Vorteile, wie eine sehr schnelle Inbetriebnahme und kein Nachfederungseffekt (durch Luft-Öl-Gemisch).

Nach dem im Vorfeld beschriebenen Anforderungsprofil bietet die Fibro GmbH, Haßmersheim, ein auf den Kunden beziehungsweise Anwendungsfall zugeschnittenes steuerbares Gasfedersystem an, das sich dadurch auszeichnet, daß die Feder im unteren Totpunkt verriegelbar ist. Das Werkzeugoberteil wirkt beim Abwärtshub über den Blechhalter auf die aktiven Federn. Die Passivfeder wird direkt vom Oberteil gedrückt und trägt dazu bei, daß die Aktivfeder im unteren Umkehrpunkt ohne Rückfederung verriegelt. Beim Aufwärtshub des Werkzeugoberteils verbleiben die aktiven Federn im eingefahrenen Zustand. Nach Abheben des Hauptniederhalters liegt das Karosserieteil frei im Werkzeugunterteil. Es wird von der Pressenmechanisierung entnommen. Auf das winkelabhängige Steuersignal der Presse öffnen die Ventile im Boden der aktiven Federn, und die Federn fahren aus. Der Niederhalter wird über das Werkzeugoberteil aktiviert und hält das Blech in Position. Über den Keilschieber wird die Wasserrinne des Kotflügels umgeformt. Die steuerbare Gasdruckfeder dient als Blechhalter und muß im eingefahrenen Zustand verriegelt werden, um eine ungewollte Deformation des Blechteils zu verhindern.

Gesteuerte Kostensenkung

Mit dem steuerbaren Gasfedersystem ist ein System realisiert, welches sich aufgrund verschiedener Vorteile gegenüber bereits bekannten hydraulischen Ausführungen zu einem Standardelement in der Werkzeugtechnik entwickeln wird. Die Kostenvorteile liegen in den reduzierten Investkosten für neue Pressenstraßen durch den Entfall der selten benötigten Unterluftfunktion in den Pressenstufen 2 bis 6 und bei horizontalem Einsatz im direkten Vergleich mit herkömmlichen Systemen. Die schnelle Inbetriebnahme des Systems, der störungsarme Produktionsbetrieb und die Verwendung von Standardtechnikelementen sind die wesentlichen Pluspunkte für die neue Technik.

Erschienen in Ausgabe: 03/2002