Outsorcing? Insourcing!

Wo andere Unternehmen auf Outsourcing plädieren, verfolgt LMT aus Hilpoltstein das „Insourcing“. Dank modernster Fertigungstechnik geht das Konzept der pfiffigen Blechbearbeiter auch auf.

12. Juli 2005

Blech- und Profilbearbeitung, Beleuchtungsrohrsysteme, Sonderleuchten, Konstruktion, Gehäusebau; so trocken, wie dies auch im ersten Moment klingen mag, geht’s bei der Leuchten + Metall Technik (LMT) aus Hilpoltstein wahrlich nicht zu. Die Blechverarbeiter setzen auf modernste Technik, qualifizierte Mitarbeiter und Unternehmenskonzepte, die den Stempel »Zukunftsorientiert« durchaus verdienen. Das 1984 gegründete Unternehmen beschäftigt derzeit 28 Mitarbeiter, davon drei in der Entwicklung und Konstruktion sowie zwei Auszubildende - auch in diesem Punkt sind die Hilpoltsteiner vorbildlich.

Spektrum erweitert

„In den ersten zehn Jahren unseres Bestehens haben wir Jahr für Jahr angebaut. Inzwischen sind wir so groß, daß unser Überleben in dem hart umkämpften Markt gesichert ist. Die Gewinnmargen sind, nicht zuletzt aufgrund der osteuropäischen Konkurrenz, in den letzten fünf Jahren stetig gesunken“, erzählt Projektleiter Dipl.-Ing. Mike Otterpohl - der zusammen mit Vater Heinz und Bruder Tobias den Kern des Unternehmens bildet - und betont: „Trotz allem kann und will ich nicht jammern, denn wir haben die Zeichen der Zeit frühzeitig erkannt und uns Maßnahmen ausgedacht, dies zu kompensieren und uns neue Märkte zu erschließen.“

So liefert LMT nicht nur in das gesamte Bundesgebiet, sondern inzwischen auch nach Europa und in die ganze Welt, wenngleich sich der Export mit etwa zehn Prozent der Fertigung noch in Grenzen hält. „Wir arbeiten daran, dies noch weiter auszubauen“, berichtet der Projektleiter.

Selbermachen mit System

Doch das ist nicht alles; die Zeiten des reinen Leuchten- und Gehäusefertigers sind bei LMT endgültig vorbei. Die Hilpoltsteiner haben sich auch auf die Montage ihrer Leuchtensysteme spezialisiert. Zudem fertigen sie Gehäuse für medizinische Geräte, montieren diese und sind inzwischen dazu übergegangen immer mehr Komponenten, wie Displays et cetera, gleich mit einzubauen. „Die Medizinsparte ist auf gut 30 Prozent unseres Umsatzes angewachsen und wir arbeiten gerade an der dritten Gehäusegeneration, die vom gleichen Industriedesigner gestaltet wird, der auch die Trumatic designt hat“, meint Mike Otterpohl und verweist darauf, daß das reiner Zufall war.

Vom reinen Fertigungsbetrieb entwickelt sich LMT also mehr und mehr zum Komplettanbieter, inklusive der Elektromontage. Mike Otterpohl nennt ein Beispiel: „Wir haben uns vom reinen Zulieferer von Leuchten zum Hersteller von Speziallösungen entwickelt. Dabei gehen wir direkt an die Projektierer, wie etwa große Bauunternehmen. Das Lichtbandsystem der Messe Nürnberg beispielsweise, haben wir gefertigt und zugleich die gesamte Elektromontage realisiert.“

Trend zum Blechteil

Die Zeiten von der Auftragsvergabe bis zur Fertigstellung großer Bauprojekte sind sukzessive kürzer geworden. Waren es vor fünf Jahren projektbezogen im Schnitt noch zwölf bis 20 Wochen, sind es heute gerade einmal vier bis sechs Wochen. Neben einem flexiblen Blechmaschinenpark kann sich LMT auch auf seine engagierten Mitarbeiter und die durchdachte Arbeitsorganisation verlassen. „Wir haben auf die Entwicklung der stetig sinkenden Margen mit der Vormontage im eigenen Haus, der Möglichkeit auf eigene Fertigungsstandards zurückgreifen zu können und der Konstruktion integrierter Blechteile reagiert“, sagt Mike Otterpohl und präzisiert den letzten Punkt: „Produktabhängig konnten wir die Anzahl der Einzelteile zwischen 20 und 50 Prozent reduzieren. Nicht zuletzt durch die enormen Möglichkeiten unseres flexiblen Maschinenparks war dies möglich. Und wir arbeiten weiter an Konstruktionen, die mit noch weniger Einzelteilen auskommen. Der Trend geht bei uns ganz klar zum Blechteil und weg von Schweißkonstruktionen aus Rohren.“

