Perfekte Spannung

Wire/Drahtseile

Immer dann, wenn hohe Anforderungen an Langlebigkeit, Robustheit und Tragfähigkeit zusammen mit geringem Eigengewicht und hoher Transparenz gestellt werden, kommt Draht aus Edelstahl Rostfrei mit Qualitätssiegel ins Spiel.

22. März 2018
© WZV/Carl Stahl ARC
Bild 1: Perfekte Spannung (© WZV/Carl Stahl ARC)

Von der Rohstahlproduktion über Walzen und Wärmebehandlung bis zum Drahtziehen erfordert die Herstellung von Blankdraht aus Edelstahl Rostfrei viele exakt aufeinander abzustimmende Prozessschritte. Durch Walzen entsteht Grobdraht, der durch eine sich verjüngende Öffnung eines Zieheisens, Ziehsteins oder Walzgerüstes gezogen wird. Diese Öffnung ist in mehreren aufeinander folgenden Produktionsschritten immer kleiner, sodass der Draht ohne Materialverlust immer länger und dünner wird.

Neben runden Edelstahldrähten gibt es auch Produkte mit quadratischen oder rechteckigen Querschnitten. Zur Herstellung von Edelstahlseilen wird in aller Regel jedoch Runddraht eingesetzt. Werkstoffeigenschaften und Fertigungsverfahren haben nicht nur auf die anwendungsbezogene Eignung großen Einfluss, sondern auch auf die Optik der aus den Drähten hergestellten Produkte.

Da sich die Ziehsteine im Prozess abnutzen, weist die Drahtoberfläche sukzessive eine leichte Streifigkeit auf. Um diese über die Drahtlänge auf ein Minimum einzuschränken, müssen die Ziehsteine im Mikrometer-Bereich poliert und gezielt eingesetzt werden. Durch abschließendes Glühen erhält der Edelstahldraht die für den jeweiligen Einsatzbereich benötigte Dehnung und Zugfestigkeit.

Neben einer großen Auswahl an austenitischen und ferritischen Edelstahllegierungen zählt auch Duplexstahl zum Werkstoffspektrum, aus dem hochwertige Edelstahldrähte für die unterschiedlichen Einsatzgebiete gefertigt werden.

Richtiger Dreh

Zur Herstellung von Drahtseilen werden Drähte zu Litzen oder Kardeelen und diese wiederum zum Seil verdrillt. Dieses Verdrillen wird auch Schlagen und die so hergestellten Produkte deshalb geschlagene Seile genannt. Von der Wahl der Verseilungsart der Litzen – standardmäßige Drahtüberkreuzung oder parallele Verseilung – hängt die Biegeleistung und Lebensdauer der Seile ab.

Auch die unterschiedlichen Möglichkeiten der Schlagarten eines Seils – Kreuz- oder Gleichschlag – beeinflussen die Eigenschaften und damit seine Eignung für verschiedene Einsatzbereiche.

Ob Hub-, Abspann-, Verstell-, Schließ- oder Windenseil: Eine anwendungsspezifische Auswahl gewährleistet neben zuverlässiger Funktion auch eine lange Lebensdauer.

In vielen dieser Anwendungen reicht ein Stahlseil. Bei korrosiven Umgebungsbedingungen und hohen Anforderungen an Ästhetik, Belastbarkeit und Haltbarkeit sind jedoch Drahtseile aus Edelstahl Rostfrei mit Qualitätssiegel unverzichtbar, wenn es darum geht, hohe Kräfte aufzunehmen und sicheren Halt zu geben.

Im Bauwesen überzeugt zu Seilen verarbeiteter Edelstahldraht als vielseitiges Gestaltungselement ebenso wie als Sicherung. Als Geländerfüllung stellen Edelstahlseile ihre filigrane Ästhetik und robuste Leistungsfähigkeit in Treppenhäusern, auf Balkonen oder auch als Brüstungen an Brücken unter Beweis. Zu Gewebebahnen oder -paneelen verwoben, werden Edelstahlseile und -draht zur textilen Gebäudehülle, die sogar extremen Windlasten standhält und widrigen Witterungsbedingungen dauerhaft trotzt. Deshalb werden Edelstahlgewebe nicht nur aus dekorativen Gründen als Fassadenbekleidung eingesetzt, sondern auch als leistungsfähige Absturzsicherung im Stadion- oder Parkhausbau.

