Planetenkopf als Oxidschichtentferner

Neues Schleifverfahren rückt den Oxidschichten zu Leibe

Lange wurde an einer Lösung gearbeitet, um die Oxidschichten an laser- oder brenngeschnittenen Blechteilen zu entfernen, denn es genügt hier nicht, Kanten zu runden oder Oberflächen zu entzundern. Der spätere Auftrag von Lacken et cetera gestaltete sich so problematisch, weil der Lack später immer wieder mit der Oxidschicht abplatzt. Ein Kronacher Unternehmen hat sich der Thematik intensiv angenommen, und die erste ausgelieferte Schleifmaschine versieht ihren Dienst bereits zuverlässig bei einem Schwarzenberger Blechverarbeiter.

03. Juli 2003

Ob Trocken- oder Naßschleifen, Weber-Schleifmaschinen zur Blechbearbeitung aus Kronach werden international eingesetzt. In einem Feld der Blechbearbeitung stießen die Schleifmaschinen jedoch an ihre Grenzen; die sichere und vollständige Entfernung von Oxidschichten an der Schnittkante bei gleichzeitiger Kantenverrundung. Georg Weber, Senior Vice President der Hans Weber Maschinenfabrik, leitet die Sparte Schleiftechnik des alteingesessenen Familienunternehmens. Er gehört zur dritten Generation, und in seinem Bereich sind etwa 60, der insgesamt 350 Mitarbeiter - mit einem Anteil an Auszubildenden von 13 Prozent -, tätig. Der Urgroßvater, Hans Weber, hatte bereits 1928 über 1.500 Maschinen für die Holz- und Schieferindustrie gebaut und ausgeliefert. Später kam als zweites Standbein die Fertigung stufenloser Getriebe hinzu, und 1960 begann Weber mit der Produktion der weltweit bekannten Extruder für die Kunststoffindustrie, die auch heute noch den größten Teil des Maschinenbauunternehmens stellen.

Schleiftechnik im Blickpunkt

„1980 haben wir den Bereich Schleifmaschinen wieder auf starke Füße gestellt und technisch neu aufgebaut“, erzählt Georg Weber, „1984 kam der Bereich Metallschleifen und ein Jahr später die Entgrattechnik auch im Grobblechbereich hinzu.“ Ein Meilenstein dieser Entwicklung war sicher der Bolzenschleifbalken, wo federnd gelagerte Bolzen innenseitig auf das Schleifband drücken und so auch größere Verwerfungen der Bleche bis etwa 4 mm spielend ausgleichen. Neben den Maschinen für den Trockenschliff brachte Weber auch Naßschleifmaschinen auf den Markt, die insbesondere den Bereich Aluminiumschleifen (Explosionsgefahr durch Aluminiumstäube) gefahrlos abdecken. Gerade in diesem Bereich galt es, die Maschinen selbst vor Korrosion zu schützen, was durch den Einsatz von Edelstahlgehäusen oder vollverzinkten Gestellen und speziellen Lagerungen der rotierenden Bauteile realisiert wird. „Selbstverständlich kann der Kunde hier wählen, inwieweit die verschiedenen Baugruppen tatsächlich in Edelstahl ausgeführt sein sollen, denn das ist sicher eine Preisfrage“, so Georg Weber.

Mitte der 90er-Jahre wurde das Augenmerk auf kürzere Rüstzeiten und die einfachere Bedienung gelegt, es begann die Zeit der Steuerungen, der motorisierten Achsen und der Automatisierung. Und die Entwicklungen gehen beständig weiter. Insbesondere durch den verstärkten Einsatz der Laserstrahl-Schneidtechnologie kamen neue Aufgaben auf die Schleifmaschinenbauer zu. Weber reagierte auf die Herausforderungen mit einem gänzlich neuen Konzept, und lieferte im November letzten Jahres die erste Trockenschleifmaschine mit der Bezeichnung TT 2 P an den Schwarzenberger Blechverarbeiter Stephan aus. Die TT 2 P entgratet und verrundet die Bleche nicht nur, sie ist in der Lage, die Oxidschichten an den Schnittkanten umlaufend auf eine Tiefe bis 10 mm zu entfernen.