Vollintegrierte Trumatic

Konstruiert wird bei LMT durchgängig mit „Pro/Engineer“ in 3D. Dann gehen die CAD-Daten direkt über das Netzwerk zu der „ToPs 300“-Software von Trumpf, die dann das Maschinenprogramm, die Schachtelung der Blechteile vornimmt und dies der Stanz-Laser-Kombimaschine Trumatic 3000 L zur Verfügung stellt.

Seit März 2005 steht die Trumatic 3000 L in der Halle für die Blechfertigung des Pilotkunden LMT, und die Brüder Otterpohl tauschen fleißig ihre Erfahrungen mit den Trumpf-Mitarbeitern aus: »Viele Dinge, die wir in unserer Fertigung für verbesserungswürdig erachtet haben, fließen so in die Serienmaschinen ein“, meint Tobias Otterpohl, der wie sein Bruder die exzellente Zusammenarbeit mit den Ditzingern schätzen gelernt hat. „Unsere erste Trumpf-Stanzanlage war eine gebrauchte Trumatic 150 W. Dann folgte die Stanzanlage 240, eine 260 Rotation, die Stanz-Laser-Kombination 260 L mit Automation, und seit März 2005 unsere Stanz-Laser-Kombination Trumatic 3000 L“, erklären die Brüder Otterpohl.

Bei der Abnahme der neusten Trumpf-Maschinengeneration mit einem Laser- und einem Stanzkopf programmierten die Trumpf-Techniker eines der LMT-Serienteile als Abnahmebauteil. So konnten die Hilpoltsteiner Leuchtenbauer übergangslos von der Abnahme zur Produktion umstellen.

Zwischen 1 und 1.000 liegt die Losgröße der Serien, die auf dem Multitalent gefertigt werden. „Wir bearbeiten auf der Trumatic Edelstahl und Aluminium bis 4 mm Dicke. Das Gros unserer Produktion im Dünnblechbereich spielt sich jedoch bei 1 bis 2 Millimetern ab. Über die Trumatic laufen in etwa 90 Prozent der Bauteile unseres gesamten Produktportfolios“, erläutert Tobias Otterpohl die eminente Wichtigkeit für die Produktion bei LMT.

Daß die Maschine im Dauerbetrieb keine Schwächen zeigen darf, ist klar. „Ein tolles ›Feature‹ ist die Fernwartung von Trumpf. Da kann sich der Techniker in Ditzingen direkt in unsere Maschine einloggen und Einstellungen prüfen oder nach Absprache verändern, wenn wir die Maschine für ihn freigegeben haben. Das spart Zeit und ist eine echte Hilfe.“ Eine weitere Spezialität der Trumatic, ist die Lasereinheit: „Wir können mit Preßluft als Schneidgas arbeiten, was unsere Schnittkosten drastisch reduziert. Diese Möglichkeit ist für eine unserer Serien, mit langen Schnittkanten, ein Riesenvorteil“, erklärt Tobias Otterpohl, der inzwischen auch so etwas wie ein ToPs-300-Spezialist geworden ist. Er pflegt hier einen intensiven Gedankenaustausch mit Trumpf über die Möglichkeiten der Software.

Auch die Ersatzteil- und Werkzeugbeschaffung klappt nach Erfahrungen der Otterpohls reibungslos. „Innerhalb eines Tages ist jedes beliebige Ersatzteil bei uns. Und wenns noch schneller gehen müßte, gibt’s ja noch die Expreßlieferung innerhalb eines halben Tages“, so die Brüder übereinstimmend.