In normalen atmosphärischen Bedingungen eignen sich die Werkstoffgüten 1.4401 und 1.4571. In Meeresnähe und Industrieregionen mit stark salz- oder schwefeldioxidhaltiger Luft werden dafür bevorzugt höher legierte nichtrostende Stähle eingesetzt. Dabei bringen im Einzelfall – wie beim Grand Théâtre des Cordeliers im französischen Albi – auch ausgeklügelte Abspannkonstruktionen aus Edelstahlseilen dreidimensional geformte Gewebeelemente in Form.

Ein breites Einsatzspektrum bieten zu Netzen verarbeitete Edelstahlseile. Im Gebirge bilden sie für Wanderer eine nahezu unsichtbare aber höchst effektive Barriere, um einen Absturz in die Tiefe zu verhindern. An Brücken haben sich optisch unterordnende Auffangnetze aus Edelstahlseilen der Werkstoffklasse 1.4404 für die Suizidprävention bewährt. Den Pariser Eiffelturm sichert ein Edelstahlnetz vor unbefugtem Beklettern.

Aus optischen Gründen wurde es – ebenso wie die Edelstahlseile, die es mit dem Eisenfachwerk des Turms verspannen – durch einen Anstrich in der Farbigkeit dem berühmten Bauwerk angepasst. Als gestalterische und funktionale Alternative zu massiven Gittereinzäunungen werden vorgespannte Netzkonstruktionen aus Edelstahlseilen immer häufiger auch in Tiergärten genutzt.

Hier verbinden dreidimensional geformte Tiergehege hohe Transparenz mit sicherer räumlicher Trennung und erschließen so vielfältige Varianten zur zeitgemäßen Zoogestaltung.

Korrosionsbeständige Rankhilfe

In der Fassadenbegrünung treten an die Architektur angepasste Befestigungssysteme aus Edelstahldraht optisch dezent zurück und überlassen als jahrzehntelang haltbare Rankhilfe den unterschiedlichen Kletterpflanzen die Bühne. Die Drahtdicke richtet sich dabei nach der Art der Pflanzen. So genügen dünne Edelstahlseile oder -drähte mit einem Durchmesser von zwei Millimetern für schwachwüchsige Sorten wie Clematis, während vier oder mehr Millimeter dicke Rankhilfen sogar den beachtlichen Lasten von Blauregen gewachsen sind. Der robuste Werkstoff überzeugt hier nicht nur durch seine dauerhafte Korrosionsbeständigkeit, sondern sorgt auch dafür, dass weder Algen noch Moos eine Angriffsfläche haben.

Eine Schlüsselrolle nimmt Edelstahldraht im Segelsport ein. Hier werden 1x19-Seile aus 19 Litzen als zugfeste Variante für stehendes Gut verwendet. Diese auch Stage genannten Absteifungen dienen zur Stützung der Masten in Längsrichtung sowie zur Befestigung der Segel. In Querrichtung verspannen Wanten genannte Edelstahlseile die Masten. Früher dienten Wanten aus Naturfasern auch zum Aufentern, um die Segel einzuholen oder zu lösen. Heute fangen Edelstahlseile mit möglichst wenig Gewicht die auftretenden enormen Windlasten ab, um den Mast in Position zu halten.

Die dafür erforderliche Auslegung des Edelstahlseils richtet sich nach Masthöhe, Segelfläche und Art der Anbringung. Üblicherweise werden hierfür ebenfalls 1x19-Seile eingesetzt. Nur Regattasegler setzen auf dünne Spezialdrähte wie 7x7-Seile. Mit sieben Litzen aus ebenso vielen Drähten sind diese wesentlich leichter – allerdings bei einer rund 30 Prozent geringeren Zugfestigkeit als bei 1x19-Seilen.

Durch ihre kleineren Biegeradien bieten sie im Regattasport jedoch mehr Einsatzmöglichkeiten.

Erschienen in Ausgabe: 02/2018