Von der Messe direkt ins Werk

Wolfgang Stephan zeigt sich zufrieden mit der Investition in die Weber-Schleifanlage. Sein 46-Mann-Unternehmen (davon 7 Auszubildende), das übrigens in der fünften Generation im Familienbesitz ist und auf eine über 125jährige Geschichte zurückblicken kann - selbst zu DDR-Zeiten blieb das Unternehmen immer in privater Hand, da es damals nie mehr als 10 Mann beschäftigte-, verfügt über modernste Fertigungsanlagen und kann unter anderem auf drei Trumpf-Laserschneidmaschinen - die Trumatic L3030-, 2500 und HSL 4002 - zählen. Trumpf-Sachsen ist auch einer der Hauptabnehmer von Stephan und bezieht vom Schwarzenberger Unternehmen die Blechteile für die Automatisierungs- und Laserschneidanlagen, die in Sachsen gefertigt werden.

Wie so oft im Leben spielte der Zufall eine gewichtige Rolle, und Wolfgang Stephan erhielt die Information, daß er sich doch mal die Weber-Schleifmaschinen näher ansehen solle, denn die wären dabei, eine Lösung auf den Markt zu bringen, die eine wirtschaftliche und sichere Oxidschichtentfernung erlauben. Da Weber in Kronach nur etwa 1,5 Autostunden entfernt liegt, konnte sich Wolfgang Stephan vor Ort über die Neuentwicklung informieren und die nagelneue Maschine das erste Mal in Augenschein nehmen. „Das war die Maschine, die wir auf der Euroblech ausgestellt haben“, erklärt Georg Weber. Nur wenige Wochen später versah die TT 2P bereits ihren Dienst im Schwarzenberger Werk.

Die TT 2P ist mit.zwei Schleifwalzen, die hier mit einem Schleifband und einem Scotchbrite-Band bestückt sind sowie dem neuen Planetenkopf mit Stahlbürsten ausgestattet. Der Einzug der Blechteile erfolgt selbsttätig. Die SPS von Siemens mit den Weber-Schleifprogrammen ist leicht zu bedienen, und wie alle Weber-Schleifmaschinen ist die TT 2P mit der automatischen Werkstückdickenmessung (mit einer Einstellgenauigkeit von 0,1 mm) ausgestattet. Und die einfache Bedienung sorgt auch für die hohe Akzeptanz durch die Bediener, die sich durch die unterschiedlichen Blechstärken der ankommenden Werkstücke nicht beeindrucken lassen. Rasch ist die richtige Blechdicke ermittelt und das Schleifprogramm aufgerufen.

Einfache Bedienung inklusive

„Die Maschine kann alle anfallenden Aufgaben sicher erledigen“, meint Wolfgang Stephan, und zeigt sich sehr zufrieden mit der Maschinenleistung. Über den konkreten Verbrauch an Schleifbändern und -scheiben kann er noch nichts Konkretes sagen, denn viele Dinge werden noch ausgetestet, um die Anlage bestmöglichst nutzen zu können. „Im dreimonatigen Betrieb haben wir drei Scotchbrite-Bänder gewechselt und etwa 150 Tonnen Bleche geschliffen“, so Wolfgang Stephan.

Georg Weber erklärt die Details der Anlage, die grundsätzlich an eine Absauganlage angeschlossen werden muß. Insbesondere den Planetenkopf, der in diesem Fall mit mehreren Stahlbürsten bestückt ist, erwähnt er hier: „Dieser Planetenkopf ist eine Neuheit, für die wir bereits den Gebrauchsmusterschutz haben - die Patentanmeldung läuft. Vorteil dieses Systems ist, daß es die umlaufenden Schnittkanten sicher von der Oxidschicht trennt. Ein Planetengetriebe ist an sich nichts Neues, aber wir haben eine neue Variante entwickelt. Die Bürsten greifen die Schnittflächen immer in versetzten Winkeln an, was zu einem absolut sauberen Ergebnis führt.“ In der Tat kann sich das Ergebnis sehen lassen, denn während unseres Gespräches hat eine Mitarbeiterin von Stephan zahlreiche, unterschiedliche Blechteile durch die Schleifmaschine laufen lassen, die das Gesagte glänzend dokumentieren.

Erschienen in Ausgabe: 03/2003