Partielle Reparatur von Spritzschichten

Unternehmen

Keine Produktion ohne Verschleiß. Deshalb ist es wichtig, Maschinen und Anlagen effizient gegen Abrasion, Erosion sowie Korrosion zu schützen und sie gegen extreme Belastungen möglichst unempfindlich werden zu lassen.

16. Februar 2010

Bereits Anfang der 60er-Jahre führte die Stellba Schweisstechnik AG in Dottikon, Schweiz, das Hartstoffbeschichten an Ventilkomponenten in der thermischen Kraftwerksindustrie ein, 1997 wurde zu den anfänglichen, schweißtechnischen Lösungen das Fertigungsprogramm mit dem Verfahren des Hochgeschwindigkeitsflammspritzens (HVOF – High Velocity Oxygen Fuel) für das Auftragen dünner, karbidischer Schichten ergänzt und ständig erweitert. Damit lassen sich dank hoher Partikelgeschwindigkeiten im Verbund mit moderater thermischer Energie sehr dichte, fest haftende und oxidarme Schichten reproduzierbar herstellen. 2009 ging eine zweite HVOF-Beschichtungsanlage in Betrieb, die zu Europas modernsten zählt. Das Schweizer Unternehmen liefert weltweit komplett gefertigte Bauteile – insbesondere für Flugzeug-, Dampf- und Wasserturbinen, für Dieselmotoren und den Maschinenbau sowie für die Lebensmittel- und Kunststoffindustrie. »Wir sind spezialisiert auf die schwierige Bearbeitung unserer Hartlegierungen und bieten einbaufertige Bauteile oder endmontierte Baugruppen auf höchstem Qualitätsniveau«, erklärt Dipl.-Ing. Reinhard Hitzek, der seit 1996 verantwortlich für die Leitung in Technik und Verkauf ist. Mithilfe seiner langjährigen Erfahrung wurde bei Stellba die HVOF-Beschichtungstechnik eingeführt.

Verdoppelung der Lebensdauer

Ständige Verbesserung der Leistungsfähigkeit ist zur Maxime von Stellba geworden. Deshalb arbeitet das Unternehmen seit vielen Jahren eng mit Hochschulen, Forschungsinstituten und Industrieunternehmen zusammen. Mit der EMPA – eine interdisziplinäre Forschungs- und Dienstleistungsinstitution für Materialwissenschaften und Technikentwicklung unter den eidgenössischen Technischen Hochschulen – wurde beispielsweise ein Projekt durchgeführt mit dem Ergebnis, dass Stellba 2008 das Patent für die partielle Reparatur von Spritzschichten erhielt. Damit hat sich das große Problem, verschlissene und korodierte Bauteile in Wasserturbinen auszutauschen, wesentlich verringert. Denn allein der Ein- und Ausbau einer Turbine dauert etwa 3½ Monate, das Gewicht der Laufräder liegt zwischen 6 und 8 t. Da bei den großen Teilen die meisten Schäden nur an kleinen Stellen auftreten, erschien es sinnvoll, nur diese Stellen von der alten Schicht zu befreien und mit einer neuen zu versehen.

Innovationen und Qualität zahlen sich aus

Nach langwierigen Tests im Labor und ›im Feld‹ ist es schließlich gelungen. Im Gegensatz zum bisherigen Verfahren, bei dem die Hartstoffbeschichtung des gesamten Bauteils entfernt werden musste, bevor eine neue aufgetragen werden konnte, ist es nun möglich, partiell zu reparieren. Das führt zu erheblicher Kostenreduzierung. Das Verfahren wurde bisher bei Stählen angewandt. Die alte Beschichtung wird mechanisch entfernt, durch Schleifen oder Strahlen. Als Beschichtungswerkstoffe eignen sich karbidische Materialien besonders gut.

»Unsere Auftragssituation für die kommenden Jahre ist gesichert«, äußert sich der Werkstoffwissenschaftler Hitzek zu den Zukunftsaussichten, »aber wir wollen natürlich noch stärker im Gasturbinenbereich für Kraftwerke eingebunden sein. Darüber hinaus ist es unser Ziel, mehr Beschichtungsaufgaben sowohl für die Lebensmittel- als auch für die Kunststoffindustrie zu übernehmen.«

Grundlage für die marktführende Position des erfolgreichen Schweizer Unternehmens ist unter anderem die konsequente Ausrichtung auf Inno-vation und Qualität.

Stellba besitzt selbstverständlich die Zertifizierungen nach ISO 9001 und 14001. Darüber hinaus erhielt das GTS-Mitgliedsunternehmen 2000 das GTS-Zertifikat. Der 1992 gegründete eingetragene Verein GTS (Gemeinschaft Thermisches Spritzen) ist ein weltweiter Interessenverband von Industrieunternehmen, Handwerksbetrieben, Handelsfirmen und Forschungseinrichtungen für das Thermische Spritzen.

Ursula Mertig,

Gauting

Hintergrund

Die Stellba Schweisstechnik AG hat seit 2006 ihren Sitz in Dottikon, Schweiz. 1957 in Urdorf bei Zürich gegründet, hat sich Stellba kontinuierlich weiterentwickelt und ist zu einem mittelgroßen Unternehmen herangewachsen. Stellba ist nach ISO 9001 und 14001 zertifiziert und erhielt darüber hinaus 2000 das GTS-Zertifikat, das zusätzlich zum Qualitätsmanagement der DIN EN ISO 9001:2000 das Personal, den Prozess und – auf Wunsch – ein Produkt oder eine Schicht für das Thermische Spritzen zertifiziert.

Der 1992 gegründete eingetragene Verein GTS mit derzeit 173 Mitgliedern ist bestrebt, das Thermische Spritzen einer breiten industriellen Öffentlichkeit bekannt zu machen und ihren Mitgliedern bei der industriellen Vermarktung dieser Technik zu helfen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2010