Netzwerk für „Blechfanatiker“

Daß man bei LMT nichts dem Zufall überläßt und sich dennoch die Neugierde und den Mut, neue Wege zu gehen, bewahrt hat, zeigt etwa die Einführung des ERP-Systems in diesem Jahr. »Wir haben am 1.1.2005 komplett umgestellt. Das ERP-System „Semiramis“ vom österreicherischen Softwarehaus KTW ist nagelneu im Markt. Dementsprechend gab und gibt es immer wieder Arbeit mit dem Abgleich und der Feinjustage. Aber wir sind hier rasch und produktiv vorangekommen und haben den Arbeitsfluß im Unternehmen nun vollelektronisch hinbekommen. Dies erleichtert und beschleunigt unsere internen Arbeitsabläufe zusätzlich, denn eine Zeichnungsänderung oder Teileänderung wird da zum „Mausklick““, so Mike Otterpohl über die ersten Erfahrungen. Nach der Einführung der 3D-Konstruktion mit „Pro/Engineer“, der Vernetzung und Anbindung an die Maschinensteuerung mit der Trumpf-Software ToPs 300 an die Trumatic 3000 L ist dies ein weiterer herausragender Schritt in der Unternehmensgeschichte. Daß LMT gleich so früh eine der ersten der neuen Kombimaschinen bestellt hat, wohlwissend, daß auch hier Feinjustage vonnöten sein würde, unterstreicht die Bereitschaft der Unternehmenslenker, sich den Anforderungen des Marktes zu stellen. Nur wer flexibel und rationell fertigen kann, wird im hart umkämpften Markt Bestand haben.

Durchdachte Spezialitäten

Neben dem Einsatz von High-Tech-Maschinen, wie die Trumatic 3000 L oder die TrumaBend Abkantpressen, hat sich LMT jedoch auch darauf verstanden Märkte zu erschließen: „Wir fertigen heute nicht nur Leuchten, sondern Installieren diese auch in den Bauten. Unsere Medizintechnik-Gehäuse haben sich zu einem respektablen Segment unseres Produktportfolios entwickelt“, weiß Mike Otterpohl zu berichten. Details, wie etwa ein Aluminium-Musterreflektor aus einem Blechzuschnitt, die Strahlenführungsaufnahme aus 4-mm-Edelstahl, die etwa zehn Bauteile einer älteren Konstruktion auf nur ein Bauteil reduziert, Reflektoren aus hochglanzeloxiertem Aluminium, die LMT auch in Spezialausführungen anbietet, raffinierte Lichtbandsysteme der „mm-design“- Leuchten GmbH, zahlreiche Spezialleuchten, wie die meerwasserresistenten Hafenbeleuchtungskörper oder designte Einzelstücke für Autohäuser, zeigen eindrucksvoll, daß man bei LMT nichts dem Zufall überläßt. „Die Haube aus einem Blechzuschnitt habe ich nach einem Lehrgang bei Trumpf mit dem dort gesammelten Wissen entwickelt“, verrät Mike Otterpohl. Die Trumpf-Seminare „Konstruieren in Blech“ vermitteln den Anwendern konkrete Kenntnisse, welche Möglichkeiten sich dem Blechkonstrukteur eröffnen.

Daß die Kombination aus Stanzmaschine und Laserschneidanlage die Möglichkeiten für Blechkonstruktionen stark erweitern, liegt auf der Hand. So hat Mike Otterpohl am konkreten, dünnwandigen Aluminium-Reflektor mittels Laserschnitt Biegekanten festgelegt, die sich präzise von Hand biegen lassen. Zudem hat er Falze und Laschen eingearbeitet, so daß nichts mehr genietet, geschraubt oder geschweißt werden muß. Neben der Bauteilereduzierung reduziert sich so auch der Montage- und Arbeitsaufwand drastisch. Da LMT dazu übergegangen ist, von der Konstruktion über die Fertigung bis zur Montage alles selbst zu machen, ist der Slogan von Mike Otterpohl, „wir verfolgen das Konzept vom Insourcen“, so etwas wie eine Unternehmensphilosophie und ein Bekenntnis zum Standort Deutschland, der mit engagierten Mitarbeitern, innovativen Produkten, Dienstleistungen und nicht zuletzt den High-Tech-Blechbearbeitungsmaschinen von Trumpf gesichert wird. _

Erik Schäfer

KNOW-HOWKombination für Produktiontechnische Daten Die Trumatic 3000 L Stanz-Laser-Kombination verfügt über eine Stanzeinheit und einen Laserschneidkopf.

- Arbeitsbereich X x Y mit Nach-setzen 2.500 x 1.250 mm

- Max. Blechdicke 4,0 mm

- Max. Stanzkraft 165 kN

- Max. Werkstückgewicht 120 kg

- Geschwindigkeiten: X-Achse 90 m/min; Y-Achse 60 m/min; Simultan 108 m/min

- Werkzeugwechselzeit 3,1 s / Multitool 0,6 s

- Positionsabweichung Pa ± 0,1 mm

- Laserdaten: TCF 1 mit garantierter maximale Leistung 2.000 W

Erschienen in Ausgabe: 05/2005