Passgenauer Schnitt

Fokus - Laser

Eine Kombination aus Robotern und Laser sind bei Solvaro für Geschwindigkeit und Prozesssicherheit in der Fertigung tiefgezogener Komponenten verantwortlich. In einer 100 Quadratmeter großen 3D-Laseranlage sorgen drei Roboter für eine pausenlose Bearbeitung der Teile, die durch den Laser ihre gewünschte Kontur erhalten.

09. März 2016

In der 100 Quadratmeter großen 3D-Laseranlage des Bauteile-Herstellers Solvaro können Teile nach dem Tiefziehen beschnitten werden. Das bietet eine ganze Reihe von Vorteilen: Es sind keine teuren Beschnittwerkzeuge notwendig, was auch die Bearbeitung kleinerer Mengen wirtschaftlich macht. Die Rüstzeiten für den Wechsel zwischen zu bearbeitenden Teiletypen sind kurz. Und darüber hinaus werden die Schnitte sehr zuverlässig, prozesssicher und akkurat ausgeführt.

Da das Unternehmen mit Sitz im schwäbischen Kirchheim unter Teck häufig Teile von Baugruppen fertigt, spielt eine hohe Prozesssicherheit eine große Rolle. Denn beim Fügen der einzelnen Teile muss absolute Passgenauigkeit gegeben sein.

»Zeitaufwendiges und kostspieliges Nacharbeiten – wie oft erforderlich, wenn die Teile nach dem Beschnitt tiefgezogen werden – ist mit unserer 3D-Laseranlage nicht notwendig«, berichtet Gerhard Bullinger, Geschäftsführer von Solvaro.

Einsatz in Agrarmaschinen

Eingesetzt wird die Anlage hauptsächlich zur Fertigung von Lüftungsgittern oder Motorhauben für Agrarfahrzeuge und Baumaschinen, wie für den ›Fendt 1000 Vario‹ oder den Kubota-Traktor ›M7-171‹. Wichtig ist, dass die Bauteile vor Schmutz schützen, stabil sind und zur Kühlung des Motors so viel Luft wie möglich durchlassen. Im Fall des Fendt-Traktors ist der Motor 500 PS stark und im Acker meist im Dauereinsatz. Durch tiefgezogene Partien erhalten die Hauben oder Gitter eine größere Oberfläche. So wird zum einen die Luftdurchlässigkeit und zum anderen die Stabilität erhöht.

Gleich drei Kawasaki-Roboter der R-Serie sorgen dafür, dass die Anlage pausenlos im Wechsel beladen wird. Die Roboter verfügen über einen Sechs-Achs-Gelenkarm und eine Nutzlast von drei bis 80 Kilogramm. Durch ihre kompakte Bauform eignen sie sich besonders für kleine bis mittlere Lasten. Ihre Reichweite liegt bei 2,1 Millimeter bei einer Genauigkeit von ± 0,07 Millimeter. Einmal vom Roboter aufgenommen, kann das Bauteil in sämtlichen Winkeln bearbeitet werden.

Ein beweglicher Schneidkopf des deutschen Laserspezialisten Preci-tec sorgt für mehr Flexibilität. Durch die kleinen, schnellen Bewegungen des Schneidkopfs können kleinere Arbeitsschritte, beispielsweise das Schneiden von Löchern, ohne Roboterbewegungen vorgenommen werden. In einer Schicht werden bis zu 300 Teile mit einer neuen Kontur versehen.

Der Faserlaser von Rofin hat eine Leistung von 2.000 Watt. Ein zweiter Laserausgang kann auch zum Schweißen verwendet werden. Geschnitten wird mit Stickstoff: Das Metall oxidiert nicht und das Haften von Lack stellt nach der Bearbeitung kein Problem dar.

Die 100 Quadratmeter große Kabine ist mit einer Reihe von Kameras ausgestattet. Der Mitarbeiter, der die Maschine bedient, steht hinter einer Schutzwand und kann die Roboter dank der Kameras durchgehend beobachten und bei Bedarf eingreifen. Eine Absauganlage in der Kabine entsorgt Feinstaub und Dämpfe, die beim Schneiden von verzinktem Blech entstehen können.

Kompetenz im Tiefziehen

Konzipiert wurde die Lasernalage vom ungarischen Hersteller Lasram, der sehr viele Unternehmen aus dem Pharmabereich und der Medizintechnik bedient. Solvaro hat in die Laseranlage 1,6 Millionen Euro investiert.

Gerhard Bullinger ist zufrieden: »Unser Know-how im Tiefziehen von gelochtem Metall ist durch die Weiterbearbeitung mit dem Laser ideal ergänzt.«

Zahlen & Fakten

Anfangs unter dem Namen Mevaco produziert und vertreibt das Unternehmen europaweit Loch- und Strukturbleche. Um die unterschiedlichen Kundenkreise – Handwerker und Architekten auf der einen Seite, Industriekunden auf der anderen Seite – gezielter anzusprechen, wurden die Bereiche 2006 organisatorisch getrennt und eigenständig weitergeführt. 2008 wurde aus dem industriellen Teil von Mevaco schließlich Solvaro. In Kirchheim unter Teck tüfteln die Ingenieure an Anwendungstechnik für diverse Branchen. Die hohe Flexibilität der Maschineneinheiten im Produktionszentrum in Szekszárd ermöglicht es, individuelle Lösungen zu entwickeln.

Erschienen in Ausgabe: 02/2016